Zahnärztliche NewsLetter Nr. 02/2002 / 01.
Februar 2002
In eigener Sache:
Zahlreiche Anfragen nach der neuen
Adresse von Zahngesund.de lassen mich nochmals auf den
letzten NewsLetter verweisen:
Das zahnärztlich Lexikon finden Sie - zur schnelleren Abrufbarkeit in einer
Datenbank gespeichert - ab 1.1.2002 unter der URL
www.gesundezaehne24.de/html/lexikon.html, die anderen Inhalte sind unter der
URL
www.gesundezaehne24.de
erreichbar.
Inhalt:
1.)
Neue
Naturpräparate in der Zahnmedizin - eine Alternative?
a)
Teebaumöl
b)
Propolis
c)
Kava-Kava
2.)
Selber schuld, wenn die Zähne zu wackeln beginnen?
3.)
Wirklich
auf Dauer günstiger - Kassen mit Niedrigbeiträgen?
4.) Kaum zu glauben - Schönheit
durch ein Nervengift
5.) Zum Anklicken:
Zahnimplantate im deutschen Internet
6.) Neues vom Zahnbürstenmarkt
a) "Motion" -
eine preislich sensationelle Elektrische
b)
Eine neue Hightech-Handzahnbürste
7.) Fastenzeit - aber nicht zu
gründlich
8.) Von "umami" und dem 6.
Geschmackssinn
9.) Zahnfleischerkrankungen -
das Risiko eines Schlaganfalls ist stark erhöht
10.) Wahrheit lindert Zahnschmerzen
11.) Zum Lesen: "Als der Mond vor die Sonne trat"
12.) Zum Schluss: Der EURO - oder die Hälfte vom
Doppelten
**********************************************
1.)
Neue Naturpräparate in der
Zahnmedizin - eine Alternative?
Medikamente auf pflanzlicher
Basis haben in Deutschland Hochkonjunktur nach dem Motto " das ist völlig
ungefährlich, da auf pflanzlicher Basis" - zu sehr haben medienwirksame
Veröffentlichungen über gravierende Nebenwirkungen der
etablierten Pharmaka in der breiten Bevölkerung Misstrauen und Verunsicherung
ausgelöst. Aber: Schon Paracelsus stellte im Altertum fest: "Jedes Mittel ist
ein Gift, es kommt nur auf die Dosierung an". Davon sind auch pflanzliche
Präparate nicht ausgenommen, oder ist für Sie beispielsweise der
Genuss des grünen Knollenblätterpilzes oder eines Fliegenpilzes ungefährlich?
Als ein ausgesprochener Renner "gegen/für fast
alles" hat sich in den letzten Jahren das aus Australien stammende Teebaumöl
entwickelt. In der Zahnmedizin soll damit beispielsweise ein Befall mit
Zahnbelägen (Plaque)
vermieden und damit den Zahnfleischentzündungen ("Parodontose")
vorgebeugt werden. Begründet wird der Einsatz des Teebaumöls dabei mit der
antibakteriellen Wirkung auf die sichtbaren Zahnbeläge und dies wird auch mit
wissenschaftlichen Studien belegt. Der Haken dabei ist nur der, dass diese
Studien "im Reagenzglas" (in vitro) stattfanden und nicht an die Gegebenheiten
im Mund angepasst waren (siehe
NewsLetter 6/2001):
Die Zahnbeläge bestehen nicht aus vielen
einzelnen Bakterien, die es abzutöten gilt, sondern organisieren sich in den
sog. "Biofilmen",
wodurch sie sehr viel schwerer angreifbar sind. So wirken auch andere bewährte
Mundspüllösungen im Reagenzglas der Forschungslaboratorien schon in relativ
geringer Konzentration - im Mund hingegen ist manchmal erst die 100-fache
Konzentration erfolgreich. Hinzu kommt, dass die Wirkstoffe von Mundspüllösungen
wegen des ständig neu gebildeten Speichels relativ rasch ausgewaschen oder
inaktiviert werden - hier sind also Medikamente gefragt, die sich über einen
längeren Zeitraum trotzdem am geplanten Wirkungsort festsetzen können.
Frau Dr. Nicole Arweiler von der Freiburger Universitäts-Zahnklinik hat eine
nach Herstellerangaben vorbereitete Lösung des Teebaumöls an Patienten nach
wissenschaftlichen Kriterien getestet und stellte fest: "...Die
Teebaumölemulsion konnte weder den Plaque Index (Anm.: eine Messzahl für den
Grad der Zahnbeläge) noch die prozentuale Plaquebedeckung signifikant
reduzieren. ... Die Ergebnisse deuten auf eine stärkere
Plaquentwicklung hin gegenüber dem Spülen mit Wasser...."
Fazit: Nach heutigem Wissensstand: unwirksam, wenn auch nicht schädlich.
Wissenschaftliche Untersuchungen zu dem von Patienten berichteten Gefühl der
"straffenden" und "pflegenden" Wirkung auf das Zahnfleisch bei gleichzeitigem
Zähneputzen müssen noch abgeklärt werden.
b) Propolis
Bienen
betreiben für Ihren Stock einen "vorbeugenden
Infektionsschutz", indem sie das Harz von bestimmten Koniferen mit ihrem
Speichel vermischen und damit die Waben "überziehen". Schon im Altertum bekannt,
wird Propolis auch als "natürliches Antibiotikum" bezeichnet. Eine nachgewiesene
Besserung von Zahnfleischerkrankungen ist bisher wissenschaftlich in größeren
Patientenstudien nicht belegt worden.
c) Kava-Kava zur Angstminderung vor zahnärztlichen
Eingriffen
Der Entdecker James Cook trank es, die
englische Queen auch und zahnärztliche Eingriffe sollen unter weniger Angst und
Stress verlaufen. Jetzt ist der Extrakt aus der Wurzel des Rauschpfeffers, der
traditionelle Begrüßungstrunk der Südsee, in Verruf geraten.
Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) hat ein Stufenplanverfahren für Kava-Kava (Piper
methysticum)-haltige pflanzliche Arzneimittel in Gang gesetzt zwecks Widerruf
der Zulassung. Am 8. November 2001 hat die Bundesbehörde die 14 Hersteller von
Kava-Präparaten mit der Indikation Angststörungen und Spannungszustände
aufgefordert, innerhalb von vier Wochen zu Lebervergiftungen Stellung zu nehmen.
24 Spontanberichte über Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW)
mit Leberbeteiligung liegen vor. Bei einem Patienten verlief die UAW tödlich.
Welche Inhaltsstoffe der Phytotherapeutika die Ursache sind, ist noch nicht
völlig klar; hauptverdächtigt werden die in vielen Naturstoffen enthaltenen
Pyrrolizidine. Und zusätzlich heißt es aus dem Bonner Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte, dass den schweren Nebenwirkungen, "keine
hinreichend belegte therapeutische Wirksamkeit gegenüber stehe".
Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für
Arzneimittel (BfArm) beschloss am 22. Januar, dass die Pflanzenmedikamente mit
dem Inhaltstoff Kava-Kava der Verschreibungspflicht unterstellt werden
sollen.
[ Quellen: Dr. Nicole Arweiler in ZBW 1.2002 / natur und kosmos, Februar 2002 ]
2.) Zahnfleischerkrankungen - Schicksal aus heiterem Himmel?
Noch vor ein paar Jahrzehnten
war es eine einfache Sache mit der Ursache von Zahnfleischerkrankungen: Nach dem
Motto "Ein gepflegter Zahn wird selten krank", waren Zahnfleischerkrankung meist
ein Abbild schlechter Mundhygiene - also: Selber schuld, wenn die Zähne zu
wackeln beginnen?
Die moderne Wissenschaft unterteilt heute (nach Genco) 4 Umstände, die zu einer
Erkrankung des Zahnhalteapparates ("Parodontose") führen:
3.)
Wirklich auf
Dauer günstiger - Kassen mit Niedrigbeiträgen?
Das deutsche Gesundheitswesen ist - besonders was die
Finanzierung anbelangt - aus dem Tritt. Das Aufbürden einer Vielzahl
krankenkassenfremder Leistungen in die gesetzlichen Krankenkassen verbunden mit
einem den Wettbewerb stark verzerrenden Risikostrukturausgleich, haben die
Beiträge auch für Mitglieder sonst "gesunder Krankenkassen" um monatlich etliche
Euros steigen lassen. Hier heißt es, den Markt und den Service zu beobachten und
zu vergleichen - "Billigkassen" sind z.Zt. "IN". Aber: Die Erfahrung der letzten
Jahre hat gezeigt, dass irgendwann auch die "günstigen Kassen" ihre Beiträge
nach oben anpassen oder auf einen Großteil ihres Service verzichten müssen.
Deshalb sollte ein Kassenwechsel immer gut überlegt sein, da der Gesetzgeber das
"Kassenhopping" stark eingeschränkt hat:
Beispiel:
Kündigung bis zum 31. Januar bei Kasse A, Mitgliedschaft endet zum 31.03., neue
Kasse (B) ab 01.04.
Die Bindungsfrist an die neue Kasse (B) beträgt 18 Monate (bisher 12 Monate),
Ausnahme: Falls "B" den Beitragssatz erhöht, kann vom Sonderkündigungsrecht mit
einer Frist von drei Monaten Gebrauch gemacht werden. Kein Sonderkündigungsrecht
besteht dagegen, wenn man mit dem Service der neuen Kasse nicht zufrieden ist.
Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Focus" (3/2002) sind die BKK Gothaer
VuD
und die Taunus BKK mit einem Beitragssatz von 11,9 Prozent die derzeit
günstigsten, bundesweit geöffneten gesetzlichen Krankenkassen. Im Hinblick auf
den ersten Kündigungsstichtag des Jahres 2002 (siehe obiges Beispiel) unter den
geänderten Wechselbedingungen wird dies für viele Versicherte Grund genug sein,
über einen Kassenwechsel nachzudenken. Wer in Bayern, Hamburg, Niedersachsen,
Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein wohnt, hat die Möglichkeit in die im
Augenblick preiswerteste aller Kassen Deutschlands einzutreten: Dies ist mit
unschlagbaren 11,2 Prozent die
Betriebskrankenkasse Mobil Oil.
[Quelle: u.a. FreiFax vom 21.01.02 ]
4.)
Kaum zu glauben - Schönheit durch ein Nervengift
Schon 0,01 mg des
Ausscheidungsproduktes von Botulinusbazillen - selbst feine Präzisionswaagen
haben bei dieser Menge Probleme - führen durch Nervlähmung zum Tod; damit
ist dieses Nervengift etwa eine Millionen mal stärker als Zyankali. Aber wie
schon unter Punkt 1.) beschrieben, kommt es immer auf
die richtige Dosierung an:
Das Gift verhindert in richtiger
Dosierung die Übertragung von Nervenimpulsen auf die Muskulatur, blockiert aber
auch die Anregung der Schweiß- und Speicheldrüsen. Somit kann der Arzt gezielt
die Arbeit einzelner Muskeln oder der Schweiß- und Speicheldrüsen vermindern
oder ganz ausschalten. Das Medikament wird unter anderem bei krankhaftem
Zähneknirschen, chronischen Gesichtsschmerzen oder übermäßigem Schwitzen
verabreicht. Auch die ästhetische Medizin hat die Substanz für sich entdeckt:
Bei Injektion in die Gesichtshaut erschlafft lokal die Muskulatur; störende
Gesichtsfalten verschwinden oder sind längst nicht mehr so markant.
Die Therapie mit Botulinumtoxin in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie eröffnet
völlig neue Behandlungsmöglichkeiten. Aufgrund der geringen Belastung des
Patienten und fehlender Nebenwirkungen hat sie z. T. bereits aufwändige
chirurgische Maßnahmen abgelöst. Viele dieser Behandlungsstrategien wurden erst
in jüngster Zeit in der gesichtschirurgischen Klinik der Universität Bonn
erarbeitet.
[ weitere Infos: Dr. Dr. J. J. von Lindern, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Bonn (Direktor: Prof. Dr. Dr. R. H. Reich), Tel.: 0228/287-5203, Fax: 0228/287-4334, E-Mail: vonlindern@mkgchirurg.de ]
5.) Zum Anklicken: Zahnimplantate im deutschen Internet
Patientenverständliche und seriöse Darstellung - so wie Sie dies von GesundeZaehne24 her kennen - dieser hohen Kunst der Zahnmedizin sind im Internet nicht leicht zu finden. Empfehlenswert ist der Redaktion die Adresse:
Der niedergelassene Implantologe Dr. Dr. Bijan Zahedi erklärt auf seiner Site ausführlich das "Einpflanzen neuer Zähne" und steht in seinem Diskussionsforum den speziellen Nachfragen qualifiziert zur Seite. Ausführlich wird auch auf den Behandlungsverlauf und die häufig nicht unerheblichen Kosten der von den gesetzlichen Krankenkassen i.d.R. nicht übernommenen Leistungen eingegangen.
6.) Neues vom Zahnbürstenmarkt
| a) "Motion"
- eine preislich sensationelle Elektrische Revolutionieren will Colgate Palmolive den Markt der elektrischen Zahnbürsten - zumindest was den Preis angeht: Ab 1. Februar 2002 ist die neue batteriebetriebene Zahnbürste "Motion" in sechs frischen Trendfarben im Handel erhältlich. Der unverbindliche Verkaufspreis beträgt 7,49 Euro. Ein Preis der die um ein Vielfaches teurere Konkurrenz aufhorchen lassen wird, zumal - nach Herstellerangaben - die Ausstattung der einer modernen Hightech-Elektrischen entspricht. Leider liegen der Redaktion weder erste klinische Studien, noch das Modell selbst vor, sodass die Werbeaussagen nicht kritisch überprüft werden können. Beim Kauf sollte unbedingt auf die Folgekosten geachtet werden: Wie teuer sind entsprechende Ersatzbürsten, welche und wie viele Batterien werden benötigt und wie viele Putzvorgänge können damit durchgeführt werden? |
|
b) Eine neue Hightech-Handzahnbürste Massagen lösen Verspannungen und fördern die Durchblutung. Sie verschaffen ein besseres Körpergefühl, bringen Körper und Geist in Einklang. Auch Massagen für Zähne und Zahnfleisch wirken sich positiv aus. Mit der innovativen Hightech-Zahnbürste blend-a-dent Massage+, ist eine gezielte Massage des empfindlichen Zahnfleisches möglich. Eine Neuheit sind die zusätzlichen Massage-Tips aus weichem Kunststoff. Sie bringen das Zahnfleisch durch sanfte Massage auf Vordermann und helfen so, Zahn- und Zahnfleischproblemen vorzubeugen. Die blend-a-dent Massage+ ist mit mehr Borsten ausgestattet als herkömmliche Zahnbürsten. Die optimale Abrundung der Borsten sorgt für eine besonders gründliche Reinigung der Zähne. Die Dichte der Borsten steigert die Reinigungskraft, ohne dass man die Bürste stärker aufdrücken muss. Diese neue "Wellness" für den Mund ist für ca. 3,79 € im Handel erhältlich. |
7.)
Fastenzeit - aber nicht zu
gründlich
8.)
Von "umami" und dem 6.
Geschmackssinn
Früher galten die Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und bitter als das,
was die Zunge in der Lage ist zu schmecken - alles andere war pure Einbildung
oder wurde einer Geschmacks-Geruchskombination zugeschrieben. Vor ein paar
Jahren wurde dann der 5. Geschmackssinn "umami" entdeckt, welcher auf den
Geschmacksverstärker Glutamat anspricht und nun scheint es noch einen 6.
Geschmackssinn - einen "fettigen" - auf der Zunge zu geben.
Wissenschaft-Online
berichtet:
Man muss kein Feinschmecker sein, um den Unterschied zwischen fettreduziertem
und Vollfett-Käse zu bemerken. Bislang dachte man, dies liegt an der Eigenschaft
von Fetten, als Geschmacksverstärker zu wirken und auch Düfte zu transportieren.
Reines Fett hingegen hielt man dagegen für völlig geschmacklos beziehungsweise
neutral.
Doch so dachte man nicht immer. Im fünfzehnten Jahrhundert propagierte der
französische Physiker und Philosoph Jean Fernell, dass Menschen in der Lage
seien, Fett zu schmecken. Als kein entsprechender Mechanismus entdeckt werden
konnte, geriet dies allerdings bald wieder in Vergessenheit. Erst vor kurzem
begannen die Forscher, die Geschmacksarmut wieder zu bezweifeln, als Studien
zeigten, dass Fett die Geschmacksknospen von Ratten elektrisch aus dem
Gleichgewicht bringen konnte. Offensichtlich gab es ein chemisches
Detektionssystem. Doch dies überzeugte die Fachwelt nicht restlos. Einige
Forscher glaubten noch immer, dass Fett keinen Geschmack besitzt, sondern die
Versuchstiere Fett nur durch seinen Geruch feststellten. Auch Richard Mattes vom
Foods and Nutrition Department der Purdue University schrieb am Anfang seiner
Studien dem Fettgeruch die entscheidende Rolle zu. Als er mit seinem Team jedoch
feststellte, dass sich der Blutfettwert der Versuchspersonen änderte, wenn sie
Fett in den Mund nahmen, überdachten sie ihre Einstellung noch einmal. "Dies
legte uns nahe, dass es eine Art von chemischer Detektion gab. Aber wir wussten
nicht, ob es ein Geschmack oder Geruch war", sagte Mattes.
Um dem auf den Grund zu gehen, ließ Mattes Versuchspersonen in einen schön
fettigen Käse beißen. Einige konnten dabei sowohl Geruchs- als auch
Geschmackssinn einsetzen, während eine andere Gruppe durch eine Klammer auf der
Nase am Schnuppern gehindert wurde. Die dritte Gruppe wiederum durfte nur
riechen, ohne eine geschmackliche Kostprobe zu nehmen. Zur Kontrolle dienten
Freiwillige, die den Käse weder riechen noch schmecken durften. Bei allen
Probanden wurde nach der Verköstigung der Blutfettwert untersucht.
Während diejenigen, die beide Sinne einsetzen durften, einen Anstieg des
Blutfettes um den dreifachen Wert zeigten, stieg er bei denjenigen, die nur eine
Nase voll nehmen durften, überhaupt nicht. Erstaunlicherweise kletterte der
Fettwert bei Trägern von Nasenklammern ebenso um das dreifache. "Dies zeigt uns,
dass der Geschmack der Reiz ist, der den Anstieg im Blutfett verursacht. Auf den
Geschmack, nicht auf den Geruch reagiert der Körper," beschreibt Mattes. Sollte
sich der sechste Sinn auf der Zunge in zukünftigen Studien bestätigen lassen,
könnte für die Industrie von "low fat"-Produkten eine schwere Zeit anbrechen.
[ Dagmar Knopf © wissenschaft-online ]
9.) Zahnfleischerkrankungen - das Risiko eines Schlaganfalls ist stark erhöht
Die Auswirkungen von Zahnfleischerkrankungen auf den übrigen Körper sind
unbestritten, wenn auch die eigentlichen Zusammenhänge wissenschaftlich noch
nicht sicher abgeklärt sind.
Nachdem einige internationale Studien einen Zusammenhang zwischen Infektionen
und Schlaganfall nahegelegt hatten, begannen Heidelberger Forscher, das eigene
Kollektiv daraufhin zu untersuchen. So verglichen sie die Zahngesundheit von
300 Schlaganfallpatienten mit jener bei derselben Zahl von Personen mit
anderen Krankheiten. Parameter war die Haftung der Zähne. Ihre Verringerung ist
eine Folge von Paradontitis ("Parodontose").
Eine stark verminderte Zahnhaftung im Halteapparat ist mit einem 4,8fach
erhöhten Risiko für einen Hirninfarkt assoziiert, wie Privatdozent Armin
Grau vom Zentrum für Neurologie an der Universitätsklinik Heidelberg bei der 94.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Aachen berichtet hat.
Oralpathogene Keime fänden sich in den Plaques der Karotis. Eine Untersuchung
von Kollegen mit allerdings nur 214 Probanden hatte ein doppelt höheres
Schlaganfallrisiko für Patienten mit Paradontitis ergeben. Auch andere, vor
allem fieberhafte Infektionen, haben in diesem Zusammenhang eine Bedeutung. Ein
Viertel von knapp 400 Schlaganfallpatienten unter 80 Jahren aus Heidelberg habe
in der Woche vor der Ischämie einen Infekt gehabt.
Von Kindern und Jugendlichen, die einen Schlaganfall erlitten, sei bekannt, dass
sich das Risiko dafür durch eine fieberhafte Infektion um das Neunfache erhöhe.
Die beiden eigenen Studien zu diesem Zusammenhang hätten eine Risikosteigerung
in der gesamten Gruppe der Schlaganfallpatienten von 4,3 für Atemwegsinfekte und
jeweils um das Dreifache für andere bakterielle oder virale Infekte ergeben.
10.) Wahrheit lindert Zahnschmerzen
Der Besuch beim Zahnarzt ist für die meistem
Kinder eine Qual.
Doch die Angst vor dem Bohrer kann man ihnen nehmen, meint Carl von Baeyer von
der University of Saskatchewan: "Die beste Vorgehensweise ist, ihnen ehrlich zu
sagen, was auf sie zukommt." Der Forscher zeigte in einer Untersuchung mit 60
Kindern, dass seine Strategie funktioniert.
Alle Kinder sollten ein Ohrpiercing bekommen. Die Hälfte der Kinder wurde
vorgewarnt, dass es etwas wehtun könnte. Der andere Teil, der nicht vorgewarnt
wurde, empfand deutlich mehr Schmerzen.
[
Quelle: Behavier Research and Therapy; Wams 4/2002
]
11.)
Zum Lesen: "Als der Mond vor
die Sonne trat"
Schicksal Krebs
Die Diagnose "Krebs" trifft viele Menschen wie ein Blitzschlag. Sehr
niederdrückend ist die Situation für die Kinder, die oft nur spüren, dass etwas
nicht in Ordnung ist, aber noch nicht verstehen, was passiert.
Wie man Kindern eine solche Situation behutsam erklären kann, schildert ein
neues Buch. Autor Gerhard Trabert, Sozialpädagoge und Professor für Medizin und
Sozialmedizin, stellt sich in dem erzählenden Kindersachbuch "Als der Mond vor
die Sonne trat" diesem schwierigen Thema. Es ist ein Buch für Kinder und
Erwachsene, zum Lesen und Vorlesen, einfühlsam geschrieben und begleitet von
Aquarellen von Ruth Krisam. Diese helfen dabei, jene warme Atmosphäre zu
vermitteln, die so schnell verloren geht und die doch so heilsam sein kann.
12.) Zum Schluss: Der EURO - oder die Hälfte vom Doppelten
Auch wenn die Mark jetzt nur noch 51 Cent wert ist: Die
Umstellung auf die neue Währung hat besser geklappt, als sich die Europäische
Zentralbank das wohl jemals erträumt hätte. Starterkit-Euphorie unterm
Tannenbaum, Kilometer lange Schlangen vor den Bankschaltern und
Kaufrausch-Wochenenden in den Innenstädten - das bedeutete pure Emotionen und
klingelnde Einzelhandels-Kassen. Warum bloß? Genau, weil alles nur noch die
Hälfte kostete. Zumindest sah das auf den ersten Blick so aus. Da wird gerne mal
doppelt zugegriffen. Der reinste Psycho- Trick.
Wo das mit dem Euro doch so super geklappt hat - sollte jetzt nicht direkt über
weitere Halbierungs-Reformen nachgedacht werden? Wie wär's zum Beispiel mit
einer neuen Zeitrechnung? Der Tag hätte dann nicht mehr 24, sondern nur noch
zwölf Stunden. Was das für psychologische Vorteile hätte!
Die Deutsche Bahn würde sich nur noch um anderthalb statt drei Minuten
verspäten. Der Arbeitstag wäre bereits um kurz nach eins zu Ende. An der
Supermarkt-Kasse müsste nur noch halb so lang gewartet werden. Und auch der
Handy-Akku wäre schneller aufgeladen.
Na gut, es gäbe vielleicht auch ein paar Nachteile.
Kinofilme etwa wären schon nach einer Stunde zu Ende. Chopins Minutenwalzer
dauerte nicht viel länger als 30 Sekunden. Für die Mittagspause hätte die
Belegschaft mal gerade ein Viertelstündchen Zeit. Und auch Liebesnächte wären
deutlich schneller vorbei als früher .
Was aber nicht heißt, dass diese Reform nicht kommen wird. Im Gegenteil, für
einige ist sie schon da. Etwa für die Ministerpräsidentin von
Schleswig-Holstein, Heide Simonis. Die klagte kürzlich nämlich über ihren
stressigen job: "Mein Tag hat schließlich auch nur zwölf Stunden."
[
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