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Zahnärztlicher NewsLetter Nr.
04/2006/ 1. April 2006
Inhalt
1.)
Emnid-Umfrage: Mundgeruch beeinträchtigt die eigene Lebensqualität
deutlich
2.) Jahresbilanz zu den
Festzuschüssen 2005 - unterschiedliche Bewertung
3.) Zahngesunde Ernährung
- Gesunde Zähne ein Leben lang erhalten
4.)
10 Motivations-Tipps für kleine Zahnputzmuffel
5.)
Blutungsrisiko von Acetylsalicylsäure
(z.B. ASS™, Aspirin™) neu
eingeschätzt
6.)
Metallhaltige Keramik zum Patent angemeldet
7.) Stiftung Warentest: Nur ein
Bleaching-Produkt "gut"
8.)
DAK-Chef: Einzelpraxen sind ein "Auslaufmodell"
9.)
Was sind eigentlich Spurenelemente?
10.)
Akupunktur: bei welchen Erkrankungen helfen die
Stiche wirklich?
11.) Umfrage: Zahnärzte genießen höchstes Vertrauen
12.) 4.000 Tonnen Medikamente pro Jahr im Müll
13.)
Zum Schluss: Bürokraten am Krankenbett
1.) Emnid-Umfrage:
Mundgeruch beeinträchtigt die eigene Lebensqualität deutlich
Die größte Beeinträchtigung durch Mundgeruch sehen die
Befragten darin, dass es den Betroffenen schwer fällt, einen Partner
zu finden: 87 Prozent der Befragten glauben, dass Mundgeruch zu
Problemen bei der Partnersuche führt. Weniger Sozialkontakte und
weniger Kontakte mit dem Partner sind weitere Nachteile, unter denen
die Betroffenen leiden. Zudem gaben 74 Prozent der Befragten an,
dass Menschen mit Mundgeruch eine geringere Akzeptanz in ihrem
beruflichen Umfeld genießen. „Es existieren
viele Beeinträchtigungen für Menschen, die unter Mundgeruch leiden.
Häufig werden die Betroffenen ausgegrenzt und merken selbst gar
nicht, warum sie gemieden werden“, so Prof. Dr. med. dent. Christoph
Benz von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie an der
Ludwig-Maximilian Universität München, der die Ergebnisse anlässlich
des 20. Berliner Zahnärztetags auf der Pressekonferenz.
Beeinträchtigung der Lebenszufriedenheit
durch Mundgeruch (ausgewählte Fragen und Antworten:
Diese Daten verdeutlichen, dass Mundgeruch keine Lappalie ist und
einen entscheidenden Einfluss auf das Lebensgefühl der Betroffenen
hat. In der Emnid-Umfrage wurde ebenfalls erfasst, welche Ursachen
für Mundgeruch verantwortlich gemacht werden. 92 Prozent der
Befragten sehen sowohl in kranken Zähnen als auch in bestimmten
Nahrungsmitteln wie Knoblauch und Zwiebeln den Auslöser für
Mundgeruch. 88 Prozent sind sich sicher, dass eine schlechte
Mundhygiene ein entscheidender Faktor ist. Eine belegte Zunge machen
77 Prozent der Befragten für Mundgeruch und somit für eine
Verschlechterung der Lebensqualität verantwortlich.
Heute stehen zur Bekämpfung von Mundgeruch zahlreiche Produkte für
die Mundhygiene zur Verfügung: So gaben 77 Prozent der Befragten an,
dass sie sich die Zähne mit einer manuellen Zahnbürste putzen. 33
Prozent bevorzugen demgegenüber eine elektrische Zahnbürste.
„Mundhygiene ist für die meisten Menschen sehr wichtig. Daher putzen
sie sich nicht nur die Zähne, sondern benutzen auch noch weitere
Mundhygiene-Artikel“, sagt Professor Benz. So greifen 60 Prozent der
Befragten zusätzlich zu einer Interdentalbürste oder zu Zahnseide,
um die Zahnzwischenräume zu reinigen. Außerdem reinigen mittlerweile
42 Prozent der Befragten ihre Zunge, um Bakterien im Mundraum zu
mindern und somit Mundgeruch zu vermeiden.
Damit hat die Zungenhygiene einen neuen Stellenwert in der
individuellen Körperpflege eingenommen. Der Bedeutung dieser neu
entdeckten Körperpflegeregion wird auch ein wachsendes Sortiment an
Mund- und speziellen Zungenpflegeprodukten gerecht. Bundesweite
Kampagnen leisten zudem weitergehende Aufklärungsarbeit.
[©:
Die Zahnarztwoche ]
Basics:
Mundhygiene
im
Zahnlexikon-Online
2.)
Jahresbilanz zu den Festzuschüssen
2005 - unterschiedliche Bewertung
Die Anfang 2005
eingeführten Festzuschüsse für Zahnersatz wurden und werden weiterhin
kontrovers diskutiert: Krankenkassenverbände und besonders
Zahntechnikerkreise sehen negative Auswirkungen - die
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sieht sich auf dem richtigen Weg
für einen bezahlbaren, individuellen Zahnersatz.
Rufen wir uns noch einmal in Erinnerung: Als 1975
Zahnersatz Kassenleistung wurde und bei "vollen Kassen der Kassen"
sehr schnell eine 100prozentige Übernahme der Kosten erfolgte, wurde
schon damals davor gewarnt, dass Zahnersatz auf einem hohen Niveau auf
Dauer nicht bezahlbar sei und dass mit einer großzügigen Kostenzusage
an eine reine "Reparatur-Zahnmedizin" auf lange Sicht der falsche Weg
beschritten würde. Gedanken der Prophylaxe und Prävention wurden -
wenn überhaupt - nur halbherzig angepackt. Die negativen Folgen
stellten sich rasch ein: Die Ausgaben für Zahnersatz explodierten und
die Mundgesundheit verbesserte sich nicht wesentlich.
Ab den 80er Jahren jagte ein Kostendämpfungsgesetz das
andere, ohne effektiv die Ausgaben bremsen zu können, lediglich die
großspurigen Namen für staatlich verordnete Sparmaßnahmen wechselten.
Mit den Schlagworten "Beitragssatzstabilität" und "Lohnnebenkosten"
wurde weiter versucht zu kurieren, ohne auch damit Erfolg zu haben.
Verantwortlich waren fast immer in den Schuldzuweisungen der
Sozialpolitiker die abwertend betitelten "Gesundheitsanbieter" - weder
das Nachfrageverhalten, weder der Leistungskatalog, noch ein Stopp der
Übernahme kassenfremder Leistungen durch die Gesetzlichen
Krankenkassen wurde ernsthaft in Frage gestellt. So konnte es nicht
ausbleiben, dass aus schwarzen Zahlen rote wurden und es wurde weiter
geflickt und geschustert - die auch dieses Jahr abermals
explodierenden Kosten auf dem Arzneimittelsektor sprechen Bände über
eine verfehlte Sozialpolitik.
Die Zahnärzteschaft hat schon vor Jahrzehnten ihr
Konzept der Wahl- und Vertragsleistungen vorgelegt, wissend, dass es
in der Zahnmedizin selten auf "Leben und Tod" geht und dass zum langen
Erhalt der Zähne nicht teurer Zahnersatz, sondern eine gute
Mundhygiene, gekoppelt mit einem richtigen Ernährungsverhalten und
gezielten Fluoridierungsmaßnahmen entscheidend sind. Doch derartige
Vorschläge zur Eigenverantwortung der Patienten waren und sind auch
noch zum Teil heute verpönt, sehr schnell wurden derartige Vorschläge
mit einer "Zwei-Klassen-Medizin" abgekanzelt, wobei die Frage erlaubt
sei, ob diese nicht schon längst besteht.
Aber noch ein anderer Faktor drohte den gesetzlichen Zahnersatz noch
stärker versicherungstechnisch unbezahlbar zu machen: künstliche
Zahnwurzeln - besser unter dem Namen "Implantate" bekannt - erlangten
ihre "Praxisreife" aber nicht ihre "Finanzreife" für den
Leistungskatalog der Gesetzlichen. Zu aufwendig sind die Techniken und
Materialien am Anfang des 21. Jahrhunderts bei derartigen
Ersatzmaßnahmen, zu leer sind die Kassen der zuweilen "kranken Kassen",
als dass man diese Leistungen auch noch bezahlen oder zumindest
bezuschussen könnte. Zudem hat die Geschichte gezeigt, dass man oder frau auch ohne Implantate alt werden kann - sicherlich nicht mit so
einem hohen Mehrwert an Ästhetik, Sicherheit und Kaugefühl.
Mit den 2005 eingeführten Festzuschüssen für
Zahnersatz (
http://www.zahnwissen.de/) wurde ein Weg beschritten, der
zukunftsweisend sein könnte. Grundleistungen - die Festzuschüsse
sprechen von Regelleistungen - werden nach den finanziellen
Möglichkeiten der Kassen bezuschusst (bis zu 60 %) und in sozialen
Härtefällen ganz übernommen. Darüber hinausgehende Versorgungen,
obwohl nicht zutreffend gern als "Luxusleistungen" bezeichnet, müssen
selbst getragen werden, wobei der Betrag für die Grundleistung aber
angerechnet wird.
Dieses neue System ist nun über ein Jahr in Kraft und wird
unterschiedlich gut oder schlecht beurteilt - je nachdem, mit welcher
Brille man die Sache betrachtet oder wie sehr man davon betroffen ist.
Eindeutige Verlierer sind die zahntechnischen Betriebe, deren Umsatz
nach seriösen Schätzungen um etwa ein Drittel zurückgegangen ist.
Bedenken sollte man dabei, dass Deutschland, verglichen mit
gleichwertigen Ländern, die weitaus größte Dichte an Zahntechnikern
hat und in einem Höchstlohnland hochwertige Produkte teuer sind.
Neue Ideen und Kooperationsformen sind hier gefragt, damit auch
aufwendiger Zahnersatz für die Bevölkerung bezahlbar bleibt. Gewinner
und Verlierer sind Patienten und Zahnärzte. Gewinner deshalb, weil nun
jede anerkannte Therapieform, und sei sie noch so aufwendig, auch bei
gesetzlich Versicherten erbringbar ist, der Fortschritt in der
Zahnmedizin nicht durch Spargesetze blockiert wird. Verlierer deshalb,
weil die beträchtlichen Einsparungen - es stehen Zahlen von über einer
Milliarde Euro im Raum - nicht entsprechend weitergegeben wurden,
sondern dafür herhalten mussten, andere Löcher, speziell die auf dem
"Tablettenmarkt", zu stopfen. Da ist es dann unredlich, wenn in einer
Presseerklärung der Spitzenverbände der Krankenkassen gesagt wird,
dass das Versorgungsniveau gesunken sei, weil höhere Zuzahlungen durch
die Patienten erfolgen müssten. Aus den oben aufgeführten Tatsachen
heraus war es doch gewollt, die Leistungsaufgaben zu begrenzen und auf
eine gehobene Grundversorgung zu reduzieren. Warum werden nun die frei
werdenden Versichertenbeiträge nicht in einen dringenst notwendigen
Ausbau der Prophylaxe gesteckt und z.B. eine der
Grundprophylaxeleistungen, das regelmäßige Entfernen von Zahnstein,
wieder so übernommen, wie sie anfällt und nicht durch unsinnige
"Jahresregelungen" verhindert?
A propos Versorgungsniveau: Es wird der Eindruck erweckt, als steuere
die Zahnmedizin in eine Eiszeit und bald könne keiner mehr vernünftig
Kauen, geschweige denn Aussehen. Im internationalen Vergleich ist das
deutsche Versorgungsniveau ganz, ganz oben angesiedelt; die Holländer kommen
mit einem erheblich reduzierten Leistungskatalog aus, und in Dänemark
oder Italien ist Zahnersatz überhaupt nicht versichert.
Der Autor dieser Zeilen ist selbst zahnärztlich in
eigener Praxis tätig und kann noch zusätzlich aus eigener Erfahrung
berichten:
Patientenklagen über die neuen Festzuschüsse wurden so gut wie nicht
bekannt. Geklagt wird immer noch über die unsinnige "Kassengebühr"
alias "Praxisgebühr", denn gerade zum Zahnarzt geht keiner, weil es im
Wartezimmer so schön ist. Unverständnis herrscht weiterhin über die
Zahnsteinregelung (jährlich nur einmal) oder darüber, dass eine
Professionelle Zahnreinigung völlig als Privatleistung läuft. Und die
verantwortlichen Mitarbeiterinnen wie auch der Autor klagen wieder
einmal mehr über einen überproportional gestiegen Verwaltungsaufwand
und die schwierige praktische Umsetzung des "Juristenwerks
Festzuschüsse". Aber daran wird sich wohl im Geburtsland von St.
Bürokratius nichts mehr ändern lassen - Leider!
Pressemitteilungen zu den Festzuschüssen:
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=792753 ,
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=792892
Basics:
Festzuschuss ab 2005 auf
www.zahnwissen.de
3.)
Zahngesunde Ernährung - Gesunde Zähne ein Leben
lang erhalten
Gesunde und schöne Zähne sind die "Visitenkarte" des Menschen. Sie
sind Merkmale eines gepflegten Erscheinungsbildes und tragen
wesentlich zum Wohlbefinden und zur Lebensqualität bei. Neben der
täglichen Zahnpflege und der konsequenten Vorbeugung mit Fluoriden hat
auch die Ernährung einen wichtigen Stellenwert bei der Erhaltung der
Zahngesundheit.
Zucker ist nach wie vor der Hauptfeind der Zähne. Kariesbakterien
wandeln Zucker wie auch andere vergärbare Kohlenhydrate aus Nahrung
und Süßigkeiten zu Säuren um. Die Säuren greifen die Zähne an und
lösen zahnhärtende Mineralstoffe heraus. Die Zahnsubstanz weicht auf
und bricht schließlich ein. So entstehen "Löcher" in den Zähnen: die
Karies. Außerdem fördern Zucker das Wachstum der Bakterien, die eine
Zahnbetterkrankung (Parodontitis) auslösen können. Für das
Kariesrisiko ist vor allem ausschlaggebend, wie häufig zuckerhaltige
Nahrung gegessen wird. Je öfter Süßes verzehrt wird, umso öfter sind
die Zähne einer "Säureattacke" ausgesetzt. Der Speichel hat dann kaum
noch Zeit, die Zähne mit den notwendigen Mineralstoffen zu versorgen
und dadurch Schädigungen der Zahnsubstanz - wenigstens zum Teil -
wieder auszugleichen. Deshalb gilt für die zahngesunde Ernährung:
Lieber einmal am Tag etwas mehr naschen, am besten nach einer
Hauptmahlzeit, anstatt viele kleine Portionen Süßes über den Tag zu
verteilen.
Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit oder Mannit und Süßstoffe wie
Aspartam oder Cyclamat können nicht oder nur in sehr geringem Maße von
den Kariesbakterien umgewandelt werden. Deshalb gelten damit
hergestellte Produkte als zahnschonend und bieten für süße
Zwischenmahlzeiten eine Alternative.
Es gibt aber auch einige Möglichkeiten, die Zahngesundheit mit Hilfe
der Ernährung positiv zu beeinflussen. So regen Speisen, die kräftig
gekaut werden müssen, den Speichelfluss an. Der Speichel neutralisiert
vorhandene Säuren im Mund und hilft, zahnhärtende Mineralstoffe wieder
in die Zähne einzubauen. Kauaktive Lebensmittel sind zum Beispiel
frisches Obst, Salate und Rohkost oder grobes Brot.
Dass Fluoride den Zahnschmelz härten, ist gut belegt. Die tägliche
Prophylaxe sollte vornehmlich direkt am Zahn erfolgen, das heißt mit
Hilfe von fluoridierter Zahnpasta. Abhängig vom individuellen
Kariesrisiko kommen Fluoridlacke, -gele oder fluoridhaltige
Mundspüllösungen hinzu.
Darüber hinaus empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde die tägliche Verwendung von fluoridiertem
Speisesalz im Haushalt. Trinkwasser und andere Nahrungsbestandteile
können natürlicherweise hohe Fluoridmengen enthalten, beispielsweise
Seefisch, schwarzer oder grüner Tee. Das sollte beachtet und generell
die individuelle Prophylaxe mit dem Zahnarzt besprochen werden - er
kennt auch den Fluoridgehalt des örtlichen Trinkwassers.
Neben den Nahrungsmitteln sollte man auch ein Augenmerk auf die
Auswahl der Getränke richten. Süße und/oder saure Getränke,
beispielsweise Limonaden, Colagetränke oder Eistees, sind aufgrund
ihres hohen Zucker- und Säuregehalts als Durstlöscher nicht geeignet.
Empfehlenswerte Flüssigkeitslieferanten sind stattdessen
kohlensäurefreie Mineralwässer sowie Kräutertees.
Mit steigendem Alter verlieren viele Menschen einen Teil ihrer
Zahnhartsubstanz durch Erosion. Erosion ist ein langsam
fortschreitender flächiger Verlust des Zahnschmelzes durch die
Einwirkung von Säuren. Wer unter Erosion leidet, sollte nur wenig
saure Lebensmittel zu sich nehmen oder diese mit Milchprodukten,
beispielsweise Quark, kombinieren. Dies betrifft Nahrungsmittel wie
Zitrusfrüchte, Stachelbeeren, Rhabarber, Erfrischungsgetränke,
Fruchtsäfte, sauer eingelegte Gemüse oder Essig.
Gesundheitsschädigende Verhaltensweisen wie Rauchen oder zu viel
Alkohol können auch im Mund ihre Spuren hinterlassen: Zigaretten & Co
sowie Alkoholika sind die größten Risikofaktoren für Mundhöhlenkrebs -
besonders in Kombination. Der Früherkennung kommt hier eine wichtige
Rolle zu. Deshalb sollte der Zahnarzt bei jeder halbjährlichen
Kontrolluntersuchung die gesamte Mundhöhle systematisch begutachten.
[
©: Sigrid Fehl Heike Brinkmann-Reitz,
www.rundum-zahngesund.de
zahngesund@kilian.de ]
Basics:
Ernährungsempfehlungen auf
www.zahnwissen.de
4.)
10 Motivations-Tipps
für kleine Zahnputzmuffel
1:
Kinder lernen am besten durch Nachahmen. Lassen Sie Ihr Kind an
Ihrer eigenen Mundhygiene teilhaben und dabei auch mal Ihre Zähne
putzen
2:
Bunte Kärtchen auf dem Kopfkissen oder ein Aufkleber an der Haustür
erinnern Zahnputzmuffel an das "Kitzeln der Zähne"
3:
Ein Sonne-Regen-Kalender motiviert jeden Tag zum Zähneputzen: Bei
guter Mundhygiene wird eine Sonne in den Kalender gemalt,
andernfalls gibt es eine Regenwolke
4:
Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden und seine eigene Zahnbürste
aussuchen - und warum nicht jeden Wochentag eine andersfarbige?
5:
Putzen Sie doch einmal mit Hilfe Ihres Sprösslings dem
Lieblingskuscheltier oder dem Haustier die Zähne
6:
Kinderzahnärzte wissen genau, wie sie mit kleinen Putzteufelchen
umgehen müssen. Manche Kinder gehen sogar gerne zum Zahnarzt, weil
sie dort im Wartezimmer rutschen, Videofilme schauen und spielen
können. Adressen gibt es bei den Universitätszahnkliniken, den
Krankenkassen oder beim Verein "Kinderzahnärzte" (www.kinderzahnaerzte.de)
7:
Zähneputzen kann Spaß machen - zum Beispiel mit einem lustigen
Wecker bzw. einer Eieruhr zum Zeitstoppen oder mit einem Handspiegel
zum Zuschauen
8:
Im Buchhandel gibt es schöne Bücher und CDs, die kindgerecht über
Prophylaxe informieren.
Ausführlich hat sich übrigens auch die Autorin, Gesundheitspädagogin
und Fachassistentin für Dentalhygiene, Eva Lachner, in ihrem Buch
"Kinder können Zähne zeigen" mit dem Thema kindgerechte
Zahnprophylaxe auseinandergesetzt. Der "Ratgeber für Eltern" ist im
Verlag Jopp Oesch, Zürich, erschienen. Siehe ZahnNewsLetter
01_06.htm#7
9:
Schaffen Sie Alltagsrituale: Wenn schon was Süßes zum Nachtisch,
dann müssen anschließend auch Zähne geputzt werden!
10:
Wie wär's mit einem Zahnputz-Gedicht:
Karius und Baktus, raus aus meinem Mund!
Dann bleiben meine Zähne ganz bestimmt gesund!
oder einem Lied?
Jeden Morgen, das ist wichtig,
putz' Dir die Zähne - und zwar richtig:
Von Rot nach weiß unten und oben,
nach dem Essen, das ist zu loben.
Die Backenzähne sind gut versteckt,
sie freuen sich,wenn man sie entdeckt.
Auch abends ist das schnell gemacht:
Zähneputzen - und dann: Gute Nacht!.
[ © :"Anbiss - mundfit" ]
5.)
Blutungsrisiko bei Einnahme von
Acetylsalicylsäure (z.B. ASS™, Aspirin™) neu eingeschätzt
(BSMO) Acetylsalicylsäure (ASS) muss vor einer Zahnextraktion nicht
abgesetzt werden, dies legen neue Studienergebnisse nahe. Patienten
unter ASS-Therapie wiesen nicht häufiger Blutungskomplikationen auf als
Kontrollpersonen. Treten Nachblutungen auf, lassen sich diese leicht
beherrschen. Kleinere Eingriffe wie Zahnextraktionen verleiten viele
Zahnärzte, ASS-Therapien ihrer Patienten zu unterbrechen. Klinische
Erfahrungen zeigen aber ein anderes Bild: Blutungskomplikationen treten eher selten auf. Die Studienlage zu
diesem Thema ist dürftig, auch Empfehlungen der entsprechenden
Kommissionen fehlen. Deshalb führten jetzt Zahnärzte von der Universität
Bonn eine Studie durch, die das Nachblutungsrisiko nach Zahnextraktionen
unter ASS untersuchte. An der Studie nahmen 65 Patienten, die als Thromboembolieprophylaxe 100 mg ASS erhielten, und 252 Kontrollpatienten
teil. Gründe für die ASS-Therapie waren u.a. instabile Angina pectoris,
frischer Myokardinfarkt oder Reinfarktprophylaxe. In der ASS-Gruppe
wurden insgesamt 151 Zähne sowie 220 Zahnwurzeleinheiten und in der
Kontrollgruppe 543 Zähne sowie 852 Zahnwurzeleinheiten entfernt. Ein
Patient (1,54%) unter ASS-Therapie wies eine Nachblutung auf, die als
schwer eingestuft wurde. In der Kontrollgruppe kam es bei vier Patienten
(1,59%) zu Blutungskomplikationen, die sich in jeweils zwei Fällen als
leicht bzw. schwer herausstellten. Alle Nachblutungen waren ohne
größeren therapeutischen Aufwand in den Griff zu bekommen. Als
kompliziert einzustufende Blutungen traten in keiner der beiden Gruppen
auf. Eine Behandlung mit ASS fördert das Nachblutungsrisiko nach
Zahnextraktion nicht. Die Medikation muss vor dem Eingriff nicht
abgesetzt werden, schlussfolgern die Autoren. Auch in Anbetracht des
erhöhten Risikos der Patienten, thromboembolische Ereignisse durch die
fehlende ASS-Gabe zu erleiden, sei ein derartiger Schritt nicht zu
rechtfertigen. Die Gefahr möglicher Thromboembolien nach Absetzen von
ASS übersteige das Nachblutungsrisiko.
Quelle: Hemelik H. et al.: Zahnextraktion unter Medikation mit
Acetylsalicylsäure (ASS). Mund Kiefer GesichtsChir 2006; 10: 3-6.
[ © : FVDZ-NewsLetter]
6.)
Metallhaltige Keramik
zum Patent angemeldet
Einem Wissenschaftlerteam der Universitäten
Hamburg und Warschau gelang es, einen Zahnersatz aus einem
Metall-Verbundwerkstoff herzustellen, der besonders abriebfest und
wesentlich verträglicher ist.
Metalle und Keramiken werden seit vielen Jahren als Ersatz für
hartes menschliches Körpergewebe verwendet. Alte medizinische
Probleme sind jedoch deren Haltbarkeit oder geringe Verträglichkeit.
So sind Metalle auf der einen Seite besonders widerstandsfähig,
reagieren auf Belastungen aber auch extrem spröde und neigen zu
Rissen. Zudem führen sie wie beispielsweise beim Einpflanzen
künstlicher Gelenke immer wieder zu Abstoßungsreaktionen des
Körpers. Keramiken hingegen gelten als besonders verträglich, sind
aber weit weniger stabil und haben eine viel geringere Lebensdauer.
Nun hat ein Wissenschaftlerteam mit Mineralogen der Universität
Hamburg unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Bismayer, des High -
Pressure Research Center in Warschau (Leitung: Prof. Dr. Bogdan
Palosz) sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (PD Dr.
Arndt Klocke) einen neuen Verbundwerkstoff entwickelt, der die
positiven Eigenschaften beider Materialien in sich vereint.
Dazu bedienten sich die Forscher als Grundlage einer Keramik, die
dem menschlichen Zahnschmelz stark ähnelt. Diesen Hydroxyapatit
vermengten sie mit fein gemahlenen Titan-, Gold- und Silberstäuben
und setzen dieses Gemisch anschließend hohen Drücken und
Temperaturen von bis zu 9000 Celsius aus. Durch dieses Verfahren
bildet sich ein feines metallisches Netzwerk, das die
Keramikpartikel umgibt.
Als Ergebnis erhielten die Forscher einen Verbundwerkstoff, der über
eine vergleichsweise hohe mechanische Festigkeit bei gleichzeitig
großer Elastizität verfügt. Zusätzlich wird die bei metallischen
Legierungen übliche Gefahr von Rissen durch die homogene
Mikrostruktur innerhalb der Keramik verhindert. Auch die
üblicherweise gute Verträglichkeit gegenüber dem menschlichen Gewebe
blieb erhalten - ideale Voraussetzungen für einen Zahnersatz oder
Knochenimplantate.
Inzwischen wurde der neue, so genannte
Hydroxyapatit-Metall-Verbundwerkstoff zum Patent angemeldet, und
auch die klinischen Tests zur mechanischen Festigkeit und
Biokompatibilität wurden erfolgreich abgeschlossen. Gespräche über
eine kommerzielle Verwertung des Prototyps werden derzeit nach
Angaben Bismayers geführt.
[© :
Spectator Dentistry ]
7.) Stiftung
Warentest: Nur ein Bleaching-Produkt "gut"
Die Stiftung Warentest
hat Home-Bleaching-Produkte ins Visier genommen. Nur eines erhielt die
Note "gut", die meisten waren lediglich "ausreichend". Allein der
Testsieger Blend-a-med Whitestrips erreicht bei der Bleichwirkung ein
"sehr gut", ist aber mit 39 Euro auch das teuerste Produkt im Test. Im
Hinblick auf Zahnfleischschonung und Anwendung bekam der Testsieger ein
"befriedigend" und für die Anwendungshinweise nur "ausreichend". Auf
Platz zwei und drei landeten die Blend-a-med Night Effects und die
Odol-med 3 Samtweiss Beauty-Kur Intensiv-Zahnweiss-Streifen mit der Note
"befriedigend" als Gesamturteil und für die Bleichwirkung. Die Tester
hatten in der Anfangszeit Schwierigkeiten, die auf die Zähne zu
klebenden Streifen richtig zu platzieren. Bei den auf Gel basierenden
Produkten gab es Probleme, die Zähne trocken zu halten. Mit etwas Übung
im Laufe des Tests waren dies aber keine Hindernisse mehr.
Weitere Infos:
http://www.stiftung-warentest.de/
[ Quelle: Tagesspiegel / FVDZ-NewsLetter
]
Basics:
Bleichen im
Zahnlexikon-Online
8.)
DAK-Chef: Einzelpraxen sind ein "Auslaufmodell"
Herbert Rebscher, Vorstandschef der Deutschen Angestellten Krankenkasse
(DAK), hat Einzelpraxen vor allem in Ballungsgebieten als "Auslaufmodell"
bezeichnet. Vertragsärzte würden mit ihren Protesten gegen "ebenso notwendige
wie unausweichliche Realitäten demonstrieren", sagte der Kassenchef der "Neuen
Osnabrücker Zeitung". Praxen gerieten zunehmend in wirtschaftliche
Schwierigkeiten, stellte Rebscher fest. Dies macht aus seiner Sicht deutlich,
dass nicht der betriebswirtschaftlich "besonders teuren Einzelpraxis", sondern
ärztlichen Kooperationsformen die Zukunft gehöre. Als Beispiel nannte Rebscher
das Hamburger UKE-Versorgungszentrum. Dort hätten 14 Ärzte im vergangenen Jahr
für das Klinikum 2,8 Millionen Euro nach Abzug von Kosten und Arztgehältern aus
ambulanten Honoraren erwirtschaftet. Aus seiner Sicht sind Gemeinschaftspraxen
oder Versorgungszentren Alternativen zur Einzelpraxis.
[
©: Ärztezeitung ]
9.)
Was sind eigentlich Spurenelemente?
(aid) - In der Werbung hören wir oft die Phrase "reich an
Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen". Fast jeder weiß, dass
Vitamine wichtige Nahrungsinhaltsstoffe sind, die der Körper nicht
selbst oder nicht in genügendem Umfang bilden kann. Auch der Begriff
Mineralstoffe ist so manchem noch geläufig. Doch was sind
Spurenelemente? Genau wie bei den Mineralstoffen handelt es sich um
anorganische Bestandteile, die für den Aufbau von Knochen, Zähnen,
Hormonen und Blutzellen benötigt werden. Je nach ihrem mengenmäßigen
Gehalt im Körper spricht man von Mineralstoffen oder eben von
Spurenelementen. Spurenelemente sind chemische Elemente, die vom
Organismus für lebenswichtige Stoffwechselfunktionen in geringen Mengen
benötigt werden. Sie müssen dem Körper regelmäßig zugeführt werden.
Das Spurenelement Mangan spielt als Bestandteil von mehr als 60
Enzymen eine große Rolle bei verschiedenen physiologischen Prozessen.
Über die Kollagensynthese trägt es zur Wundheilung bei. Mangan liefert
darüber hinaus einen Beitrag zur Knochenentwicklung und Blutgerinnung.
Es kommt besonders häufig in pflanzlichen Lebensmitteln vor.
Insbesondere Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Trockenfrüchte und
Tee enthalten viel Mangan. Wie Mangan ist auch Molybdän als
Spurenelement Bestandteil von Enzymen. Auch Molybdän ist in allen
Lebensmitteln, wie in Getreideprodukten, Hülsenfrüchten oder Gemüse,
Obst, Milch und Fleisch ausreichend vorhanden, so dass bei gesundem
Stoffwechsel keine Mangelerscheinungen auftreten.
Chrom, das den meisten nur als stahlgraues, korrosions- und
anlaufbeständiges hartes Metall ein Begriff ist, gehört zur Gruppe der
Spurenelemente. Als dreiwertiges Element vorkommend, verstärkt es
vermutlich als Teil eines organischen Komplexes die Insulinwirkung und
beeinflusst so den Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel. Wegen
seiner Effekte auf die Insulinsensitivität werden dem Chrom auch
positive Auswirkungen auf die sportliche Leistung durch Zunahme von
Muskelmasse und Abnahme von Fettmasse zugesprochen.
Wer eine normale Mischkost zu sich nimmt, ist normalerweise mit allen
Spurenelementen ausreichend versorgt. Weitere Spurenelemente, die wir
mit unserer täglichen Nahrung aufnehmen sind u.a. Kupfer, Kobalt und
Nickel.
[
©: aid,
Ira Schneider ]
10.)
Akupunktur: bei welchen Erkrankungen
helfen die Stiche wirklich?
(ots) - Immer mehr Patienten machen hierzulande Jahr für Jahr
allerbeste Erfahrungen mit Akupunktur. Besonders erfolgreich arbeitet
auf diesem Gebiet die Forschungsgruppe Akupunktur FATCM e.V.. Über
3.000 Ärzte haben sich der Gruppe bereits angeschlossen und stetig
kommen neue Ärzte hinzu. Auch an den beiden gerac-Studien, die in den
letzten beiden Jahren zum Thema Akupunktur veröffentlicht wurden, hat
die Gruppe erfolgreich mitgewirkt. Privatdozent Dr. A. Molsberger,
Orthopäde und Akupunkturspezialist, der die Akupunktur im
Leitungsgremium der gerac-Studien vertritt sowie Gründer der FATCM
Gruppe hat in einer kurzen Übersicht zusammengestellt, auf welchen
Gebieten Akupunktur erfolgreich eingesetzt werden kann.
Allergien
12.000.000 Deutsche leiden in der Zeit von März bis Oktober an
einer Allergie. Die Symptome sind: Verstopfte Nase, Niesanfälle,
Fließschnupfen oder entzündete Augen. Bei 40 Prozent der Allergiker
kommt Asthma hinzu. Studien in Deutschland und Hongkong haben
nachgewiesen, dass die Symptome und die Lebensqualität nach einer
Akupunkturbehandlung tatsächlich signifikant gebessert werden und sich
die Anzahl symptomfreier Tage erhöht.
Migräne und Spannungskopfschmerz
Akupunktur hilft gegen chronische Kopfschmerzen mindestens genauso
gut wie die monatelange Einnahme von Medikamenten. Das wurde mit der
weltgrößten gerac-Studie (November 2005) zu der chinesischen
Heilmethode bei Kopfschmerzen festgestellt. Bei der Studie mit 1370
chronisch schmerzkranken Patienten wurde ein signifikanter Rückgang
von Migräne und Spannungskopfschmerzen festgestellt. Die
Akupunktur-Patienten waren zudem durchweg zufriedener als die mit
Medikamenten behandelten Schmerzkranken.
Kreuz- und Knieschmerzen
Außerordentlich gute Akupunkturerfolge wurde bei Kreuz- und
Knieschmerzen nachgewiesen. Im Zuge der gerac-Studie (November 2004)
wurde deutlich, dass Akupunktur bessere Erfolge als die
schulmedizinische Behandlung mit Massage, Krankengymnastik und
Medikamenten lieferte.
Wechseljahre
Alternativ zur potentiell sehr nebenwirkungsreichen Therapie mit
Hormonen kann heute eine Behandlung durch Akupunktur sehr erfolgreich
sein. Von den Chinesen wurde dabei das Wissen um die TCM-Heilkräuter
und die Akupunktur überliefert. Je nach Befunden sieht die Therapie
bei jeder Patientin mit Wechseljahresbeschwerden etwas anders aus,
sprich es kommen unterschiedliche Akupunkturpunkte oder
Heilkräutermischungen zum Einsatz.
Hinweise für die gute Wirksamkeit der Akupunktur gibt es aber auch
für eine Reihe weiterer Erkrankungen, wie z. B. chronisch entzündliche
Darmerkrankungen, Tinnitus und chronische Gleichgewichtsstörungen. Die
überzeugenden klinischen Erfahrungen müssen hier noch im Rahmen größer
angelegter wissenschaftlicher Studien untersucht werden.
[
©
slarbig@kafka-kommunikation.de ]
11.)
Umfrage: Zahnärzte genießen höchstes
Vertrauen Zahnärzte
Zahnärzte genießen unter den Angehörigen von
Gesundheitsberufen das höchste Vertrauen: Drei von vier Befragten
glauben, dass diese Berufsgruppe in der Regel fehlerfrei arbeitet. Zu
diesem Ergebnis kommt eine Meinungsumfrage, die die EU-Kommission in
Auftrag gegeben hat. An die Unfehlbarkeit von Ärzten glauben lediglich
69 Prozent. Dem übrigen medizinischen Personal trauen nur 68 Prozent
zu, alles richtig zu machen. Auch glaubt die Mehrzahl der Befragten
(51 Prozent), dass es Aufgabe von Medizinern und Pflegepersonal ist,
die einwandfreie Qualität einer Behandlung zu garantieren.
Andererseits sind 41 Prozent der Meinung, während eines
Krankenhausaufenthalts selbst zur Vermeidung von Fehlern beitragen zu
können.
[ © : aus Zahn online , FVDZ ]
12.)
4.000 Tonnen Medikamente pro Jahr im Müll - verordneten Arzneien werden
nicht eingenommen
(ots) - Mehr als ein Drittel
aller verordneten Medikamente werden nicht eingenommen, berichtet das
Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". Nach Schätzungen des
Bundesgesundheitsministeriums landen jährlich 4.000 Tonnen Medikamente
im Müll - besonders Arzneien gegen chronische Krankheiten, wie zum
Beispiel Bluthochdruck. Ärzte wollen mit der Verordnung
Langzeitrisiken verhindern. Hoher Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte
müssen runter, auch wenn die Patienten zum Zeitpunkt der Verordnung
noch keine Beschwerden haben. Das stößt bei vielen Menschen auf
Widerstände - erst recht, wenn der Beipackzettel reichlich
Nebenwirkungen auflistet. Manchmal ahnen Patienten aber auch, dass die
Pille allein nicht hilft. Sie müssten ihren Lebensstil ändern. Die
Folge ist nicht selten Resignation: Das Medikament vergammelt und es
bleibt bei Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung.
[ © : Ruth Pirhalla, E-Mail:
pirhalla@wortundbildverlag.de ]
13.)
Zum Schluss: Bürokraten am Krankenbett
Ein stechender Schmerz im Unterbauch riss Ludger B. jäh aus
seinem Schlaf. Hilflos blickte er in den frühen Sonntagmorgen und rieb
sich den nichtendenwollenden Krampf. Während seine Frau kurz darauf den
Wagen unter dem Krankenhaus parkte, notierte der diensthabende Arzt:
Unklare Diagnose. Gegen Nachmittag fand Ludger B. langsam wieder Ruhe in
einem Krankenbett. Zehn Tage intensiver Untersuchungen; später wurde er –
beschwerdefrei – entlassen. Die Ursache seiner Leiden blieb
unaufgeklärt. Nur durch Zufall erfuhr er drei Jahre später, welchen
Umfang seine Krankenakte späterhin noch angenommen hatte.
Denn: Ludger B. ist gesetzlich krankenversichert. Eigentlich hatte er
sich nie Gedanken darüber gemacht, dass bei allen Arztbesuchen und
Krankenhausaufenthalten seines Lebens nie nach einem gefragt worden war:
Nach Geld. Stets hatte er nur seinen gesetzlichen Krankenversicherer
nennen und seine Versichertenkarte zeigen müssen. Alles andere geschah
von selbst. Jedenfalls hatte Ludger B. das Gefühl, es geschehe von
selbst. Tatsächlich lagen die Dinge auch dieses Mal anders.
Denn das Krankenhaus sandte die Rechnung für seine Behandlung auch in
diesem Falle an seine Krankenversicherung. Und der dort zuständige
Sozialversicherungsfachangestellte entwickelte Zweifel: War die
stationäre Behandlung des Ludger B. wegen Bauchkrämpfen an zehn Tagen
tatsächlich erforderlich gewesen? Er wusste es nicht. Denn er war kein
Arzt. Aber Zweifel hatte er dennoch. Also tat er, was zu tun war. Er
beauftragte die Ärzte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen mit
einem Gutachten. Einige Monate später erschien ein Gutachter des
Medizinischen Dienstes in dem Krankenhaus. Er nahm Einsicht in die
Krankenakte von Ludger B. und meinte: Wegen bloßen Bauchkrämpfen muß
niemand zehn Tage im Krankenhaus liegen. Das hätte man kostengünstiger
ambulant erledigen können. Die Krankenhausärzte waren erstaunt. Erst
kürzlich war ein Kollege wegen fahrlässiger Körperverletzung zu
Geldstrafe und Schadensersatz verurteilt worden, weil er einen Patienten
mit unklarem Befund nach Hause geschickt hatte. Macht nicht, sagte der
Gutachter. Hier ist ja nichts passiert. Die Rechnung wird nicht bezahlt.
Das Krankenhaus reichte die Akte an einen Rechtsanwalt. Der erhob Klage
für das Krankenhaus gegen die Krankenkasse. Knapp anderthalb Jahre
später trug der von dem Sozialgericht bestellte Obergutachter Prof. Dr.
R. seine sachverständige Ansicht zu dem Fall mündlich vor. Er erklärte,
die Krankenhausärzte waren damals aus ihrer Sicht zutreffend von einem
stationären Behandlungsbedarf ausgegangen. Denn nach der Rechtsprechung
des Bundessozialgerichtes entscheiden die Krankenhausärzte aus der
jeweiligen Situation heraus, was medizinische notwendig ist. Nicht Jahre
später ein Gutachter der Krankenkasse, der den Patienten nie sah. Und
vor allem nicht mit seinem späteren Wissen, wie sich die Sache weiter
entwickelte. Drei Sozialrichter verurteilten also die Krankenkasse zur
Zahlung an das Krankenhaus. Die Krankenkasse legte Berufung ein. Das
Berufungsgericht mit seinen fünf Richtern wies die Berufung zurück. Die
Kasse musste Zahlen.
Jetzt, drei Jahre nach seinem Krankenhaus-Aufenthalt, saß Ludger B.
mit einem Schulfreund in der Kneipe. Der arbeitete seit kurzem in dem
Krankenhaus und hatte die Akte von dem Anwalt zu seinem Archiv
zurückgesandt erhalten. Zwei Gutachter, acht Richter, vier Anwälte und
ungezählte Sozialversicherungs- wie Justizangestellte kannten nun den
Bauch von Ludger B. Gut, dachte er, dass ihn das alles nicht gekostet
hatte.
[ fiktive Krankengeschichte nach ©
Carlos A. Gebauer, Rechtsanwalt auf
www.make-love-not-law.com
]
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