Zahnärztliche NewsLetter Nr. 07/2003/ 1. Juli 2003

Herzlich willkommen bei der neuesten Ausgabe der ZahnNewsLetters. Nach dem Jahrhundert-Juni  wünschen wir Ihnen auch einen entsprechenden Juli und August. Und falls schon Urlaub angesagt ist, erlebnisreiche oder erholsame Ferien - ganz so, wie Sie es geplant haben.


Inhalt

 1.) Zu langes Zähneputzen ist ungesund - 2 Minuten reichen
 2.) Effektive Kariesprophylaxe durch Fluoridgelées
 3.) Früchtetees können dem Zahnschmelz erheblich schaden
 4.) Frühkindliche Karies - schockierend aber vermeidbar
 5.) Neue Techniken für ein gutes (Gesichts-)Profil
 6.) Impfung gegen Karies - Utopie oder Realität
 7.) Alles Öko - oder?
 8.) Exoten auf dem Teller: Straußenfleisch
 9.) Wie alt sind Sie wirklich?
10.) Gesundheitswesen: Mehr Transparenz und Qualität gefordert
11.) Eistee für Säuglinge: Warnung von Verbraucher-Zentrale und Zahnärzten
12.) Zum Schluss: Zum Nachdenken und Merken


1.) Zu langes Zähneputzen ist ungesund - 2 Minuten reichen

Wir hatten schon in unserem letzten NewsLetter vor zu harten Zahnbürsten bei regelmäßigem Zähneputzen gewarnt. Inzwischen liegt eine neue Studie über die Dauer des Zähneputzens vor und widerlegt die Auffassung, dass langes Zähneputzen die Zahnbeläge besonders gründlich entfernt. Im Gegenteil: 

Nach einer Studie der Universität im englischen Newcastle-upon-Tyne ist zu langes und zu heftiges Zähneputzen ungesund. Es könne zu Verlusten des Zahnschmelzes und Verletzungen am Gaumen führen.
Die Wissenschaftler empfehlen regelmäßiges zweiminütiges Bürsten mit einem Druck von 150 Gramm, was dem Gewicht einer Orange entspricht. Für die Studie bürsteten sich zwölf Testpersonen vier Wochen lang in unterschiedlicher Kombination zwischen 30 und 180 Sekunden lang die Zähne mit einem Druck zwischen 75 und 300 Gramm. Ihre elektrischen Zahnbürsten waren mit einem Computer verbunden, der alle Werte maß. Gemessen wurde jeweils der Zahnbelag vor und nach dem Säubern. Dieser wurde nach mehr als zwei Minuten Putzen und einem Druck von mehr als 150 Gramm nicht mehr geringer.

[ Quellen: zm, ck/dpa  ]

Basics : Zahnbürste, Zahnbürstmethoden

Anfang


2.) Effektive Kariesprophylaxe durch Fluoridgelées

Die regelmäßige Anwendung von hochkonzentrierten Fluoridgelées, wie zum Beispiel elmex® gelée, kann Karies um rund 40 Prozent reduzieren, so die Zahnmediziner Dr. Annette Wiegand und Prof. Dr. Thomas Attin in einem aktuellen Übersichtsartikel zum Einsatz von Fluoriden. In dem in der Fachzeitschrift „Der Freie Zahnarzt“ veröffentlichten Beitrag zitieren die Experten der Abteilung Zahnerhaltung der Universität Göttingen zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit der Fluoride belegen. So resümieren die Autoren, dass Fluoridgelées auch dann eine zusätzliche kariespräventive Wirkung entfalten, wenn weitere Fluoridquellen wie zum Beispiel Zahnpasta und Speisesalz mit Fluorid verwendet werden. Selbst ein bis zwei Jahre nach Auftragen von hochkonzentrierten Fluoridgelées liegt ein kariesprophylaktischer Effekt vor. Das apothekenpflichtige elmex® gelée ist in der Packungsgröße von 25 g nicht verschreibungspflichtig. Kinder über sechs Jahre und unter 18 Jahren erhalten im Rahmen der Individualprophylaxe (IP) das Arzneimittel auf Rezept ohne Zuzahlung.
Hochkonzentrierte Fluoridgelées sind Arzneimittel und enthalten ca. 1,00 bis 1,25 Prozent Fluorid. Sie verfügen damit über eine rund zehnfach so hohe Fluoriddosierung wie herkömmliche Zahnpasten für Erwachsene. Nach Auftragen des Fluoridgelées reichert sich Fluorid auf und im Zahnschmelz an: Eine stabile Calciumfluoriddeckschicht wird gebildet, die als Fluoriddepot dient. Kommt es zu einem Säureangriff durch Bakterien im Zahnbelag (Plaque), werden Mineralien aus dem Zahnschmelz herausgelöst (Demineralisation). Je länger Bakterien und Säuren auf den Zahn einwirken können, desto größer ist das Kariesrisiko. Die Fluoride aus dem Fluoriddepot beschleunigen die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz (Remineralisation). Beginnende Karies, auch Initialkaries genannt, kann dadurch gestoppt und sogar wieder rückgängig gemacht werden.
Da die Zähne täglich Säureangriffen durch Nahrungsmittel und bakterielle Stoffwechselprodukte ausgesetzt sind, muss das Fluoriddepot auf dem Zahnschmelz beständig erneuert werden. Eine regelmäßige Anwendung von hochkonzentrierten Fluoridpräparaten ist deshalb notwendig, so Wiegand und Attin. Fluoridgelées zur wöchentlichen Anwendung zuhause sind in der Apotheke erhältlich und in einer Packungsgröße bis 25 g nicht verschreibungspflichtig. Kinder sollten fluoridhaltige Gelées erst dann anwenden, wenn gewährleistet ist, dass sie kontrolliert ausspucken bzw. ausspülen können. Dies ist in der Regel ab dem sechsten Lebensjahr der Fall. Auch Zähnarzte bieten Geléeapplikationen an, die idealerweise zweimal im Jahr im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung in Anspruch genommen werden sollten. Für Kinder ab dem sechsten und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr werden die Kosten für hochkonzentrierte Fluoridgelées im Rahmen des Individualprophylaxeprogramms (IP) beim Zahnarzt von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dieses Programm umfasst auch die Kosten für zur häuslichen Anwendung verordnetes Fluoridgelée.
Produktinformation elmex® gelée: Tube 25 g (apothekenpflichtig) EUR 5,90*. * unverbindliche Preisempfehlung. Hinweis: Kinder unter 18 Jahren können elmex gelée auf Rezept ohne Zuzahlung erhalten.

[ Quelle + © (auch der Grafik): http://www.gaba-dent.de/ ]

Basics: Fluoride, Mineralisation

Anfang


3.) Früchtetees können dem Zahnschmelz erheblich schaden

In der heißen Jahreszeit sind eisgekühlte Früchtetees ein gegehrter Durstlöscher. Denn dieses Softdrinks gelten als gesund und preiswert und werden besonders gern von Jugendlichen konsumiert. Allgemein bekannt war bisher nicht, dass die darin enthaltnen Säuren - je nach Fabrikat - den Zahnschmelz erheblich angreifen können. Kommt dann noch eine an sich wünschenswerte Mundhygiene dazu, so ist auch das härteste Material des Körpers - der Zahnschmelz - gegen diese Einwirkungen machtlos und löst sich auf - der Fachmann spricht von Erosionen. Der FVDZ schreibt in seiner Fachinfo vom 12.6. zu diesem bisher unterschätzten Problem:

Einige Früchtetees besitzen ein dreimal höheres Erosionspotenzial als Orangensaft. Vor allem Eistee sowie Fruchttees auf der Basis von Himbeere, Brombeere und schwarzer Johannisbeere greifen den Schmelz stärker an. Insgesamt sechs der elf getesteten Tees verursachten in vitro eine signifikant höhere profilometrisch gemessene Schmelzerosion als Orangensaft (p< 0,001). Bei fünf dieser Tees handelt es sich um Früchtetees auf der Basis von: schwarze Johannisbeere, Erdbeere, Himbeere, Brombeere, Preiselbeere, Pfirsich und Passionsfrucht. Der sechste Tee, mit hohen Erosionswerten war ein Eistee mit Zitronengeschmack (Lipton ice lemon tea). Als absolut unbedenklich erwiesen sich hingegen schwarzer Tee sowie Kamillentee. Ziel der Studie war es, neue Ursachen für die hohe Prävalenz von Schmelzerosionen auch bei jungen Patienten zu ermitteln. Da der Verbraucher Früchtetees oft als gesunde Alternative zu anderen Getränken konsumiert, sollte eine Laboruntersuchung deren erosives Potenzial erforschen und mit dem von Orangensaft in Bezug setzen. Die Forscher ermittelten für elf Tees auf Frucht- und Kräuterbasis den pH-Wert, die Fähigkeit zur Schmelzerosion (Profilometrie, nach West et al., in µm) und die Menge an NaOH (in ml), die zur Neutralisierung vom 20 ml Tee nötig waren (neutralisable acidity). Die pH-Werte der elf getesteten Tees lagen zwischen 3,15 (Schwarze Johannisbeere, Himbeere, Preiselbeere, Erdbeere) und 7,08 (Kamille). Zum Vergleich: Orangensaft hat einen pH-Wert von 3,73. Die Menge der neutralisable acidity war bei Lipton ice lemon tea mit 60,3 ml am höchsten (Orangensaft=21,4 ml). Die nach einstündiger Lagerung in 250 ml Tee gemessene Schmelzerosion lag bei drei Tees über 9 µm: Traditional blackcurrant (9,61 µm), Lipton ice lemon tea (9,27 µm) und Raspberry, strawberry and loganberry (9,11µm). Die Schmelzerosion nach Lagerung in Orangensaft (Tesco brand orange juice) lag bei 3,3 µm. Die Autoren wollen die in-vitro-Ergebnisse nun in vivo überprüfen, warnen jedoch davor, die Gefahr für Erosionen durch Früchtetees zu unterschätzen.

[ Quellen: FVDZ-Fachinfo vom 12.6. ; Phelan, J. et al. : The erosive potential of some herbal teas. Journal of Dentistry (2003) 31, 241-246. ]

Basics: Erosion

Anfang


4.) Frühkindliche Karies - schockierend aber vermeidbar

Immer häufiger erkranken Kinder bereits ab dem zweiten Lebensjahr an Milchzahnkaries. Die wesentliche Ursache hierfür ist das Trinken von zuckerhaltigen Getränken vor allem Tees, Fruchtsäfte und Erfrischungsgetränke aller Art, die den Kleinkindern mit der Babyflasche oder Trinklerntassen Tag und Nacht gereicht werden. Beginnend mit den oberen Milchschneidezähnen, kann diese Trinkgewohnheit zur vollständigen Zerstörung aller Milchzähne führen. Beim häufigen Genuss von Fruchtsäften verläuft dieser Prozess besonders rasant, weil die Fruchtsäuren die Zahnoberfläche sehr schnell angreifen. Auf dieser angerauten Oberfläche können die kariesauslösenden Bakterien günstig anhaften und aus dem Zucker des Fruchtsaftes Säure bilden, die die Karies auslösen. Da die Mutter meistens die Frühstadien der Zahnveränderungen in Form von Rauhigkeit, weißlichen und bräunlichen Verfärbungen nicht wahrnimmt bzw. nicht kennt, sucht sie in der Regel viel zu spät mit ihrem Kind einen Zahnarzt auf.
Die zahnärztliche Behandlung ist für den kleinen Patienten extrem belastend, da Kinder bis zum dritten bzw. vierten Lebensjahr von ihrem Entwicklungsstand her noch nicht in der Lage sind den notwendigen Eingriff zu begreifen. Insofern ist eine Behandlung häufig nur unter Narkose möglich. Dies ist nicht nur personal- und kostenintensiv, sondern stellt auch bei Kleinkindern ein medizinisches Risiko dar, das in Voruntersuchungen abgeklärt werden muss. Ist die Karies weit fortgeschritten oder haben sich bereits eitrige Prozesse entwickelt, dann müssen Milchzähne entfernt werden. Zur Wiederherstellung der Kau- und Sprachfunktion, zur Vermeidung von Zahnfehlstellungen und psychischen Belastungen ist nicht selten eine Zahnprothese schon im Vorschulalter erforderlich.
Das Problem der frühkindlichen Karies ist in allen Industrieländern bekannt. Die Häufigkeit liegt etwa zwischen 5 und 20%, wobei vor allem in den neuen Bundesländern durch das reichhaltige Angebot an zuckerhaltigen Fertiggetränken eine Zunahme in den letzten Jahren beobachtet wurde.
Die frühkindliche Karies ist aber vermeidbar, wenn die Mutter dem Kind als Durstlöscher und zur Beruhigung ungesüßten Tee, stilles Wasser, Milch und Malzkaffe in der Babyflasche anbietet. Dem Konsum von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken steht nichts entgegen, wenn sie zu den drei Hauptmahlzeiten gereicht werden. Wegen der großen Kariesgefährdung bei Kleinkindern sind süße Zwischenmahlzeiten strikt abzulehnen. Bereits nach Durchbruch der ersten Zähne sollen diese einmal am Tag mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpaste (höchstens eine erbsgroße Portion) geputzt werden, bestenfalls am Abend vor dem Zubettgehen. Nach dem zweiten Lebensjahr erfolgt dies zweimal täglich. Darüber hinaus wird empfohlen, Kleinkinder spätestens nach dem ersten Lebensjahr erstmalig dem Zahnarzt vorzustellen, damit rechtzeitig Frühstadien der Milchzahnkaries erkannt und unkompliziert behandelt werden können. Demgegenüber reichen die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen nicht aus, da sie vorrangig auf die Vorbeugung geistiger und körperlicher Entwicklungsschäden und weniger auf Zahnerkrankungen gerichtet sind.

[ Quelle + weitere Infos: Dr. Roswitha Heinrich, heinrich@zmkh.ef.uni-jena.de ]

Basics: Karies

Anfang

5.) Neue Techniken für ein gutes (Gesichts-)Profil

(Krefeld) Seit einigen Jahren zählt auch in Deutschland die Korrektur von Fehlstellungen des Kiefers zur operativen Routine. Dabei spielt die Ästhetik des gesamten Gesichtes eine Rolle: "Der Patient will nicht nur gut kauen, er will auch gut aussehen", sagt Professor Gerhard Paulus, niedergelassener Gesichtschirurg aus München auf der 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Krefeld.
Menschen, deren Ober- und Unterkieferknochen unterschiedlich stark gewachsen sind, haben nicht nur Probleme beim Kauen und Sprechen. Auch der psychische Leidensdruck eines "Überbisses" ist enorm. Aufgrund neuer Operationstechniken ist die Korrektur des Profils inzwischen zu einem Routine-Eingriff geworden. "Entsprechend steigen die Fallzahlen", sagt der Münchener Gesichtschirurg Professor Gerhard Paulus.
Bis vor wenigen Jahren griffen die Chirurgen vor allem zum Skalpell, weil die Funktion des Kauens, Sprechens oder Schluckens eingeschränkt war. Diese Funktionalität ist nun nicht mehr der einzige Maßstab. Paulus: "Die Ästhetik des Gesichtes wird für die Patientinnen und Patienten immer wichtiger."

Der Eingriff hinterlässt keine Spuren

Ist der Oberkiefer stärker gewachsen als der Unterkiefer, sprechen die Experten von einer "Prognathie des Oberkiefers". Der Oberkiefer steht deutlich vor, die oberen Zähne beißen über die unteren. Liegt der Fall umgekehrt, handelt es sich um eine "Prognathie des Unterkiefers". Menschen, die von solchen Fehlstellungen betroffen sind, gehen meistens zunächst zum Kieferorthopäden, weil sie Probleme beim Kauen haben. Doch massive Fehlstellungen des Kiefers sind mit einer Zahnspange nicht zu beheben. Der Orthopäde überweist darum zum MKG-Chirurgen, nachdem er die Zahnreihe begradigt hat. Die Gesichtschirurgen operieren fast ausschließlich von der Mundhöhle aus. Der Eingriff hinterlässt daher keinerlei sichtbaren Narben. Die Ärzte legen den Kieferknochen frei, durchtrennen ihn und verlagern ihn nach vorne oder nach hinten. Wenn es die Gesichtsanatomie erfordert, bearbeiten sie auch beide Kiefer, um ein harmonisches Profil zu schaffen. Damit er in der neuen Position einwächst, wird der Knochen durch Platten festgeschraubt. Dank dieser neuen Technik - im Fachjargon "Osteosynthese" genannt - können Patienten schon unmittelbar nach dem Eingriff den Mund wieder öffnen, sprechen und kauen.

Komplikationen sind selten

Gleichwohl sind auch bei Routine-Operationen Komplikationen nicht auszuschließen. Dazu gehören vor allem Sensibilitätsstörungen nach dem Eingriff. Forschergruppen aus Krefeld und Hamburg prüften eineinhalb Jahre nach einer operativen Umstellung des Oberkiefers, bei 40 Patienten, ob diese an solchen Sensibilitätsstörungen litten. Sie fragten nach subjektiven Empfindungsstörungen und verglichen die Antworten mit den Ergebnissen neurologischer Tests an der Oberlippe, den Wangen und der Gaumenschleimhaut. Ergebnis: An der Gesichtshaut maßen die Forscher nur bei einem Patienten eine Sensibilitätsstörung. Bei jedem vierten Patienten wurden Sensibilitätsstörungen im Mund gemessen, aber nur jeder Zehnte bemerkte sie. Betroffen waren Fähigkeiten wie etwa die Unterscheidung spitz-stumpf, nicht aber die Berührungsempfindung. "Im Bereich der Gesichtshaut fanden wir nach 18 Monaten nahezu keine Sensibilitätsstörungen", resümiert Dr. Christoph Lenzen von der Klinik für MKG-Chirurgie in Krefeld die Ergebnisse, "wobei die normale Sensibilität der Gaumenschleimhaut später erreicht wird."
Eine Ärztegruppe von der Universitätsklinik Würzburg hat über 500 Patienten nach Umstellungs-Operationen am Unterkiefer nachuntersucht, bei denen der Eingriff mindestens vier Jahre zurück lag. Über Sensibilitätsstörungen berichteten 25 Prozent der Patienten, insbesondere dann, wenn das knöcherne Bett des Unterkiefernervs (dem unteren Ast des Trigeminus-Nervs) bei dem Eingriff geöffnet wurde. "In der Tat", bestätigt auch Professor Paulus, "ist das Risiko einer irreversiblen Sensibilitätsstörung bei Eingriffen am Unterkiefer höher als am Oberkiefer."

Zweiter Eingriff wird überflüssig

Bislang verwendeten die Chirurgen Platten und Schrauben aus Titan, die sie meist wieder herausnahmen, wenn der Knochen verheilt war. Inzwischen sind Osteosynthese-Systeme aus synthetischen Materialien verfügbar, die vom Körper selbst abgebaut werden. Dies erspart den Patienten einen weiteren Eingriff.

Zwei Fliegen mit einer Klappe
 
Die modernen Operationsmethoden gestatten es den MKG-Chirurgen darüber hinaus, Kieferfehlstellungen und Schönheitsfehler der Nase bei einem einzigen Eingriff zu korrigieren. Sie verlagern zunächst den oder die Kieferknochen und bringen dann die Nase in die gewünschte Form. Der große Vorteil dieses Vorgehens: es erspart nicht nur dem Patienten eine zweite Operation, sondern der Chirurg kann beide Korrekturen aufeinander abstimmen.

Reimport einer alten Technik

Eine Operationstechnik, die ein ungarischer Chirurg Ende der zwanziger Jahre entwickelte, hält im Bereich der Gesichtschirurgie nun wieder Einzug im "alten Europa" - als Reimport aus den USA. Bei der so genannten "offenen Nasentechnik" schneidet der Operateur den Nasensteg quer auf und klappt ihn hoch. Er hat so einen perfekten Überblick über den Knorpel und kann seinen Eingriff besser kontrollieren als bei der bisher üblichen Operationsmethode, bei der die Ärzte von der Innenseite der Nase aus operieren.

[ Quelle + Rückfragen an: prof.paulus.muenchen@t-online.de   ]

Anfang


6.) Impfung gegen Karies - Utopie oder Realität

Viele, mit schweren Erkrankungen oder tödlichem Verlauf endende, Infektionen haben im letzten Jahrhundert durch einen kleinen Piekser oder durch ein entsprechend präpariertes Stückchen Würfelzucker ihren Schrecken verloren. Immer wieder erhält die Redaktion Anfragen zu einer Impfung gegen Karies, denn was bei Pocken und Kinderlähmung möglich war und ist, sollte doch eigentlich auch bei der Volksseuche Nr. 1 , der Karies, funktionieren - zumal der Haupterreger der Zahnfäule schon lange bekannt ist. Warum also gibt es noch keine Impfung gegen Karies? Stecken da etwa die Zahnärzte selbst dahinter, die um ihren Berufsstand bangen oder wo liegen die Schwierigkeiten?  Die Zahnarztwoche veröffentlichte in ihrer Ausgabe 23/03 einen beachtenswerten Artikel aus der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" (Autorin: Petra Jacoby), welchen wir nachfolgend ungekürzt weitergeben:

"Neben vielen harmlosen Bakterien leben im Zahnbelag auch Streptokokken, die Hauptverursacher von Karies. Sie ernähren sich aus Zucker von Nahrungsresten und schädigen die Zahnsubstanz durch die Milchsäure, die sie als Stoffwechselprodukt ausscheiden. Der Ätzvorgang benötigt zwar Zeit, so dass sich Karies eigentlich durch regelmäßiges Zähne putzen verhindern ließe. Oft entgehen Streptokokken aber an schwer zugänglichen Stellen zwischen den Zähnen den Bürstenattacken. Trotz aller Mundpflege entsteht dann ein Loch im Zahnschmelz. Daher können sich nur 0,8 Prozent der Deutschen naturgesunder Zähne erfreuen.

Sprays zu schwach

Seit in den 70er-Jahren der Zusammenhang zwischen Streptococcus mutans und Karies erkannt wurde, versuchen Forscher einen Impfstoff gegen das missliebige Bakterium zu entwickeln. Ursprünglich strebten sie eine aktive Immunisierung an. Dabei sollen Eiweißmoleküle des Erregers, die auf Mund- oder Nasenschleimhaut gesprüht werden, das Abwehrsystem dazu veranlassen, mit dem Speichel schützende Antikörper auszuscheiden. Klinischen Studien mit derartigen Sprays zeigten aber, dass die Immunreaktion nur sehr schwach ausfällt. Deshalb ist es fraglich, ob sich die Bildung von Karies auf diese Weise verhindern lässt.

Passiv-Impfungen sind aussichtsreicher

Passiv-Impfungen, bei denen der Organismus die Abwehrmoleküle nicht selbst produziert, scheinen dagegen aussichtsreicher. Man kann im Labor mit Hilfe von Zellkulturen besonders wirksame Antikörper herstellen, die sich an das Oberflächenprotein SAI/II (streptococcal antigen I/ll) von S. mutans anlagern. Mit diesem heftet sich der Karieserreger normalerweise an den Speichelfilm auf den Zähnen. Ist es durch einen Antikörper blockiert, kann sich das Bakterium nicht mehr im Mund festsetzen. Das belegen Tests mit Personen, deren Zähne mit einer solchen Antikörperlösung eingepinselt wurden. Sie besaßen nach der Behandlung deutlich weniger gefährliche Streptokokken in der Plaque als die Probanden der Kontrollgruppe. Bislang war dieser Weg der passiven Immunisierung allerdings nicht praktikabel, da sich isolierte Antikörper im Mund nur kurze Zeit halten und die Zähne deshalb ständig behandelt werden müssten.
Lennart Hammarström und seine Mitarbeiter vom Zentrum für Oralbiologie in Huddinge (Schweden) haben nun gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden und Großbritannien eine abgewandelte Passiv-Impfmethode entwickelt, die dieses Problem äußerst trickreich umgeht (Nature Biotechnology, Band20, Seite 702):
Das dahinter stehende Prinzip ist einfach. Die Antikörper werden direkt im Mund von genmanipulierten Bakterien der Art Lactobacillus zeae produziert und in deren Zellwand integriert, was sie vor dem Abbau schützt. Lactobazillen sind für den Menschen völlig ungefährlich. Schon seit Jahrhunderten benutzt man sie zur Herstellung vieler Lebensmittel wie Jogurt, Käse oder Salami.

Klebefallen für Karieserreger

Die Wissenschaftler mussten zunächst allerdings eine stark verkleinerte Version des potenten Antikörpers gegen das SAI/IIProtein von S. mutans konstruieren, indem sie aus der entsprechenden Erbsubstanz gezielt nur die beiden Abschnitte herausschnitten, die für die Bindungsstelle des Antikörpers verantwortlich sind, und sie miteinander verketten. Erst ohne den unnötigen Ballast ist die DNA kurz genug, um sie in L. zeae einschleusen zu können. Die gentechnisch veränderten Bakterien lesen die fremde Erbinformation ab und synthetisieren große Mengen der Mini-Antikörper, die sie dann auf ihrer Oberfläche tragen.
Bei Impfversuchen mit Ratten siedelten sich die aufgerüsteten Mikroben problemlos auf der Mundschleimhaut an. Für Karieserreger wirken sie wie Klebefallen. Die meisten binden sich mit ihren vielen SAI/II-Proteinen nicht mehr an Zähnen, sondern an die Antikörper der genetisch veränderten Bakterien und verklumpen dadurch mit ihnen. Im Endeffekt werden sie schließlich heruntergeschluckt und im Magen verdaut.

Tierversuche versprechen Erfolg

Tierversuche bestätigen die schützenden Wirkung der Lactobazillen. Die Forscher impften entsprechende Ratten, die normalerweise extrem schnell Karies bilden, mit den Antikörper produzierenden Bakterien und strichen ihre Mundhöhle vier Tage später mit S. mutans ein. Nach knapp drei Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede. Immunisierte Tiere besaßen signifikant weniger Streptokokken auf ihren Zähnen als unbehandelte. Zugleich entwickelten in der geimpften Gruppe weniger Ratten Karies, und die Anzahl der Löcher, die trotz der Behandlung entstanden, war deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe.
Genmanipulierte Lactobazillen könnten somit eine elegante Methode zur passiven Immunisierung gegen Zahnkaries darstellen. Das Prinzip, dem Organismus langfristig Antikörper mit Hilfe harmloser Bakterien zuzuführen, bietet sich aber auch für die Prophylaxe und Therapie vieler anderer Krankheiten an. Fast jeder Abschnitt des Verdauungstrakts kann von einer Lactobazillus-Spezies besiedelt werden. Mit der DNA für die entsprechenden Mini-Antikörper ausgestattet, wären Lactobazillen daher auch geeignet, beispielsweise im Magen Bakterien der Art Heliobacter pylori abzufangen, die dort die Schleimhaut schädigen und Geschwüre induzieren, oder im Dünndarm Durchfallerreger in Schach zu halten."

[ Quelle + ©: Petra Jacoby, "Spektrum der Wissenschaft" in DZW-Online 23/03 ]

Basics:  Karies, Streptococcus mutans

Anfang


7.) Alles Öko - oder was?
Konventionell und alternativ erzeugte Lebensmittel im Qualitätsvergleich

Lebensmittel aus Ökologischem Landbau haben eine hohe Qualität und sind hinsichtlich ihrer Erzeugung konventionell produzierten Produkten in vielen Punkten überlegen. Dass Öko-Lebensmittel aber generell gesünder sind, lässt sich derzeit wissenschaftlich nicht belegen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine umfangreiche Studie, die jetzt von einer Arbeitsgruppe des Senats der Bundesforschungsanstalten vorgelegt wurde. Ziel der Studie, an der namhafte Experten aus den Forschungseinrichtungen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, aus Universitäten sowie Vertreter von Forschungsinstituten des Ökologischen Landbaus mitgewirkt haben, war eine vergleichende Bewertung von Lebensmitteln aus alternativer und konventioneller Produktion. Dabei wurde sowohl die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln (Prozessqualität) als auch die Qualität der Produkte selbst betrachtet und sozioökonomische Aspekte mit berücksichtigt. "Der jetzt vorgelegte Bericht ist die umfassendste Studie, die bislang zu diesem Thema in Deutschland erarbeitet wurde", erklärte Professor Bernhard Tauscher, Sprecher der Senatsarbeitsgruppe und Leiter der Bundesforschungsanstalt für Ernährung (BFE) in Karlsruhe.

Pflanzliche Lebensmittel werden z.B. regelmäßig auf Pflanzenschutzmittel-Rückstände untersucht. Generell ist bei Ökoprodukten mit wesentlich weniger Rückständen zu rechnen, gänzlich frei - so haben verschiedene Untersuchungen ergeben - sind auch sie nicht. Doch auch die Qualität konventionell erzeugter Produkte ist in dieser Hinsicht gut: Weizen und Roggen aus konventioneller Erzeugung sind praktisch frei von Pflanzenschutzmittel-Rückständen, Obst und Gemüse weisen zwar häufiger Rückstände auf, aber selten werden die zulässigen Rückstands-Höchstmengen überschritten. Die Studie zitiert eine aktuelle Untersuchung, in der 1.041 Obst- und Gemüseproben aus ökologischem und 1.836 Proben aus nicht-ökologischem Anbau geprüft wurden. In 0,1 % der Proben aus ökologischem Anbau waren die Höchstmengen überschritten, bei konventionell erzeugten Produkten lag der Wert bei 1,7 %.

Bei Obst und Gemüse sowie bei Getreide lassen die bislang vorliegenden Daten keine markanten anbauspezifischen Unterschiede beim Energie-, Nährstoff- und Vitamingehalt erkennen. Einige ernährungsphysiologisch wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe können bei Obst und Gemüse aus Ökoanbau in höheren Konzentrationen vorliegen. Der Gehalt an Ballaststoffen ist vom Anbauverfahren unabhängig. Bei der Milch kann die begrenzte Fütterungsintensität der Kühe im Ökolandbau zu geringeren Eiweißgehalten führen, der Gehalt an Vitaminen und Calcium wie auch das Fettsäuremuster werden durch die Produktionsweise nicht beeinflusst. Signifikante Unterschiede im gesundheitlichen Wert von Milch aus verschiedenen Produktionsrichtungen sind daher wenig wahrscheinlich.

Die bisher vorliegenden Erkenntnisse erlauben aus wissenschaftlicher Sicht nicht den Schluss, dass der ausschließliche oder überwiegende Verzehr von ökologisch erzeugten Lebensmitteln die Gesundheit des Menschen direkt fördern würde. Die Autoren der Studie betonen, dass für die Gesundheit des Menschen in erster Linie eine ausgewogene Ernährung wichtig ist, also insgesamt eine geringere Verzehrsmenge und dabei weniger Fett und Fleisch, jedoch mehr Gemüse und Obst. Angesicht der hohen Kosten im Gesundheitswesen, die in Deutschland alljährlich durch ernährungsbedingte Krankheiten verursacht werden - die Studie nennt einen Betrag von mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr - wäre es zu begrüßen, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Wert auf einen gesunden Lebensstil legen würden, der mit bewusster Ernährung und viel körperlicher Bewegung einher geht.

[ Quelle + weitere Infos: Die Studie ist im Internet zu finden unter http://www.bmvel-forschung.de  in der Rubrik "Thema des Monats" (Juni 2003). Zusätzlich ist sie in der Rubrik "Senat der Bundesforschungsanstalten / Senatsarbeitsgruppen" eingestellt. ]

Anfang


8.) Exoten auf dem Teller: Straußenfleisch

"Zuweilen rennen die Leute ihm regelrecht die Bude ein. Über mangelnde Nachfrage kann sich Straußenzüchter Christoph Kistner jedenfalls nicht beklagen. Bis nach Zürich karren Kunden von seiner Farm im badischen Neumünster das begehrte Straußenfleisch - BSE und andere Mastfleisch-Skandale machen's möglich.
Steak vom Strauß steht in Deutschland hoch im Kurs. Restaurants bieten es als Alternative zum beargwöhnten Rindfleisch an, Karstadt und Aldi haben es in der Kühltheke. Das ist auch ein Verdienst des Bundesverbands Deutscher Straußenzüchter (BDS). Straußenfleisch, so behaupten BDS-Geschäftsführer Kistner und seine Kollegen, habe einen hohen Gesundheitswert. Es sei "einzigartig, das gesündeste Fleisch überhaupt- eiweißreich, dabei fett- und cholesterinarm." Das kann die Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach (BAFF) so allerdings nicht bestätigen. Das Filet, das wie alles Fleisch vom Strauß aus der Oberkeule stammt und in Farbe und feiner Faserung dem Filet vom Jungmastrind ähnelt,  bereichert zwar als so genanntes rotes Fleisch die Geschmackspalette von gewöhnlich hellem Geflügel um eine exotische Variante. Damit hat es sich aber auch. Analysen von tiefgefrorenem Straußenfleisch aus Südafrika durch die BAFF ergaben die gleichen Eiweiß- und Cholesteringehalte wie bei magerem Rind- oder Schweinefleisch. Hühnerbrust hat gar noch ein Viertel weniger Cholesterin. "Die Behauptung, Straußenfleisch sei extrem cholesterinarm, trifft nicht zu", sagt Matthias Moje von der Forschungsanstalt. Auch beim Fettgehalt laufen die exotischen Rennvögel keinem Huhn den Rang ab.
Fazit: Ob Steak vom Strauß oder Schnitzel vom Schwein, ist ziemlich wurst. "Eine ernährungsphysiologische Notwendigkeit, Straußenfleisch in den deutschen Markt einzuführen, besteht nicht", erklärt Moje."

[ Quelle + ©:  Auszug aus natur & kosmos, Juli 2003 ]

Anfang


9.) Wie alt sind Sie wirklich?

Eine alte Lebensweisheit besagt, dass man (frau) sich so alt (jung) fühlt wie man ist. 38 Jahre alt sein – und wie 33 aussehen? Warum nicht! Viele Menschen schaffen es durch ihren persönlichen Lebensstil wesentlich jünger und dynamischer zu wirken, als sie tatsächlich sind. Trifft dies auch auf Sie zu? Ermitteln Sie auf Grund von Risikofaktoren, die Ihre Gesundheit beeinflussen, Ihr biologisches Alter. Kleine Tricks helfen Ihnen, Krankheiten vorzubeugen und langfristig gesund zu bleiben.
Unter der URL http://focus.msn.de/D/DG/DGA/DGA06/DGA06E/dga06e.htm von Focus können Sie nach Beantwortung von 15 Fragen Ihr "echtes" Alter schätzen lassen.

[ Quelle: Focus-Online  ]

Anfang


10.) Gesundheitswesen: Mehr Transparenz und Qualität gefordert

In diesen Wochen lesen Sie viel über sinnvolle und unsinnige Vorschläge zur dringend notwendigen Reform im Gesundheitswesen. In den nächsten Monaten soll auf politischer Ebene darüber diskutiert werden und zum 1.1.2004 dann eine erneute Reform in Kraft treten. Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele bisherige Reformen das Papier nicht wert waren, auf dem sie gedruckt wurden. Auch jetzt hat es den Anschein, als ob die Herausnahme des Zahnersatzes der große Wurf sei, obwohl diese Entlastung nur im niederen Prozentbereich der Gesamtkosten liegen würde. Deshalb sind grundsätzliche Veränderungen gefragt und keine Augenwischerei. Und so bemängelt z.B. der Verband der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD), dass die öffentlichen Bekenntnisse zur Krankheitsvorbeugung (Prävention) kaum in einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlich geplanten Maßnahmen stehen. Schon bisher seien nicht alle Chancen für eine Krankheitsfrüherkennung genutzt worden. Dieses Defizit werde durch das GMG nicht ausgeglichen. Dabei gelte: Je früher eine Krankheit entdeckt wird, desto erfolgreicher und kostengünstiger kann sie behandelt werden. Zumindest langfristig wirkten Krankheitsvorbeugung und -früherkennung kostendämpfend.
Die renommierte Bertelsmannstiftung hat die Bundesbürger befragt und macht selbst Vorschläge. Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit, Demokratie und Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung voranbringen. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral:

Die Deutschen wünschen sich mehr Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen. Das zeigt eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung. Daraus geht hervor, dass die Bundesbürger nicht die Kosten als wichtigstes Problem des Gesundheitswesens ansehen sondern die unterschiedliche Qualität der Versorgung.
74 Prozent der Befragten würden es befürworten, wenn die Krankenkassen über die Leistungen von Ärzten und Krankenhäusern informierten. Auch den Verbraucherverbänden wird zugetraut, für einen besseren Überblick im Gesundheitswesen zu sorgen: 56 Prozent der Bevölkerung sehen es als wichtige Aufgabe des Verbraucherschutzes an, über die Güte der fachärztlichen Versorgung zu informieren. "Mehr Transparenz ist notwendig, damit der Patient als möglichst souveräner Konsument von Gesundheitsleistungen auftreten kann", sagt Melanie Schnee von der Bertelsmann Stiftung.
Ein nationales Institut für Qualitätssicherung, das Leitlinien für die Behandlung aufstellen und deren Einhaltung kontrollieren sollte, wird von 57 Prozent der Bevölkerung begrüßt. Neben der Verringerung von Unterschieden in der Qualität der Versorgung käme einem solchen Institut auch die Aufgabe zu, effiziente von ineffizienten Maßnahmen zu trennen. Somit könnte es für eine bessere Nutzung der vorhandenen Ressourcen im Gesundheitswesen sorgen.

In Deutschland müsse nun eine Debatte um Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen geführt werden, so Melanie Schnee: "Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben allzu gut verdeutlicht, dass reine Kostendämpfungsmaßnahmen allenfalls zu kurzfristigen Effekten geführt und damit ihre Glaubwürdigkeit verloren haben." Unabhängig davon, ob ein nationales Institut für Qualitätssicherung und ein transparenter Vergleich von Krankenhäusern und Ärzten die richtigen Lösungen für die offensichtlichen Qualitäts- und Effizienzprobleme seien, müsse man Antworten auf die folgenden Fragen finden: Wie stellen wir sicher, dass es nicht vom Zufall abhängt, ob ein Patient die medizinisch beste Behandlung bekommt? Und wie sorgen wir dafür, dass unter den medizinisch möglichen Maßnahmen nicht nur die sinnvollste und wirksamste, sondern auch - und daran haben die Gesellschaft und die Gemeinschaft der Krankenversicherten ein berechtigtes Interesse - die kostengünstigste ausgewählt wird?
Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt repräsentativ zweimal jährlich Versicherte und einmal im Jahr Ärzte zu den ihrer Meinung nach wichtigsten Themen bei der Reform des Gesundheitswesens in Deutschland. Die ausführliche Studie erscheint Ende des Jahres.

[ Quelle: http://www.bertelsmann-stiftung.de/presse  ]

Anfang


11.) Eistee für Säuglinge: Warnung von Verbraucher-Zentrale und Zahnärzten 

Fertiger Eistee aus der Dose oder Flasche ist im Sommer sehr beliebt. Die Verbraucher-Zentrale Hamburg und die Hamburger Zahnärztekammer warnen jetzt gemeinsam vor dem häufigen Genuss. Viele dieser Produkte haben hohe Zucker- und Säureanteile, die die Zähne schädigen können. Der vielfach enthaltene Schwarztee ist für Kinder wegen des Koffeinanteils nicht geeignet. Zahnärzte berichten über verstärkt auftretende Erosionen an Kinderzähnen, also Auflösungen des Zahnschmelzes, die beispielsweise durch säurehaltige Getränke hervorgerufen werden können.
Ein Hauptproblem stellen nach Angaben der beiden Organisationen in diesem Zusammenhang die Saugerflaschen bei Kleinkindern dar. Die Befriedigung des Saugreflexes und der süße Geschmack stellen die Kinder zwar ruhig. Der Nuckel liegt aber oft stundenlang direkt an den Zähnen an. Dadurch umspült das gezuckerte Wasser ständig die Zähne. Industriell gefertigter Eistee kann große Mengen an Zucker (im Konzentrat über 75% Zucker, im Schnitt rund 95 Gramm pro Liter fertiges Getränk) oder eine Kombination von Zucker und Süßstoffen enthalten. Kariesbakterien nehmen den Zucker auf und geben als Verdauungsstoff aggressive Säuren in den Mund ab. Der Speichel hat durch die Dauerattacken keine Chance, wieder ein neutrales Milieu im Mund herzustellen. Viele Fertiggetränke enthalten auch Zitronensäure (E 330). Hierdurch wird der Zahnschmelz oberflächlich aufgelöst. So entstehen zusammen mit den sauren Ausscheidungen der Kariesbakterien ganz schnell Löcher in den Zähnen.
Zuerst werden nach Beobachtungen der Zahnärzte die Vorderzähne in Mitleidenschaft gezogen dann werden die hinteren Backenzähne braun und weich: Manchmal bleiben nur schwarze Stummel im Mund. Es kann zu Vereiterungen und Abszessen kommen. Zusätzlich können die viel zu früh ausgefallenen Milchzähne ihre Platzhalterfunktion für die ab dem sechsten Lebensjahr nach rückenden zweiten Zähne nicht erfüllen. Häufig treten die zweiten Zähne auch schon geschädigt oder an einer falschen Stelle durch. Das erfordert erst zahnärztliche und später kieferorthopädische Behandlungen.
Der Rat an die Eltern: Langes Stillen wirkt sich positiv auf gesunde Zähne und einen kräftigen Kauapparat aus. Die Flasche sollten die Kinder nur bis zu einem Alter von acht bis zehn Monaten erhalten. Dann sollten sie aus einer Tasse trinken lernen. Hieraus trinkt das Kind nur solange, wie es wirklich durstig ist. Alternativen zu industriell gefertigtem Eistee sind für Kinder ungesüßte Früchtetees oder kohlensäurefreies Mineral- und Trinkwasser.
Verbraucher-Zentrale und Zahnärztekammer bemängeln, dass es derzeit keine gesetzlichen Beschränkungen für den Einsatz von Zitronensäure in Getränken gibt. Auch müssen die Hersteller nicht vor diesem Zusatzstoff besonders warnen. Die beiden Organisationen appellieren daher an die Eltern, beim Einkauf dieser Produkte auf die Zutatenliste zu achten.

Für Rückfragen:
Verbraucher-Zentrale Hamburg: Silke Schwartau, Tel. 24 832-142; ernaehrung@vzhh.de
Die Verbraucher-Zentrale Hamburg im Internet: www.vzhh.de
Zahnärztekammer: Gerd Eisentraut, Tel. 73 34 05-17, gerd.eisentraut@zaek-hh.de

Anfang


12.) Zum Schluss: Zum Nachdenken und Merken

Der Mensch hat drei Wege klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste.“

Konfuzius

Anfang

NewsLetter ausdrucken

Direkter WEB-Zugriff auf diese Letter

disclaimer/rechtliches

Zum Archiv 2001 - 2003
NewsLetter abonnieren

Impressum

Herausgeber:    Dr. Klaus de Cassan, GF der ZiiS-GmbH
Verantwortlich:  Dr. Klaus de Cassan

Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung der ZiiS-GmbH.
Bitte beachten Sie das Copyright (c) 2001-2003: http://www.ziis.de

Abmelden
----------
Der Bezug der ZahnNewsLetter ist kostenlos. Er wird ausschließlich an User versandt, die sich zuvor persönlich angemeldet und ein Kennwort erhalten haben.
Wenn Sie den ZahnNewsLetter abbestellen wollen, so senden Sie bitte eine E-Mail mit Angabe Ihres Kennwortes und dem Vermerk  UNSUBSCRIBE  in der Betreff-Zeile an die Adresse news@ziis.de