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Zahnärztlicher NewsLetter Nr.
04/2008/ 1. April 2008
"Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) kann laut Chaos
Computer Club (CCC) nicht wie geplant stattfinden, weil die
Sicherheitsinfrastruktur nicht funktioniere. Damit lege das datenschutztechnisch
fragwürdige und seit Jahren umstrittene "Großabenteuer der Bundesregierung"
einen erneuten Fehlstart hin.
"Es ist nicht akzeptabel, dass Patientendaten, auch wenn diese teilweise
freiwillig gespeichert wurden, als Handelsware verwendet werden sollen", sagt
der CCC. "Es dürfte für einen Unfallpatienten nicht angenehm sein, in seinem
Briefkasten ein Angebot über günstige Hüften zu finden. Die Bundesregierung hat
bislang nicht erklärt, wofür genau diese ominösen Mehrwertdienste verwendet
werden." " (aus zm-online).
Wir sehen dies ähnlich und erinnern an die gehäuften Fälle aus Großbritannien,
wo sich Datensammlungen von Millionen Briten "in Luft aufgelöst" haben sollen.
Und analog zu Zumwinkels Steuerschulden aus Lichtenstein gibt es bestimmt auch
in Deutschland "Interessenten" an den zahlreichen, zentral gespeicherten
Gesundheitsdaten - notfalls auch illegal.
Ihre ZahnNewsLetter Redaktion
Inhalt
1.)
Beginnen Deutsche zu spät mit der Zahnpflege bei Kindern?
2.)
Versteigerungen von ZE berufs- und wettbewerbsrechtlich unzulässig
und medizinisch fragwürdig
3.) Zahnschäden durch
Bulimie - Häufiger Säurekontakt zerstört Zahnsubstanz
4.) Ist eine Wurzelbehandlung bei Milchzähnen
sinnvoll?
5.)
Statistik bestätigt
Risikofaktoren für Krebs
6.)
Schwangerschaftsdiabetes - Schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind
7.)
Stillen schützt vor gefährlichen
Fettpolstern
8.)
Lebensverlängerung - Vier Regeln
führen zum Ziel
9.)
Probiotika als Gesundmacher - weder
bewiesen noch widerlegt
10.)
14 Millionen übergewichtige Kinder in der EU
11.)
Paracetamol: künftig nur noch 20er-Packungen ohne
Rezept erhältlich
12.)
Zum Schluss: der taktlose Apotheker
1.)
Beginnen
Deutsche zu spät mit der Zahnpflege bei Kindern?
Über 80 Prozent der Deutschen glauben, dass die Zahnpflege bei Kindern erst
nach dem zweiten Lebensjahr oder später beginnen sollte. Weitere 19,3 Prozent
der Befragten halten das erste Lebensjahr für den richtigen Zeitpunkt mit der
Zahnpflege zu beginnen. Nur 0,5 % glauben, dass Zahnpflege von Geburt an
notwendig sei. Diese Ergebnisse ergab eine aktuelle repräsentative Emros-Umfrage
im Auftrag der Initiative proDente. „Dieses Ergebnis überrascht auf den ersten
Blick, da laut Ergebnissen der vierten deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV)
die Karieserkrankung bei Kindern und Jugendlichen seit Jahren rückläufig ist“,
so Dirk Kropp, Geschäftführer proDente. „Doch die Untersuchung zeigt auch eine
soziale Schieflage, denn rund 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 12
Jahre vereinen über 60 Prozent der Karieserkrankungen auf sich“.
Zahnpflege von Geburt an
Der ideale Schutz der Kinder vor Karies beginnt im Idealfall schon von Geburt
an. Die meisten Kinder werden in den ersten Lebensmonaten gestillt, um die
Immunabwehr zu stärken. Babys, die sehr lange gestillt werden, bekommen oftmals
schon die ersten Zähnchen. Hier ist zu beachten, dass diese mit dem Durchbruch
bereits gepflegt werden müssen. Experten raten schon vom ersten Zahn an mit
Wattestäbchen oder einem feuchtes Mulltuch, Beläge von den Zähnchen zu
entfernen. Insbesondere bei sehr häufigem Stillen tags und nachts kann Karies
ausgelöst werden. Besser ist es daher, längeres Stillen auf wenige Male am Tag
einzuschränken und die Zähnchen einmal täglich unter Verwendung eines Hauchs
fluoridhaltiger Zahncreme sanft zu reinigen. Bekommt ihr Kind die Flasche, gilt
das Gleiche: Dauernuckeln mit insbesondere süßen oder säurehaltigen Getränken
sollte dringend vermieden und die Zähnchen regelmäßig gereinigt werden. Gewöhnen
Sie Ihrem Nachwuchs das Fläschchen möglichst nach einem Jahr ab und stellen Sie
auf Becher und Tassen um. Am Besten sind Wasser und ungesüßte Tees für
Kinderzähne.
Milchzähne brauchen sorgfältige Pflege
Bereits mit dem Durchbruch der ersten Zähne kommt die erste Kinderzahnbürste
zum Einsatz. Achten sie darauf, dass die Borsten weich sind. Nehmen Sie sich für
das Putzen der Zähne Zeit und richten Sie es als festes Morgen- und Abendritual
vor dem Zubettgehen ein. Bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr sollte einmal
täglich ein Hauch von fluoridierter Kinderzahnpasta verwendet werden. Mit etwa
drei Jahren ist Ihr Kind selbst in der Lage, eine Zahnbürste zu benutzen. Jetzt
heißt es üben, üben, üben. Dabei sind die Kau-, Außen- und Innenflächen
gründlich zu reinigen. So leicht es klingt, ein Kind schafft dies nicht ohne
Hilfe. Es ist ratsam, bis in die Schulzeit hinein nachzuputzen, zu kontrollieren
und vor allem zu motivieren. Dabei helfen den Eltern Bilderbücher zu dem Thema
und CDs mit Zahnputzliedern.
Ab 6 Jahren: Backenzähne versiegeln
Ab sechs Jahren sollte Ihr Kind Zahnpasta für Erwachsene mit höherem
Fluoridgehalt verwenden. Denn: Jetzt kommen schon die ersten bleibenden Zähne -
die Backenzähne – am Ende der Milchzahnreihe hinzu, auf deren Reinigung
besonders geachtet werden muss, da in den Grübchen, auch Fissuren genannt,
schnell Karies entstehen kann. Sinnvoll kann in vielen Fällen auch eine
Fissurenversiegelung sein, bei welcher die Grübchen mit einer Kunststoffmasse
gefüllt werden und die Kariesgefahr dadurch verringert wird. Die Behandlung
erfolgt ohne Bohren und ist völlig schmerzfrei.
Ab 12 Jahren: Zahnseide benutzen
Da mit 12 Jahren alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind ist nun die
Reinigung der Zahnzwischenräume von besonderer Bedeutung, denn die Zahnbürste
erreicht diese nicht vollständig. Nachdem der Gebrauch von Zahnseide im Rahmen
der Individualprophylaxe in der zahnärztlichen Praxis erläutert worden ist, sind
die Kinder nun alt genug, um die Zähne einmal täglich mit Zahnseide zu säubern.
Für fest sitzende Zahnspange gibt es spezielle Zahnseiden. Achten Sie außerdem
darauf, dass sich Ihr Kind zahngesund ernährt und zweimal im Jahr zur
Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt geht.
[ ©
PM der "Initiative prodente" ]
Basics: Kinderzähne auf
www.Zahnwissen.de
2.)
Versteigerungen von
Zahnersatz berufs- und wettbewerbsrechtlich unzulässig und
medizinisch fragwürdig
Klare Worte hat das Oberlandesgericht München Anfang
März in Sachen Internet-Auktionen von Zahnersatz gesprochen. Das
Internetportal „2te Zahnarztmeinung.de“ ist wettbewerbswidrig und
verstößt gegen das Berufsrecht der Zahnärzte, so die
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB), die gegen das Portal
geklagt und bereits in erster Instanz gewonnen hatte.
Die Beklagte – sprich die Betreiber-GmbH des Internetportals – hatte
angeführt, ein Patient könne sich, auch ohne das Internet zu nutzen,
mehrere Angebote bei verschiedenen Zahnärzten einholen. Das Gericht
hielt dem entgegen: „Ein ganz wesentlicher Unterschied“ sei, dass
beim Zahnarztbesuch jeweils eine persönliche Untersuchung
stattfinde, was bei der virtuellen Plattform nicht der Fall sei.
Darüber hinaus werde über das Zahnersatz-Auktionsportal das
Zahnarzthonorar gedrückt. 20 Prozent des Gesamthonorars müsse der
Zahnarzt bei Vermittlung an die Internetplattform zahlen.
Das sei allein durch günstige Laborarbeiten nicht zu kompensieren.
Der Zahnarzt müsse folglich Abstriche bei seiner Leistung machen.
Das könne die Qualität der Versorgung beeinträchtigen.
„Das Gericht hat im Sinne der Patienten geurteilt“, so der
Vorsitzende der KZVB und Kläger Dr. Janusz Rat. „Statt reinem
Preisdumping stellen wir uns einem fairen
Preis-Leistungs-Wettbewerb. Denn gerade die Qualität der Versorgung
ist für unsere Patienten von entscheidender Bedeutung. Ein Zahnarzt
kann kein seriöses Angebot für eine zahnmedizinische Versorgung
abgeben, wenn er den Patienten nicht zuvor untersucht hat.
Entscheidend für den Behandlungserfolg ist auch das gewachsene
Vertrauensverhältnis zwischen Zahnarzt und Patient. Das wird über
eine solche indirekte Abwerbung unterminiert.“
Der zweite Kläger, Dr. Martin Reißig, stellvertretender Vorsitzender
der KZVB, ergänzt: „Mehr als 70 Krankenkassen versuchen, ihre
Versicherten an dieses rechtswidrige Auktionshaus zu verweisen,
statt ihnen höhere Festzuschüsse für Zahnersatz-Behandlungen zugute
kommen zu lassen. Allein seit 2005 sparen die Krankenkassen
Milliardenbeträge beim Zahnersatz ein. Nachdem nun das Gericht die
Qualität der über das Portal ersteigerten Leistungen ausdrücklich
infrage stellt, müssen sich diese Krankenkassen fragen lassen, ob
sie ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Versicherten nicht
sträflich vernachlässigen.“
Diese Ansicht teilt auch der stellvertretende Vorsitzenden der KZV
Rheinland-Pfalz, Dr. Jürgen Braun-Himmerich, in einer
Presseerklärung zum Münchener Urteil. Die Empfehlung der Kassen für
das Portal stehe im krassen Gegensatz zu der von dem Gesetzgeber und
den Krankenkassen immer wieder geforderten Qualitätssicherung und
Qualtätsverbesserung bei der zahnärztlichen Behandlung. Die
Vorsitzenden der KZVB hatten als Kläger bereits Mitte November 2006
vor dem Landgericht München I Recht bekommen. Die Betreiber des
Internetportals waren daraufhin in Berufung gegangen. Das
Oberlandesgericht habe nun mit klaren Worten das Urteil des
Landgerichts bestätigt. Die Revision wurde nicht zugelassen;
gleichwohl ist der Rechtsstreit noch nicht endgültig abgeschlossen,
da nach der Vorlage des schriftlichen Urteils in einigen Wochen noch
eine Beschwerde gegen die Entscheidung, die Revision nicht
zuzulassen, möglich ist. Vorerst ist die Entscheidung deshalb noch
nicht rechtskräftig.
Rat: „Dieses Urteil ist auch von hoher Bedeutung für andere
Auktionsportale, die medizinische Leistungen unter den Hammer
bringen wollen. Der Mensch und seine Gesundheit sind keine Ware.
Ferner zeigt eine solche Entwicklung hin zu Versteigerungen
eindrucksvoll die Folgen einer mangelhaften Gesundheitspolitik in
diesem Staat auf.“
[ ©
DZW - Die
Zahnarztwoche ]
Basics: Kosten
sparen beim Zahnersatz und weitere Fachausdrücke
auf Zahnwissen.de
3.)
Zahnschäden durch Bulimie - Häufiger Säurekontakt zerstört
Zahnsubstanz
Essstörungen bringen körperliche und psychische Probleme - und können Ursache
für Zahnschäden sein. So haben an Bulimie Erkrankte meist schon nach wenigen
Krankheitsjahren sichtbare Schädigungen durch Erosion, den Verlust von
Zahnhartsubstanz durch Säureeinwirkung.
Gundis Zámbó, TV-Moderatorin und Bestsellerautorin ("Mein heimlicher Hunger")
litt fast 25 Jahre an Bulimie. Sie wusste schon zu Beginn von der Gefahr für die
Zähne: "Ich hatte gehört, dass die meisten Betroffenen Probleme mit den Zähnen
haben. Die tatsächlichen Folgen des ständigen Erbrechens konnte ich später an
meinen eigenen Zähnen erkennen. Auch hatte ich zu viel und falsch geputzt,"
berichtet die 41-Jährige, die seit vier Jahren geheilt ist. "Zum Glück habe ich
einen guten Zahnarzt - es war zwar teuer und aufwändig, aber heute kann ich
wieder strahlend lachen."
Die ätzende Magensäure, die beim Erbrechen in die Mundhöhle gelangt, greift den
Zahnschmelz an und löst ihn auf. Mit fortschreitender Erosion wird empfindliches
Dentin freigelegt. Die Schädigung der Zähne wird dann deutlich sichtbar. Die
Beschwerden nehmen zu. Die Patienten leiden an fortschreitender
Überempfindlichkeit gegen Reize wie heiß, kalt, süß, sauer.
Bärbel Kiene, Expertin der elmex Forschung, findet die Verbreitung von
Essstörungen besorgniserregend: "Durch Erosion geschädigte Zähne können
ernsthafte Beschwerden verursachen. Deshalb erfordert Zahnpflege bei Bulimie
schonende Reinigung und Schadensbegrenzung." Sie rät Betroffenen, keinesfalls
unmittelbar nach dem Erbrechen zu putzen. "Der durch die Säure erweichte
Zahnschmelz kann durch die Belastung beim Putzen, durch falsche Putztechnik,
harte Zahnbürsten oder abrasive Zahnpasten, zusätzlich geschädigt werden. Besser
ist es, fluoridhaltige Zahnspülungen zu verwenden. Sie haben einen positiven
Effekt bei der Remineralisation des angegriffenen Zahnschmelzes und können
helfen, Erosionsschäden abzumildern."
[
© PM der
GABA-GmbH
]
Basics: Erosions-bedingte
Zahnschäden
im
Zahnlexikon-Online
4.)
Ist eine
Wurzelbehandlung bei Milchzähnen sinnvoll?
Nach wie vor herrscht in der Bevölkerung die weit verbreitete Meinung das
Milchzähne nicht so wichtig sind und erst den bleibenden Zähnen die
entsprechende Aufmerksamkeit in Pflege und Behandlung zukommen muss. Eine
Wurzelbehandlung, die bei bleibenden Zähnen im Sinne des Zahnerhalts zu den
Routine-Eingriffen zählen, ist bei Milchzähnen daher eher die Ausnahme.
Zum richtigen Kauen, Sprechen lernen, zur Vorbeugung späterer
Zahnfehlstellungen und nicht zuletzt für ein unbeschwertes Lachen sollten die
Milchzähne so lange wie möglich erhalten werden. Wie weit eine Behandlung im
Ernstfall jedoch gehen sollte bevor der Zahn gezogen werden muss ist nicht so
einfach zu beantworten. Obwohl das Nervengewebe im Zahninneren beim Milchzahn
deutlich größer ist und schon kleine Defekte im Zahnschmelz den Nerv infizieren
können, muss Sinn und Zweck einer endodontischen Behandlung bei Kindern sehr
genau abgewogen werden. Grundsätzlich ist eine Wurzelbehandlung - zumindest bis
zu zwei Jahren vor dem natürlichen Zahnwechsel - sinnvoll, solange die Prognose
für den Zahnerhalt positiv zu bewerten ist. Besonderes Augenmerk muss dabei aber
auf den Schutz des bleibenden Zahns gelegt werden. Bei aufwändigen und besonders
tiefgehenden Wurzelkanalbehandlungen darf der Zahnkeim nicht in Mitleidenschaft
gezogen werden.
[
© PM der proDente e.V., Dirk Kropp,
Info@prodente.de
]
Basics:
Erhaltung von Milchzähnen im
Zahnlexikon-Online
5.)
Statistik bestätigt Risikofaktoren für Krebs
Zwei Drittel aller Krebstodesfälle in Niedersachsen sind auf
verhaltensbezogene Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Fehlernährung oder
Bewegungsmangel zurückzuführen oder werden dadurch beeinflusst. Zu diesem
Ergebnis kommt der aktuelle Bericht des Epidemiologischen Krebsregisters
Niedersachsen (EKN). Dem Bericht liegt die Auswertung von 39 775
Krebsneuerkrankungen im Jahr 2004 zugrunde. An Krebs gestorben sind in
Niedersachsen im Jahr 2004 insgesamt 11 158 Männer und 9743 Frauen.
Dem Rauchen werden mindestens 30 Prozent der krebsverursachten Todesfälle
zugeschrieben. Dabei ist Tabakkonsum nicht nur Hauptrisikofaktor für
Lungenkrebs, sondern erhöht auch das Risiko für Krebs im Mund- und Rachenraum
sowie Speiseröhren-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Kehlkopf-, Harnblasen- und
Nierenkarzinome.
Einen positiven Entwicklungstrend zeigt die vom Krebsregister vorgenommene
Evaluation des Modellprojekts Mammografie-Sreening in der Region Weser-Ems. Drei
Jahre nach den ersten Brustkrebs-Reihenuntersuchungen kann dort als
langfristiger Effekt ein Rückgang der großen Tumore verzeichnet werden.
Inzwischen wird das Screening landesweit angeboten.
Brustkrebs war 2004 mit 33 Prozent aller erfassten Neuerkrankungen die häufigste
Krebsart bei Frauen in Niedersachsen, gefolgt von Darmkrebs (17,1 Prozent),
Gebärmutterkörperkrebs (5,5 Prozent) und Lungenkrebs (5,1 Prozent).
Häufigste Krebsneuerkrankung bei Männern war erneut der Prostatakrebs mit 28,2
Prozent. Darmkrebs (14,8 Prozent) und Lungenkrebs (12,5 Prozent) zählten zu den
zweit- und dritthäufigsten Neuerkrankungen.
[
©
Ärztezeitung ]
6.)
Schwangerschaftsdiabetes - Schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind
Über 7.000 Gramm brachte ein Neugeborener im Januar 2008 auf die
Waage. Solche Rekorde können eine Folge von Zuckerkrankheit in der
Schwangerschaft sein. Fünf bis zehn Prozent der werdenden Mütter
leiden unter dem so genannten Gestationsdiabetes. Diese Form der
Zuckerkrankheit ist eine erstmals in der Schwangerschaft auftretende
Glukose-Toleranzstörung, definiert die Weltgesundheitsorganisation.
Wie Dr. Brigitte Pawlowski von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auf
der Diabetes 2008 in Münster erklärte, sorgt die Unfähigkeit, Zucker zu
verstoffwechseln, für ein mehr als fünffaches Risiko für Komplikationen bis hin
zur Fehl- oder Totgeburt. Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt bei der werdenden
Mutter und dem Fetus zu einer vermehrten Ausschüttung von Insulin. Insulin
wiederum verstärkt den Aufbau von Körpermasse und lässt die übergroßen Babys
entstehen. Diese Kinder haben ein höheres Risiko später fettleibig zu werden,
weil Insulin das Sättigungszentrum im Zwischenhirn beeinflusst. Direkt nach der
Geburt zeigen Kinder von unbehandelten Diabetikerinnen zum Teil Folgen einer
verzögerten Organreifung, zum Beispiel der Leber und Lunge, was die typische
Neugeborenengelbsucht beziehungsweise Atemnot hervorrufen kann. Die Mutter trägt
während der diabetischen Schwangerschaft ein größeres Risiko für
Harnwegsinfektionen, Bluthochdruck und für die gefürchtete (Prä-)Eklampsie mit
Krampfanfällen. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren nach der Schwangerschaft
entwickelt die Hälfte dieser Mütter einen chronischen Diabetes Typ II. Trotz der
schwerwiegenden Folgen erkennen Ärzte nur die Hälfte aller
Schwangerschaftsdiabetikerinnen rechtzeitig und behandeln sie entsprechend.
Pawlowski forderte die Durchführung eines Oralen Glukose-Toleranz-Tests (OGTT)
für alle Schwangeren in der 24. bis 28. Woche. Falls Risikofaktoren vorliegen,
sollte dieser schon vor der 13. Schwangerschaftswoche erfolgen. Dazu gehören
Übergewicht (Body-Mass-Index ab 27 kg/m2), insbesondere bei Fettansatz rund um
den Bauch, Diabetes mellitus Typ II in der nahen Verwandtschaft, höheres Alter
(ab 25 Jahre), extreme Gewichtszunahme während der Schwangerschaft oder frühere
Geburten von übergroßen Kindern. Mit ausgewogener Ernährung, Bewegung oder
Insulingaben lässt sich der Diabetes gut behandeln, so dass auch die Risiken auf
ein Minimum sinken.
[
©
aid, Monika Heinis ]
Basics: Diabetes
im
Zahnlexikon-Online
7.)
Stillen schützt vor gefährlichen Fettpolstern
Stillen gilt allgemein als Schutz vor späterem Übergewicht. Inwieweit
es sich auch auf die Entwicklung des Körperfetts in der Kindheit günstig
auswirkt, ist noch unklar. Dabei ist es vor allem ein Übermaß an
Fettpolstern, das die Entwicklung späterer Erkrankungen begünstigt -
mehr noch als ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) allein. Wissenschaftler
des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) in Dortmund haben
daher untersucht, inwieweit Stillen die Bildung von Körperfett bei
Jungen und Mädchen beeinflusst. Die Studie des zur Universität Bonn
gehörenden Instituts ist online abrufbar unter
http://www.nature.com/oby/journal/v16/n2/pdf/oby200757a.pdf.
In der so genannten DONALD-Langzeitstudie erfassen die Dortmunder Forscher
seit 1985 detailliert Daten zu Wachstum, Ernährung und Stoffwechsel von Kindern
und Jugendlichen. Die Teilnehmer werden als Säuglinge im Alter von drei Monaten
in die Studie aufgenommen. Bis zur Volljährigkeit erheben die FKE-Forscher
regelmäßig die Ernährungsgewohnheiten ihrer Probanden. Dazu zählt anfangs auch
eine detaillierte Befragung zum Stillverhalten der Mütter. Während der gesamten
Kindheit wird unter anderem auch der Körperfettanteil der Kinder jährlich durch
verschiedene Messungen genau dokumentiert. Die aktuelle Analyse umfasst die
Werte von 219 Jungen und 215 Mädchen.
Vor allem Jungen übergewichtiger Mütter profitieren
Dass Stillen vor späterem Übergewicht schützt, ist bereits bekannt. Allerdings
findet sich in den meisten Studien nur ein leicht schützender Effekt, der jedoch
zunimmt, wenn die Kinder nicht nur in den ersten Wochen gestillt werden. Die
aktuellen Ergebnisse der DONALD-Studie bestätigen erstmals auch einen günstigen
Einfluss des Vollstillens auf die Entwicklung des Körperfetts in der Kindheit.
Voll gestillte Kinder erhalten nur Muttermilch, Wasser oder Tees, also keine
Milchflasche oder Beikost.
Erstaunlicherweise fand sich dieser Effekt aber vornehmlich bei Jungen
übergewichtiger Mütter: Während bei den Jungen und Mädchen normalgewichtiger
Mütter die Körperfett-Menge im Laufe der ersten Lebensjahre abnahm, stieg sie
bei Jungen übergewichtiger Mütter ab dem dritten Lebensjahr wieder an - aber
nur, wenn sie nicht voll gestillt worden waren. Bei den Mädchen in dieser Studie
hingegen war die Entwicklung des Körperfett-Anteils im Wesentlichen davon
abhängig, ob ihre Mütter übergewichtig waren. Einen Effekt des Stillens gab es
nicht.
Vollstillen scheint Jungen also vor Fettleibigkeit zu schützen, und zwar
gerade dann, wenn die Mütter übergewichtig sind. "Dieses Ergebnis ist auch
deshalb interessant, weil es zeigt, dass die positiven Auswirkungen des Stillens
nicht auf Vorbild-Effekte zurückzuführen sind", erklärt FKE-Forscherin Anette
Buyken. "Stillen scheint bei Jungen eine genetische oder stoffwechselbedingte
Prägung in Richtung höheres Körperfett auszugleichen, die aus dem Übergewicht
der Mutter resultiert." Von diesem Vorteil profitierten die Jungen übrigens
bereits, wenn sie mindestens zwei Wochen lang vollgestillt wurden. "Gerade
übergewichtige Mütter haben - häufig hormonell bedingt - größere
Schwierigkeiten, ihre Säuglinge zu stillen. Sie benötigen daher in der
kritischen Anfangszeit praktische Anleitung", empfiehlt Dr. Mathilde Kersting
vom Forschungsinstitut für Kinderernährung.
[ ©: Anette Buyken Forschungsinstitut für
Kinderernährung Dortmund Telefon: 0231/79-221050 ; E-Mail:
buyken@fke-do.de
]
Basics:
Gesundheitskosten im
Zahnlexikon-Online
8.)
Lebensverlängerung - Vier Regeln führen zum Ziel
Vier einfache Verhaltensregeln verlängern das Leben
durchschnittlich um 14 Jahre:
- nicht rauchen,
- etwas Sport treiben,
- nur mäßig Alkohol trinken und
- täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen.
Das berichten britische Forscher um Kay-Tee Khaw von der Universität
Cambridge, die seit 1993 das Schicksal von mehr als 20000 Probanden im
Alter von über 45 Jahren verfolgt haben. Wer sich an keine dieser Regeln
hielt, hatte dasselbe Sterberisiko wie 14 Jahre ältere Probanden, die
alle diese Tipps befolgten.
Diese Beobachtung sei unabhängig von gesellschaftlicher Schicht und
Körpergewicht, betonen die Mediziner im Fachjournal „PLoS Medicine" (online
veröffentlicht). Die einzelnen Zutaten einer gesunden Lebensweise sind seit
Längerem bekannt. Bisher habe jedoch niemand die gesammelten Auswirkungen
untersucht, schreiben die Forscher. Sie befragten daher zwischen 1993 und 1997
insgesamt 20244 Männer und Frauen zwischen 45 und 79 Jahren aus der britischen
Stadt Norfolk, bei denen keine Krebs- oder Herzkreislaufleiden bekannt waren,
und registrierten alle Todesfälle bis 2006. Auf einem einfachen Fragebogen
konnten die Probanden zwischen null und vier Punkten erzielen: Je einen für
Nichtrauchen, Sport, moderaten Alkoholkonsum und fünf Portionen Obst und Gemüse
pro Tag. Keinen Punkt in der Kategorie Bewegung bekam etwa, wer einen Bürojob
hat und in seiner Freizeit keinen Sport treibt. Der Alkoholkonsum durfte nicht
über zwei Gläsern Wein (der Definition entsprechend einem halben Liter Bier) pro
Tag liegen. Der Obst- und Gemüseanteil an der Ernährung wurde über den
Vitamin-C-Spiegel im Blut bestimmt.
Dieses Ergebnis müsse zwar in anderen Regionen bestätigt werden, lege aber
sehr nahe, dass diese vier erreichbaren Änderungen des Lebensstils einen
deutlichen Einfluss auf die Gesundheit von Menschen in mittlerem und höherem
Alter haben können. Die Studie ist den Autoren zufolge Teil der größten
Untersuchung zu Ernährung und Gesundheit, die jemals unternommen worden sei.
[ ©: zm , sp/dp ]
Basics:
Ernährungsempfehlungen aus zahnärztlicher Sicht im
Zahnlexikon-Online
9.)
Probiotika als
Gesundmacher - weder bewiesen noch widerlegt
In der Werbung werden Probiotika in Milchprodukten oder Fruchtsäften als
Gesundmacher und als Stärkung für die Abwehrkräfte gepriesen. Aus medizinischer
Sicht sei eine positive Wirkung bisher jedoch nur bei wenigen Erkrankungen
belegt, und es gebe sogar Risiken und Nebenwirkungen, so Prof. Dr. med. Johannes
Hübner, Infektiologe an der Universität Freiburg, in der Deutschen Medizinischen
Wochenschrift (DMW, Thieme Verlag, Stuttgart, Ausgabe 8/2008: „Probiotika -
evidenzbasierte Medizin oder alternativmedizinischer Hokuspokus?").
Probiotika sind das Gegenstück zu Antibiotika, erläutert Hübner: Antibiotika
heilen Krankheiten, indem sie Bakterien vernichten. Probiotika sind harmlose
Bakterien, die im Darm schädliche Krankheitserreger verdrängen sollen. Dass sie
das Allgemeinbefinden verbessern, wie die Werbung behauptet, sei weder bewiesen
noch widerlegt, so Hübner. Nur eine Studie habe zeigen können, dass die Zahl der
Arztbesuche sinkt - allerdings nur für ein bestimmtes Präparat. Die angebotenen
Probiotika sind jedoch unterschiedliche Mischungen von Bakterien. Medizinische
Anwendungen, so Hübner, gebe es bisher wenige. Eine davon ist der durch
Antibiotika bedingte Durchfall. Probiotika ersetzen die durch die Antibiotika
vernichteten Bakterien und bringen die Darmflora ins Gleichgewicht. Auch bei
Durchfallerkrankungen aus anderen Ursachen seien Probiotika eine wirksame
Therapie, so Hübner, vor allem bei Kindern. Die Wirkung sei durch Studien
ausreichend belegt. Dies ist sie sonst nur noch bei der Pouchitis, einer
Entzündung in einem künstlich geschaffenen Enddarm bei Menschen, denen wegen
einer schweren entzündlichen Darmerkrankung der Dickdarm entfernt wurde.
Für andere medizinischen Anwendungen gebe es, so Hübner, keine überzeugenden
Belege. Das gelte auch für die verbreitete Ansicht, Probiotika könnten einer
Allergie vorbeugen oder gar heilen. Die hierzu durchgeführten Studien weisen
erhebliche Mängel auf oder konnten durch neuere Untersuchungen nicht bestätigt
werden.
Als Medikamente habe Probiotika auch Risiken und Nebenwirkungen. Bei Menschen
mit starken Abwehrschwäche können die Bakterien ins Blut übertreten und eine
schwere Sepsis auslösen. Das sei in Finnland, wo Probiotika weit verbreitet
sind, bereits vorgekommen.
[ ©: Die
ZahnarztWoche ]
Basics:
Probiotika und
Ernährungsempfehlungen aus zahnärztlicher Sicht im
Zahnlexikon-Online
10.)
14 Millionen
übergewichtige Kinder in der EU
Europaabgeordnete fordern umfassende Konzepte auf europäischer und nationaler
Ebene, um gegen die zunehmende Fettleibigkeit der Europäer vorzugehen. Etwa 14
Millionen Kinder in der Europäischen Union sind übergewichtig, drei Millionen
von ihnen fettleibig. Die Zahl der betroffenen Schulkinder steige um 400 000 pro
Jahr, ergab eine Untersuchung der International Obesity Task Force.
Die höchsten Raten weisen einer internationalen Vergleichsstudie aus dem
Jahre 2004 zufolge die südlichen Länder und Großbritannien auf. Spitzenreiter
ist Italien. Dort sind bereits 36 Prozent aller Kinder zwischen sieben und elf
Jahren übergewichtig. Es folgen Spanien (34 Prozent) und Portugal (32 Prozent).
In Großbritannien beträgt der Anteil 27 Prozent. Deutschland weist mit 16
Prozent eine der niedrigsten Raten auf. Dennoch haben auch hierzulande knapp
zwei Millionen Kinder und Jugendliche überflüssige Pfunde - Tendenz steigend.
Allerdings sei die Entwicklung weniger auf ungesündere Ernährungsgewohnheiten
als auf ein verändertes Bewegungsverhalten zurückzuführen, so der Kinderarzt
Professor Erik Harms von der deutschen Plattform Ernährung und Bewegung (peb).
Peb ist ein Zusammenschluss von etwa 100 Partnern aus Politik und Wirtschaft,
der Ärzteschaft sowie von Sportvereinen und Eltern. Der Verein, der zugleich das
europaweit größte Netz dieser Art darstellt, setzt sich für einen
gesundheitsförderlichen Lebensstil bei Kindern und Jugendlichen ein. In den
vergangenen zehn bis 15 Jahren sei die Kalorienzufuhr weitgehend gleich
geblieben, die Aufnahme von Fetten und Salzen sogar leicht gesunken, betonte
Harms. Das Hauptproblem sei, dass sich Kinder und Jugendliche nicht mehr
ausreichend bewegten.
"Kinder verbringen im Schnitt 23 Stunden am Tag sitzend, stehend oder liegend",
so Harms. 78 Prozent der 15-Jährigen seien nicht mehr in der Lage, zwei oder
mehrere Schritte rückwärts zu balancieren. 86 Prozent könnten nicht mehr eine
Minute lang auf einem Bein stehen. 43 Prozent erreichten beim Rumpfbeugen mit
ihren Händen nicht ihre Fußsohlen. Ziel von WHO und EU ist es, in den nächsten
fünf bis zehn Jahren sichtbare Fortschritte bei der Bekämpfung von Übergewicht
bei Kindern zu erreichen und den Trend spätestens 2015 umzukehren.
[
©:
gekürzt nach Ärztezeitung ]
11.)
Paracetamol: künftig nur noch 20er-Packungen ohne Rezept erhältlich
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant, durch eine Änderung der
Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) das Schmerz- und Fiebermittel
Paracetamol (Handelsnamen z. B. ben-u-ron®, Captin®, Dafalgan®, Fensum®, Mexalen®,
Paedialgon, Paracetamol-ratiopharm®, Perfalgan®) in Packungseinheiten mit mehr
als zehn Gramm Wirkstoff der Verschreibungspflicht zu unterstellen. In der
Standarddosierung von 500 Milligramm könnten künftig also höchstens noch
20er-Packungen ohne Rezept erhältlich sein. Die Pharmahersteller werden nach
Informationen des Branchenportals Apotheke Adhoc ihre Packungsgrößen anpassen.
Das BMG weist in seinem Entwurf auf die für einen Suizid kritische
Paracetamol-Dosis von zehn bis zwölf Gramm hin. Nach Angaben mehrerer
Giftnotruf-Zentralen belegte Paracetamol in den Jahren 1997 bis 2005 mit großem
Abstand den ersten Platz unter allen Arzneimitteln, die mit Selbstmordabsicht
eingenommen wurden. In anderen EU-Staaten wie Großbritannien, Frankreich und
Irland sind die Packungsgrößen für Paracetamol daher schon länger begrenzt.
Das Problem für die Hersteller: Mehr als 90 Prozent der in Deutschland
verkauften Packungen enthalten derzeit 30 Tabletten mit 500 Milligramm
Paracetamol. Diese Maximalanzahl war bislang vom Bundesinstitut für Arzneimittel
und Medizinprodukte (BfArM) als therapiegerechte Packungsgröße definiert worden.
Hersteller wie Hexal wollen nun andere Packungseinheiten auf den Markt bringen,
heißt es bei Apotheke Adhoc. Von den geplanten Änderungen betroffen sind
außerdem Hersteller von Johanniskraut-Präparaten, welche zur Behandlung
mittelschwerer Depressionen nach dem Willen des BMG ebenfalls nicht mehr ohne
entsprechende Verordnung erhältlich sein sollen.
[
©:
Die Zahnarztwoche 13/08 ]
Basics:
Analgetika im
Zahnlexikon-Online
12.)
Zum Schluss: Taktlos
Woran erkennen Sie, dass Sie alt werden?
Wenn Sie in die Apotheke gehen und die Verkäuferin fragt,
ob sie die Kondome als Geschenk einpacken soll.
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