Zahnärztlicher NewsLetter Nr. 8/2005/ 1. August 2005

Herzlich willkommen bei einer weiteren Ausgabe des ZahnNewsLetters. Allen Daheimgebliebenen "frohes Schaffen und gesundes Schwitzen" und denen, die fern der Arbeit sind, einen erholsamen Urlaub - wo auch immer Sie sich befinden!

Ihre ZahnNewsLetter-Redaktion

 


Inhalt

 1.) Unerwünschte Wirkungen von Zahnbleichmitteln: Immer vorher den Zahnarzt konsultieren
 2.)
Rostocker "Wundermittel" lässt Knochen wachsen
 3.) Patienten wünschen Qualität und Beratung beim Zahnarzt
 4.) Strahlende Mineralwässer - nicht geeignet für Säuglinge
 5.)
Was so alles für die Zähne gut ist
 6.) Schmerzmittelinfos sollen aktualisiert werden: Bald verschärfte Warnhinweise
 7.) "Praxisgebühr" - wie mit Sprache Politik gemacht wird

 8.)
Deutsche sparen auch an der Gesundheit
 9.) Ärztliche Behandlungsfehler unter der Lupe
10.)
Der neue "Apothekenkatalog" vergleicht die Preise rezeptfreier Medikamente
11.) Ist in Fastfood alles drin, was der Körper braucht? - Der Fastfood-Check
12.) Tag der Zahngesundheit 2005: "Gesund beginnt im Mund - und zwar zuhause"
13.) "Explodierende Arzneimittelkosten" - Ministerium wirft Selbstverwaltung klaegliches Versagen vor
14.)
Zum Schluss: Dr. Frankensteins Wiedergeburt


1.) Unerwünschte Wirkungen von Zahnbleichmitteln: Immer vorher den Zahnarzt konsultieren

"Weiße Zähne" sind IN, egal wie alt der Besitzer dieser Beißerchen ist. Die vor Jahren aus Amerika herübergeschwappte Zahnverschönerung hat sich inzwischen auch im deutschsprachigen Raum etabliert und so manchem Patienten zu einer subjektiven Zahnverschönerung verholfen. In unserem Zahnlexikon können Sie sich ausführlich unter dem Stichwort "Bleichen" informieren und auch lesen, dass diese Aufhellung im Prinzip nach heutigem Wissensstand ungefährlich ist, wenn man die Grundregeln beachtet und nicht auf eigene Faust seine Zähne im strahlenden Weiß erscheinen lässt. Das Schweizer "Bundesamt für Gesundheit" (BGA) hat jüngst eine deutliche Warnung vor unbeaufsichtigtem Bleichen herausgegeben, welche wir der "Zahnarztwoche" (DZW) entnommen haben:

"Das Schweizer "Bundesamt für Gesundheit" (BGA) empfiehlt, angesichts der Tatsache, dass "weiße Zähne voll im Trend liegen" und das Angebot an Bleichmitteln rasant wächst, regelmäßiges "Zahnbleaching nicht ohne vorherige Konsultation des Zahnarztes" durchzuführen. "Falsch angewendet stellen Zahnbleichmittel ein Gesundheitsrisiko dar", heißt es in der BGA-Veröffentlichung aus der Schweiz. "Eine gesunde Mundhöhle und eine korrekte Anwendung der Produkte zur Aufhellung der Zähne sind wichtige Bedingungen, damit der Gesundheitsschutz gewährleistet ist."
Die Schweiz orientiert sich in ihrer Bleaching-Position an den Vorgaben aus der Europäischen Union mit der EU-Kosmetikrichtlinie. Trotz einer einstweiligen Anerkennung der Zahnbleichmittel als "Kosmetische Mittel", weisen BAG und Swissmedic gemeinsam auf "unerwünschte Wirkungen" hin. Als wichtigste werden aufgeführt:
 vorübergehend erhöhte Empfindlichkeit der Zähne,
 Zahnfleischentzündungen und -irritationen und
 Einfluss auf Zahnrestaurationen. Denn bei bestehenden Amalgamfüllungen konnte verschiedentlich eine erhöhte Quecksilberabgabe beobachtet werden, so dass eine der Zahnbleichung vorhergehende Lackierung dieser Füllungen empfohlen wird. Bei Kompositfüllungen wird eine vorübergehende Abnahme der Härte festgestellt. Solche Füllungen werden zudem nicht aufgehellt, weshalb Farbunterschiede an den betroffenen Zähnen auftreten können.

Vor oder nach einer Zahnrestauration (Kariesbehandlung) sollten mehrere Tage ohne Behandlung mit Bleichungsmittel zwischengeschaltet werden.
Auf Zahnbleichung mit peroxydhaltigen Mitteln sollten verzichten:
 Personen mit bestehenden und noch nicht behandelten Kariesläsionen,
 Personen mit hohem Alkohol- und/oder Tabakkonsum, dies auf Grund der erhöhten Prädisposition zu Mundhöhlenkrebs. Peroxyde können die bestehende Disposition verstärken. Dasselbe gilt für Personen mit genetischer Prädisposition für diese Krebsart.

Hingegen seien bei vorschriftsgemäßer Verwendung, so heißt es in der BGA/Swissmedic-Stellungnahme, von peroxydhaltigen Zahnbleichmitteln keine Nebenwirkungen toxikologischer Art zu erwarten. Diese vorschriftsgemäße Verwendung bezieht sich auf die Häufigkeit der Behandlung, wie auch auf die richtige Applikation des Bleichmittels."

[ © :   www.DZW.de  ]
 Basics:  Bleichen  auf www.zahnwissen.de

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2.) Rostocker "Wundermittel" lässt Knochen wachsen

Mit einer neuartigen Substanz gelingt es, Knochen im menschlichen Körper zu regenerieren. Entstehen etwa bei Zahn-Operationen Verluste an Knochensubstanz im Kiefer, so lassen sich diese durch das neue Material schließen. Dabei fungiert die Substanz nicht einfach als Lückenfüller, sondern regt den Körper an, die Verluste aus eigener Kraft zu ersetzen. Entwickelt wurde die Substanz durch die Rostocker Firma Artoss, eine Ausgründung der Universität Rostock, und der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock. Im Januar wurde die Substanz für den Markt zugelassen, seitdem kommt sie auch Patienten zugute. Bundesweit fanden sich bereits rund 400 Anwender. Derzeit kümmert sich die Firma um den Vertrieb in der ganzen Europäischen Union. "Zunächst einmal brauchen wir ein Loch - und dann so genannte Startersubstanzen, die dem Körper gewissermaßen die Idee geben, Knochen an der Stelle wachsen zu lassen, wo er fehlt", beschreibt Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Karsten Gundlach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock, die Funktionsweise der neuen Substanz. Gundlach bezeichnet sie augenzwinkernd als "Wunderstoff", weil sie nicht einfach dazu dient, beispielsweise nach einer Zahn-Operation das entstandene Loch zu füllen, sondern weil die Substanz aus Kalzium und Phosphat dafür sorgt, dass der Körper es von selbst vornimmt. "Und körpereigene Substanzen sind immer besser als Fremdmaterial", so Professor Gundlach. Die einmal eingebrachte Substanz wird nach und nach wieder abgebaut. Begonnen wurde mit der Entwicklung des Stoffs bereits vor sechs Jahren in der Rostocker Zahnklinik. Vor zwei Jahren gründete sich die Firma Artoss aus, um die Substanz eigenständig zu vermarkten. Im Januar erfolgte die Zulassung für den Markt. "Das Feedback ist erschlagend", sagt Dr. Walter Gericke, Geschäftsführer von Artoss. Binnen weniger Monate fanden sich etwa 400 Anwender bundesweit. Jetzt peilt die Firma den EU-Markt an - und auf lange Sicht den Weltmarkt. Die Zulassung für 25 Länder hat Gericke bereits in der Tasche. Derzeit arbeiten bei Artoss sieben Mitarbeiter, aber noch in diesem Jahr solle das Personal aufgestockt werden, so Gericke. "Das neue Produkt ist viel besser als das, was sonst auf dem Markt ist", lobt Professor Gundlach, der die Substanz in Rostock als erster anwendete. "Wir haben seit Februar zwischen 30 und 40 Patienten behandelt. Die Ergebnisse sind sehr gut, das Material lässt sich hervorragend verarbeiten und ist überaus gewebeverträglich", so Gundlach. Vor allem werde die Substanz bei kleineren Defekten eingesetzt - entstanden etwa durch Parodontose, der, so Professor Dr. Dr. Kai-Olaf Henkel, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, häufigsten Erkrankung der erwachsenen Bevölkerung. Aber auch größere Reparationen seien möglich: Nach der Entfernung von Tumoren oder Zysten sei es gelungen, selbst hühnereigroße Defekte repariert worden.


[Ansprechpartner: Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Karsten Gundlach Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie Universitätsklinikum Rostock Schillingallee 35 18057 Rostock Tel. 0381/4946552  ]

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3.) Patienten wünschen Qualität und Beratung beim Zahnarzt

Deutsche Patienten wissen in Bezug auf den Zahnersatz genau was Sie wollen. Als entscheidende Kriterien, welche eine Investition in ästhetische Maßnahmen beeinflussen, nennen über 81 % hochwertigen, ästhetisch perfekten Zahnersatz. Ähnlich wichtig sind die Bioverträglichkeit des Materials und die lange Haltbarkeit. Über 73 % nennen eine Garantie als entscheidendes Argument bei der Wahl des Zahnersatzes. In einer aktuellen von "proDente" in Auftrag gegebenen Umfrage unter 1012 Personen im Alter zwischen 14 und 50 Jahren gaben über 73 % der Befragten an, dass eine gute Beratung für Sie von hoher Bedeutung ist. "Die Zahlen dokumentieren das gestiegene Bedürfnis nach perfekter Ästhetik beim Zahnersatz", so Dirk Komorowski, Geschäftsführer der Initiative proDente e.V. Zugleich hat der Verbraucher ein enormes Qualitätsbewusstsein.

[ © - auch der Grafik :  info@prodente.dewww.prodente.de  ]

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4.) Strahlende Mineralwässer - nicht geeignet für Säuglinge

Mineralwasser, das mit dem Zusatz "Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" versehen ist, sollte kein Uran enthalten. Dieses Fazit zieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), nachdem es die Urangehalte von Mineralwässern gesundheitlich bewertet hat. "Uran ist, wie andere Schwermetalle auch, ab bestimmten Konzentrationen giftig. Da Säuglinge besonders empfindlich reagieren, müssen bei ihnen strengere Maßstäbe angelegt werden als bei Erwachsenen", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Für den Gehalt von Uran in Mineralwasser gibt es bisher keinen Grenzwert.

Die Weltgesundheitsorganisation geht für Erwachsene davon aus, dass Urangehalte im Trinkwasser bis 15 µg je Liter aus gesundheitlich Sicht tolerierbar sind. Bis eigene Höchstmengen für Mineralwasser festgelegt werden, kann dieser Trinkwasserwert nach Ansicht des BfR hilfsweise angewendet werden. Die Untersuchungsbehörden der Bundesländer hatten über 1.500 Proben von Mineralwässern aus Deutschland auf ihren Gehalt an Uran untersucht.

Uran ist ein auf der Erde weit verbreitetes giftiges und radioaktives Schwermetall. Uranverbindungen können daher natürlicher Bestandteil von Gesteinen und Mineralien sowie von Wasser, Boden und Luft sein. Spuren von Uran sind daher auch in vielen Lebensmitteln und natürlich auch in Wasser nachweisbar. Wie alle Schwermetalle kann Uran, wenn der Körper größere Mengen davon aufnimmt, auch die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Der Mensch und insbesondere Säuglinge, als eine der empfindlichsten Bevölkerungsgruppen, sollten daher so wenig Uran wie möglich aufnehmen.

Eine Quelle der Uranaufnahme sind natürliche Mineralwässer. Bei seiner Passage durch die verschiedenen Gesteins- und Bodenschichten kann das Wasser dort vorkommende Uranverbindungen aufnehmen. Nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Belastung von Trinkwasser bis 15 µg je Liter für Erwachsene gesundheitlich akzeptabel. Das BfR geht davon aus, dass auch bei dem Genuss von Mineralwasser mit Urangehalten bis zu dieser Menge mit keiner gesundheitlichen Gefährdung des Verbrauchers gerechnet werden muss.

Die Behörden der Bundesländer haben bei ihrer Untersuchung von Mineralwässern aus deutschen Brunnen festgestellt, dass rund 97 % der 1.530 Proben dieser Anforderung genügen. Zunehmend wird Mineralwasser aber auch zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet. Hier sind strengere Maßstäbe anzulegen. Da Säuglinge besonders empfindlich auf Schwermetalle und damit auch auf Uran reagieren, sollte aus Vorsorgegründen in Mineralwässern, die speziell als "Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" ausgelobt werden, kein Uran enthalten sein. Immerhin erfüllen noch 44 % der untersuchten Mineralwässer diese Anforderung. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Homepage (http://www.bfr.bund.de/cm/208/uran_in_mineralwasser.pdf).

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5.) Was so alles für die Zähne gut ist

Löcher in den Zähnen - sprich Karies - bekommt man von Kohlenhydraten wie Zucker oder Stärke unter Anwesenheit von Bakterien. Sind die Zuckerwaren besonders klebrig und die Mundhygiene nicht optimal, so haben es die Kariesbakterien besonders leicht, mittels der von ihnen produzierten Säuren die Zahnoberfläche zu entkalken. An dieser schon lange bekannten Tatsache hat sich auch bis heute nichts geändert. Wir wundern uns dann immer wieder über "Studien", die entweder verharmlosen oder genau das Gegenteil behaupten. Jüngste "Verdummung" ist die Behauptung, dass Rosinen gut für die Zähne seien.
Diese zuckersüßen und klebrigen getrockneten Früchte haben da so "wertvolle Bestandteile" wie Oleanolsäure und Hydroxylmethylfurfural, von denen angeblich bekannt ist, dass sie den Kariesbakterien schon in geringen Konzentrationen den Garaus machen sollen und auch gleich noch die "Parodontose-Keime" abtöten. Eine prima Sache also, wenn da nicht der kleine Schönheitsfehler wäre: Die Studie wurde von der amerikanischen Rosinenindustrie in Auftrag gegeben.

Fazit: Glauben Sie nicht alles was gedruckt ist - wir bemühen uns weiterhin, Ihnen Tatsachen ohne finanzielle Interessen zu vermitteln. Und wenn Sie auf der Suche nach zahnfreundlichen Produkten sind, so schauen Sie doch mal bei dem "Zahnmännchen mit dem Schirm" vorbei: http://www.zahnmaennchen.de/produkte/prod_start.htm - garantiert nicht von der Zuckerindustrie gesponsert!

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6.) Schmerzmittelinfos sollen aktualisiert werden: Bald verschärfte Warnhinweise


Die Warnhinweise auf zahlreichen Schmerzmitteln sollen verschärft werden. Vor allem das Herz-Kreislauf-Risiko muss nach Ansicht der Medikamentenaufsicht wesentlich deutlicher auf den Beipackzetteln vermerkt werden. Betroffen seien Präparate mit den Wirkstoffen Diclofenac, Indometacin, Piroxicam und Naproxen.
"Es ist absehbar, dass die Hersteller die Produktinformationen aktualisieren müssen," so Ulrich Hagemann vom Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im "Focus". Von den Warnhinweisen verschont bleiben sollen Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure und Ibuprofen.
Vertreter der Pharmaindustrie warnten nach "Spiegel"-Informationen in einem Brief an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Innenminister Otto Schily vor "ganz erheblichen Gesundheitsgefahren für die deutsche Bevölkerung", wenn der Verkauf falscher Arzneimittel vor allem über das Internet nicht gebremst werde. Führende Pharmaunternehmen schlagen vor, mit einem gemeinsamen Aktionsplan gegen international vernetzte Fälscherringe vorzugehen..

[ sth/dpa in zm Newsletter ]

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7.) "Praxisgebühr" - wie mit Sprache Politik gemacht wird

(fst). Mit den geplanten Bundestagswahlen herrscht in den Sprachlaboren der Parteien Hochbetrieb. Denn mit Sprache wird Politik gemacht. Welche Botschaft auch immer vermittelt werden soll - der Begriff "Reform" darf nicht fehlen.

Dabei ist "Reform" zu einem Hülsenbegriff für jedes beliebige Vorhaben von Politikern geworden, sagt der Frankfurter Sprachwissenschaftler Professor Horst Dieter Schlosser. Willy Brandt hatte als Ziel einer Reform noch ausgegeben, sie solle das Leben der Menschen verbessern. Heute dagegen meint eine "Reform" im Politikerjargon meist die Schlechterstellung von Bürgern oder Arbeitnehmern. Schlosser analysiert seit vielen Jahren den politischen Sprachgebrauch - und hat deutliche Veränderungen festgestellt. So wird statt "Sozialstaat" immer häufiger von "Sozialsystemen" gesprochen, die "gesichert" werden sollen. "Der an sich schon abstrakte und wandlungsfähige Begriff ‚Sozialstaat‘ wird durch einen noch abstrakteren ersetzt, der gar nichts mehr über die konkreten Inhalte aussagt", sagte Schlosser der "Ärzte Zeitung". Verschleiern und Tarnen - das ist auch das Ziel der Wortwahl von Gesundheitspolitikern.
So wurde die "Praxisgebühr" als bewusste Fehlbenennung gewählt - so, als würden Ärzte mit den zehn Euro der Patienten "ihre Inneneinrichtung renovieren", sagt Schlosser. Dass das Geld an die Kassen fließt, mussten Ärzte erst mühsam ihren Patienten erläutern.

[ ©:  Ärztezeitung ]

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8.) Deutsche sparen auch an der Gesundheit

(ots) - Die Deutschen haben ihr Gesundheitsverhalten in den vergangenen zwölf Monaten infolge der Gesundheitsreform deutlich verändert und mit großer Mehrheit (77%) eine oder mehrere "Sparmaßnahmen" ergriffen. Nach eigenen Angaben verzichteten 40 Prozent der Bevölkerung im Krankheitsfall auf Medikamente und griffen stattdessen auf altbewährte "Hausmittel" zurück. 15 Prozent nahmen weniger rezeptpflichtige Medikamente ein, um Zuzahlungen einzusparen; 21 Prozent kauften weniger rezeptfreie Medikamente. 23 Prozent haben ihr Medikamenten-Einnahmevolumen zwar nicht grundsätzlich reduziert, aber auf preisgünstigere Arzneimittel zurückgegriffen.

Gleichzeitig setzt sich die in Deutschland seit Jahren rückläufige Tendenz zum Arztbesuch unvermindert fort: Gaben 1998 noch 56 Prozent der Deutschen an, gleich zum Arzt zu gehen, wenn sie sich unwohl fühlen oder spüren, dass sie krank werden, so sind dies aktuell nur noch 29 Prozent (Vorjahr: 35%). Rund 20 Prozent der Bundesbürger verschoben auf Grund der Praxisgebühr eigentlich sinnvolle Arztbesuche oder unterließen diese ganz. Insgesamt sind die Bundesbürger bezüglich der Entwicklungen im Gesundheitswesen nach wie vor stark verunsichert und erleben ein turbulentes Durcheinander der verschiedenen Reformansätze und Beteiligten. Dies ergab jetzt die groß angelegte Studie "Health Care Monitoring 2005" des Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG zum deutschen Gesundheitsmarkt. 1.504 Bundesbürger ab 16 Jahren wurden dazu repräsentativ befragt.

Gesundheit wird zunehmend selbst organisiert

Die Selbstmedikationsbereitschaft der Deutschen liegt auf hohem Niveau: 56 Prozent versuchen sich, wann immer es geht, zunächst mit rezeptfreien Medikamenten selbst zu helfen. Die monatlichen Ausgaben für rezeptfreie Medikamente (OTC-Präparate) haben sich im vergangenen Jahr durchschnittlich um 10% erhöht. Der Apotheker schlüpft zunehmend in eine beratende Rolle und der Gang in die Apotheke wird zum "kleinen Arztbesuch zwischendurch". Dem preisgünstigen Kauf von rezeptpflichtigen Medikamenten über Internet- oder Versandapotheken sind mittlerweile 20 Prozent der Deutschen gegenüber aufgeschlossen.
Aber auch Auslandsreisen, die gezielt genutzt werden, um die Verwandtschaft oder Nachbarschaft mit preisgünstigeren Medikamenten zu versorgen, stellen keinen Einzelfall mehr dar.

Sechs Gesundheitstypen

Im Rahmen des "Health Care Monitoring 2005" wird auch eine neue Gesundheitstypologie vorgestellt. Demnach lässt sich die Bevölkerung im Hinblick auf Gesundheitseinstellungen und Gesundheitsverhalten trennscharf in sechs Typen einteilen: "Informierte" (17%), "Souveräne" (16%), "Ängstliche" (14%), "Bequeme" (21%), "Nachlässige" (15%) und "Desinteressierte" (18%). Die verschiedenen Gruppen unterscheiden sich sehr deutlich hinsichtlich ihrer Informiertheit über gesundheitliche Themen, der Einstellungen und Aktivitäten bei der Behandlung und Gesundheitsvorsorge sowie in ihrer Beziehung zum Gesundheitssystem insgesamt.


[ ©: Die Studie "Health Care Monitoring 2005" (Halbjahresreport) kann über die psychonomics AG bestellt werden. Mitherausgeber der Studie ist Acxiom Deutschland.  Studienleiterin ist Frau Anja Schweitzer. T +49 (0)221 42061-329 - E-Mail: anja.schweitzer@psychonomics.de ]

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9.) Ärztliche Behandlungsfehler unter der Lupe

Das Bundesgesundheitsministerium hat erstmals umfassend Art und Ausmaß von vermeintlichen ärztlichen Behandlungsfehlern überprüfen lassen. "Eine vergleichbare Untersuchung gibt es bislang in Deutschland nicht", sagte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Ein Gutachter-Team des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Bonn ging 4.450 Vorwürfen von Behandlungsfehlern mit tödlichem Ausgang nach. In 5,7 Prozent der Fälle stellten die Experten einen Behandlungsfehler als Ursache fest. Zu knapp zwei Dritteln waren davon Krankenhausärzte, vor allem in operativen Fächern, betroffen. In der Chirurgie wurden 6,8 Prozent der Fehler bestätigt. Nachgegangen wurde auch 434 Vorwürfen mit nicht-tödlichem Verlauf. Davon erwies sich etwa ein Drittel als berechtigt. Für die Studie wurden Unterlagen von 17 rechtsmedizinischen Instituten ausgewertet. Hauptgrund für die Aufnahme von Ermittlungen war die Qualifikation der Todesart "nicht geklärt".
Die Studie ist beim BMGS abrufbar:
www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen/p_forschung.php 

 [ Quelle:  sth/ÄZ in  zm-Newsletter ]

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10.) Der neue "Apothekenkatalog" vergleicht die Preise rezeptfreier Medikamente

(ots) - Apothekenkunden können im neuen Verbrauchermagazin die Preise rezeptfreier Arzneimittel vergleichen - die Preisbindung dieser Produkte ist seit 2004 aufgehoben. Helga Kühn-Mengel, die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, begrüßt "mehr Wettbewerb im Dienste der Verbraucher" und fordert die Kunden auf, ihren Apotheker nach preisgünstigeren Medikamenten zu fragen. Das Apotheker-Pflichtblatt "Pharmazeutische Zeitung" hält die Debatte jedoch für "fragwürdig und polemisch".
Der werbefreie "Apothekenkatalog" wird seit Anfang Juli bundesweit im Zeitschriftenhandel, im Direktvertrieb und im Internet angeboten (5,50 - 9,00 EURO). Ein Preisvergleich von Medikamenten war bisher kaum möglich, da der Dschungel von Wirkstoffen selbst für Fachleute kaum durchschaubar ist. Rüdiger Rentsch, der Herausgeber des "Apothekenkatalogs", stellt "enorme Transparenzlücken" und einen hohen Informationsbedarf bei den Kunden fest. Der Diabetikerverband und einige Krankenkassen sind an dem neuen Kundenmagazin schon interessiert. Der "Apothekenkatalog" vergleicht die so genannten freiverkäuflichen Generika. Diese Arzneimittel haben identische Wirkstoffe und Dosierungen und eine einheitliche Packungsgröße. Dennoch können ihre Preise erheblich voneinander abweichen. Der Grund: Das Originalpräparat eines Erstanbieters ist etwa zehn Jahre lang patentgeschützt. Der Preis enthält auch die Kosten für die aufwändige Forschung. Erst nach Ablauf des Patentschutzes können Medikamente mit den identischen Wirkstoffen preiswerter angeboten werden. Die Generika haben sich daher alle am Patienten bewährt und bieten wie das Referenzpräparat hohe Sicherheit. Ärzte und Apotheker sollen neben der Qualität auch auf den Preis der Medikamente achten. Das ist nicht immer im Interesse der Hersteller, deren vergleichbare Produkte mit unterschiedlichen Preisen miteinander konkurrieren.
Testkäufe in der Entwicklungsphase des Verbrauchermagazins haben bewiesen, dass nur in zwei von 100 Fällen die Apotheken das preiswerteste Medikament empfohlen oder es vorrätig hatten. Das muss auch die Pharmazeutische Zeitung" zugeben: Wenigstens sei "der Markt wieder in Bewegung."
 www.der-apothekenkatalog.de

 [ Quelle:  Apo-Concept GmbH & Co. KG;  Email: info@apo-concept.de  ]

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11.) Ist in Fastfood alles drin, was der Körper braucht? - Der Fastfood-Check

(aid) - Eine ausgewogene Ernährung ist der Schlüssel zum Wohlbefinden. Immer häufiger wird jedoch außer Haus gegessen und der Trend zum Essen auf die Schnelle ist ungebrochen. Kann Fastfood den Bedürfnissen unseres Körpers und den Ansprüchen an eine gesunde Ernährung gerecht werden? Ein kleiner Check mit der aid-Ernährungspyramide soll Aufschluss darüber geben.
Die Basis der Pyramide und somit auch der Ernährung bilden die Getränke. Etwa sechs Portionen Getränke (insgesamt 1,5 - 2 Liter) in Form von Wasser und ungesüßten Tees, Saftschorlen und Gemüsesäften sind über den Tag verteilt ideal. Es folgen an zweiter und dritter Stelle der Pyramide alle pflanzlichen Lebensmittel, also Gemüse und Obst sowie Getreide(-produkte) und Kartoffeln. Etwa fünf Portionen Gemüse und Obst sowie vier Portionen Brot, Getreide und Beilagen (Kartoffeln, Nudeln oder Reis) sollten auf dem täglichen Speiseplan stehen. Sie enthalten neben Vitaminen und Mineralstoffen reichlich sättigende Ballaststoffe. Tierische Lebensmittel - Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Wurstwaren - sind an vierter Stelle der Ernährungspyramide platziert. Sie sollten maßvoll genossen werden.
Als Faustregel gilt: drei Portionen Milchprodukte in Form von fettarmer Milch, Joghurt, Quark oder Käse. Sie liefern dem Körper hochwertiges Eiweiß. Dazu darf eine Portion Fisch, Fleisch, Wurst oder Ei täglich verzehrt werden. Sparsamer Einsatz ist für Fette und Öle angeraten. Zwei Portionen Koch- und Streichfett sind zum Genießen und Verfeinern erlaubt.
Obwohl Fette die Dickmacher Nummer eins sind, benötigt unser Körper wertvolles Pflanzenöl für wichtige Stoffwechselfunktionen. Eine kleine Portion Süßes, gesüßte Getränke, Snacks oder Alkohol ist pro Tag erlaubt. Die "süßen Seiten des Lebens" finden sich daher in geringem Maße in der Pyramidenspitze wieder.
Bei der Bewertung vieler Fastfood-Produkte nach der aid-Ernährungspyramide fällt auf, dass wichtige Basis-Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Ballaststoffe zu kurz kommen. Nur wer seine Fastfood-Gerichte bewusst auswählt und besonders die pflanzlichen Lebensmittel, beispielsweise durch einen Apfel oder einen Salat als Ergänzung zur Fertigpizza, ernährt sich ausgewogen und bleibt fit.

[ Weitere Informationen finden Sie im aid-Heft "Fastfood - Essen auf die Schnelle" 44 Seiten, Bestell-Nr. 61-1199, ISBN 3-8308-0502-0 , Preis: 2,00 EUR (Rabatte ab 10 Heften) zzgl. einer Versandkostenpauschale von 3,00 EUR gegen Rechnung, aid-Vertrieb DVG, Birkenmaarstraße 8, 53340 Meckenheim, Tel.: 02225 926146, Fax: 02225 926118 , Österreich: ÖAV, Achauerstr. 49a, 2333 LEOPOLDSDORF
E-Mail: Bestellung@aid.de , Internet: http://www.aid-medienshop.de  ]

Dass Fastfood generell Dick macht, scheint ein Ammenmärchen zu sein. Die Ärztezeitung schreibt in einem Kommentar von Thomas Müller dazu:

Nicht Fastfood - Trägheit macht dick

"Gerne werden sie angeprangert, die Fastfoodketten, in denen Kinder so gerne Hamburger, Pommes und Cola konsumieren. Doch der Grund dafür, dass Kinder und Jugendliche immer dicker werden, ist Fastfood nicht. Denn die Kinder essen dadurch nicht mehr.
Das eigentliche Problem ist: Je älter sie werden, desto weniger bewegen sie sich. Das hat eine Studie ergeben, die am Freitag in der Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden ist. Wer also verhindern will, dass seine Kinder Fettröllchen ansetzen, muss noch mehr auf viel Bewegung und nicht nur auf die Ernährung achten. So sollten Kinder nach dem Besuch bei der Frittenbude lieber auf den Sportplatz gehen, um die Kalorien beim Fußballspielen wieder loszuwerden, statt sich ein Match im Fernsehen anzuschauen.
Ein ähnlicher Trend wie in den USA lässt sich übrigens auch in Deutschland beobachten: So waren 2003 sechs Prozent der sechsjährigen übergewichtig, bereits 17 Prozent der zehnjährigen und 21 Prozent der 15jährigen. Und auch in Deutschland steht es schlecht um Bewegung bei Kindern. In Vorschuluntersuchungen kann ein Teil der Kinder keine zwei Meter geradeaus laufen - weil die Motorik durch den Bewegungsmangel nur schlecht entwickelt ist."

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12.) Tag der Zahngesundheit 2005: "Gesund beginnt im Mund - und zwar zuhause"

Am 25. September ist es wieder soweit: Der "Tag der Zahngesundheit" wird bundesweit mit Events auf das Thema Mundhygiene aufmerksam machen. Krankenkassen, Landesarbeitsgemeinschaften, Gesundheitsämter und auch viele Zahnärzte organisieren zu diesem Zeitpunkt ihre eigenen Veranstaltungen, an denen wieder zahlreiche Besucher teilnehmen und über die viele Medien – vom Regionalblatt über Tageszeitungen und Zeitschriften bis zum Hörfunk und Fernsehen – berichten werden. Um Interessierten eine bessere Orientierung und gleichzeitig den Veranstaltern eine größere öffentliche Wahrnehmung zu ermöglichen, hat der Aktionskreis "Tag der Zahngesundheit" eine Homepage eingerichtet – mit einem Verzeichnis von Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiets.

                      http://www.tag-der-zahngesundheit.de

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13.) "Explodierende Arzneimittelkosten" - Ministerium wirft Selbstverwaltung klägliches Versagen vor

Es ist das sattsam bekannte und immer wiederkehrende Ritual. Die staatlich verordneten Steuerungssysteme in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versagen, höhere Krankenkassenbeiträge drohen und die "Akteure" beginnen ihr "Schwarze-Peter-Spiel", um die Verantwortung jeweils der anderen Seite zuzuschieben: Die gesetzlichen Krankenkassen hatten nach einer Zwischenbilanz für das erste Halbjahr 2005 auf dem Arzneimittelsektor Ausgabensteigerungen von rund 20 Prozent ausgemacht ("explodierende Ausgaben") und bis zum Ende des Jahres Mehrausgaben in Höhe von 3,8 bis 4 Milliarden Euro hochgerechnet. Ein Krisengespräch im Bundesgesundheitsministerium, an dem neben den Spitzenverbänden der Krankenkassen Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) teilnahmen, verlief ergebnislos. Noch am selben Tag folgten die üblichen öffentlichen, gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen warf der KBV vor, dem Anstieg der Arzneimittelausgaben "tatenlos zuzuschauen" und sich einer "effektiven Steuerung" zu verweigern. Sie habe damit den "Offenbarungseid" geleistet. Die Vertreter der Vertragsärzte verwiesen ihrerseits auf ein "ganzes Paket von Vorschlägen", zu denen neben einem Bonussystem und einem körperschaftsübergreifenden Informationskonzept gefordert wird, dass die Kassen ihre Versicherten "auf auffällige Inanspruchnahme" überprüfen sollen. KBV-Vorstandsmitglied Ulrich Weigeldt erklärte gegenüber der Presse: "Wir nehmen nicht länger hin, dass jedes Jahr die niedergelassenen Ärzte den schwarzen Peter zugewiesen bekommen und alleine verantwortlich gemacht werden für die Entwicklung der Arzneimittelausgaben." Zudem seien die Berechnungen nach KBV-Meinung falsch. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) verteilte schließlich schlechte Noten an beide Gesprächspartner": Die KBV habe mit ihren Äußerungen dokumentiert, dass sie in ihren "originären Kompetenzen kläglich versagt" habe. Mit dieser "Bankrotterklärung" stelle sie ihre eigene Existenz in Frage und öffne den Weg zu Direktverträgen mit Vertragsärzten unter Umgehung der KVen. Den Kassen warf Ministerin Ulla Schmidt vor, falschen Alarm ausgelöst zu haben. Es bestehe überhaupt kein Druck auf die Beitragssätze. Ihr Resümee endete in einer unmissverständlichen Drohung: "Die Uhr tickt für die Selbstverwaltung!".

[  ©: FVDZ-Newsletter mit den Quellen: "KBV Kompakt" Nr. 30/05; PMs der Arge der Spitzenverbände der Krankenkassen, der KBV und des BMGS vom 27.07.05; "FAZ" vom 30.07.05   ]

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14.) Zum Schluss: Dr. Frankensteins Wiedergeburt

Frauen mit Flügeln, Männer mit Adleraugen - Wie ein US-amerikanischer Arzt das Modell "Mensch" optimieren will

Dr. Joe Rosen, Chirurg im US-Bundesstaat New Hampshire, flickt zerschossene Gesichter, richtet zertrümmerte Hände, gilt auch unter Kollegen als hervorragender Arzt. Wenn da nur nicht seine verstörenden Visionen wären: Visionen von monströsen Mischwesen aus Mensch und Tier. Wie das Magazin GEO in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wirbt Rosen auf Medizinerkongressen für die Entwicklung von Ohrimplantaten, die Menschen das Hörvermögen einer Eule verleihen sollen; für Spezialsensoren im menschlichen Sehorgan, die Homo sapiens zu Adleraugen verhelfen sollen; und für die Idee, den Menschen mit Flossen und Flügeln auszustatten.
Ein Verrückter? Rosen ist Professor an der Dartmouth Medical School, Direktor der Fachausbildung für plastische Chirurgie, Berater der US- Marine und der für 2018 geplanten Mars-Mission der Nasa sowie der Akademie der Wissenschaften. Er leitet überdies eine Arbeitsgruppe des Verteidigungsministeriums. Rosen in dem GEO-Bericht: „Ultraschall-Ortungsgeräte, in die Köpfe von Soldaten implantiert, könnten unsere militärische Schlagkraft wesentlich erhöhen.“
Wie GEO weiter schreibt, wirbt der eigenwillige Arzt bei Treffen seiner Zunft in den USA und in Kanada für gänzlich neue moralische Maßstäbe in der Medizin. Seine Argumente: Wenn ein Mensch wie eine Eidechse aussehen, seine Zunge spalten und seine Haut mit Schuppen versehen wolle, so sei dies sein gutes Recht – und im Prinzip nichts anderes als die Brustrekonstruktion bei einer Krebspatientin. Und nicht erst solche Eingriffe würden der Schöpfung ins Handwerk fuschen, im Grunde schon mit jeder Antibiotika-Gabe geschehe dies. Auch für das menschliche Gehirn erhofft sich Rosen „Fortschritte“. „Wenn ich Ihnen Flügel gäbe“, verheißt er seinem Publikum, „würde das buchstäblich Ihr Gehirn beflügeln“.

[ ©:  E-Mail: pelikan.maike@geo.de  , GEO im Internet: www.GEO.de  ]

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