Zahnärztliche NewsLetter Nr. 09/2003/ 1. September 2003
Herzlich willkommen bei der neuesten Ausgabe der ZahnNewsLetters. Trotz hochsommerlicher Temperaturen haben wir auch diesen Monat Neues und Wissenswertes für Sie aufgelesen und zusammengestellt. Wegen Teilnahme an einem Weltkongress in der letzten Septemberhälfte kann sich die Aussendung des Oktober-NewsLetters um einige Tage verzögern.
Nach 2001 (==>
Testbericht) hat ÖKOTEST zum 2. Mal im August 2003 30 gängige
Zahncremes getestet und deren Inhaltsstoffe kritisch bewertet (==>
http://www.oekotest.de/cgi/at/hinfo.cgi?heftnr=M0308) . Nur an 6
Pasten hatten die Tester absolut nichts auszusetzen und diesen einen
"Einser" gegeben. Bemerkenswert sind in dieser Gruppe die
Preisunterschiede: 39 Cent pro 100 ml bei der preiswertesten und
immerhin stolze 4,12 EURO bei der teuersten Zahnpasta. Als "gute
Nachricht" bewertet die Testzeitschrift: "... in keiner der untersuchten
Zahncremes fand sich
Triclosan.
Der aggressive Bakterienkiller steht im Verdacht, im Körper die
Leberfunktion zu beeinträchtigen. Doch Vorsicht bei Zahncremes, die als
"antibakteriell" ausgelobt sind. Sie enthalten häufig Triclosan."
Dazu ist anzumerken, dass die strenge amerikanische Food and Drug
Administration (FDA) Triclosan als nicht giftig und sicher für die
Anwendung in Zahnpasten bewertet hat. Wegen der geringen Konzentration
in Zahnpasten und Mundspüllösungen besteht kein gesundheitliches Risiko
und der Hinweis auf Leberschädigungen ist bei diesen geringen
Dosierungen konstruiert (==>
Näheres im Lexikonteil).
Leider geht ÖKOTEST - bei der sonst kritischen Bewertung der
Inhaltsstoffe - nicht auf die Bedeutung der
Fluoride ein und gibt gleich zwei fluoridfreien Pasten ein "Sehr
Gut". Nach allgemeiner Ansicht ist es - neben einer verbesserten
Mundhygiene - gerade dieser Zusatzstoff, der in den letzten
Jahrzehnten zu einem deutlichen Rückgang der
Karies geführt hat (siehe auch nächstes Thema).
Und so stellt denn auch die Bundeszahnärztekammer in ihren "Zahnärztlichen
Mitteilungen (zm)" u.a. zu diesem Test klar:
"... ÖKO-TEST habe, wie in den Jahren zuvor
auch, nicht die Wirksamkeit von Zahnpasten nach wissenschaftlichen
Kriterien getestet, sondern
lediglich deren Inhaltsstoffe basierend auf
offensichtlich überholten Erkenntnissen bewertet. Aus dieser subjektiven
Bewertung, die den aus zahnmedizinischer Sicht wichtigsten Wirkstoff
Fluorid gänzlich unberücksichtigt lasse, würden schließlich falsche
verallgemeinernde Aussagen zur Wirksamkeit der Zahncremes abgeleitet.
"Dem Verbraucher wurde damit ein Bärendienst erwiesen", betonte auch
Prof. Gisela Hetzer vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) in der Deutschen Gesellschaft
für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde (DGZMK).
Öko-Test hatte sechs der insgesamt 30 Zahncremes mit "sehr gut"
bewertet; zwei davon enthielten keine Fluoride. Einige fluoridhaltige
Zahnpasten kriegten "wegen gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe" ein
"Mangelhaft" oder ein "Ungenügend". Ökotest riet außerdem, angesichts
künftiger Zuzahlungen für Zahnarztbesuche "besser schleunigst auf eine
der wenigen ordentlichen Marken" umzusteigen."
Basics:
Zahnpasta
Wer kennt sie
nicht, die Slogans im abendlichen Fernsehen, wo überhaupt nicht
gebohrt wurde, wie der Zahnschmelz gehärtet wird
und was der Zahnarzt seiner Frau empfiehlt? Zahnpastareklame auf dem
Niveau von Meister Propper und Co. Wir haben uns daran gewöhnt und sie
hat auch etwas Positives: Sie erinnert vielleicht die Eine oder den
Anderen an das Zähneputzen und der Zahnarzt freut sich bei dem
Betrachten der kurzen Spots immer wieder über so schöne Zähne, denn in
der Praxis sieht er solche nur sehr selten.
Eine neue Studie der Universität Witten/Herdecke räumt mit dem
"Härtermachen" der Zähne auf, zeigt aber auch gleichzeitig die
Wichtigkeit der Fluoride bei der Kariesverhütung auf.
Bedauerlicherweise wird im
nachfolgenden Originaltext von Fluor gesprochen, was natürlich so
nicht stimmen kann: Fluor ist ein Gas und gleichzeitig starkes Gift.
Richtigerweise muss deshalb von Fluorverbindungen - sog.
Fluoriden
- gesprochen werden:
Dass Fluor die Zähne härter macht, ist ein altes
Märchen der
Zahnpastareklame, ärgert sich Prof. Dr. Wolfgang Arnold,
Lehrstuhlinhaber für Anatomie der Fakultät für Zahn, Mund und
Kieferheilkunde. Trotzdem tritt Arnold auf der Grundlage einer
aktuellen, von ihm verantworteten Studie dafür ein, dass Fluor in der
Kinderernährung zukünftig eine größere Rolle spielt - in der Dritten
Welt, aber auch in Deutschland. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht
Milch, die in der Kinderernährung zentrale Bedeutung hat.
Arnold und sein Team wollten es genauer wissen als die
Zahnpastareklame.
Sie wollten wissen, wie die konkreten biochemischen Wechselwirkungen
aussehen, mit denen Fluor so positiv auf die Zähne einwirkt, auch wenn
diese bereits von Karies befallen sind. Dabei widerlegten die Wittener
Wissenschaftler das alte Märchen der Zahnpasta-Industrie, das Fluor in
ihren Zahncremes mache die Zähne härter. "Das ist Unsinn", sagt
Arnold.
"Auf Grundlage unserer Forschung können wir feststellen, dass Fluor
wie
ein Katalysator wirkt. Fluor ist gleichsam die Brücke, auf der Calcium
und Phosphor die Zahnstruktur durch Remineralisation verbessern." Die
Ausbreitung von Karies werde so verzögert, noch nicht befallene Zähne
seien besser geschützt. Deshalb bleiben auch Zahnpasten eine der
wichtigsten Quellen für Fluoride in der Mundhöhle.
Vor allem für die so genannte Dritte Welt sieht Arnold in der Zugabe
von
Fluor in Milch eine Chance, die oft dramatisch schlechte
Zahngesundheit
auf preiswerte Weise zu verbessern. Doch auch in Deutschland hält er
die
Beimischung von Fluor in die Milch für sinnvoll: "Es wäre zu
überlegen,
ob man, ähnlich wie beim Salz, auch eine fluordierte Milchsorte zum
Verkauf anbietet."
Die Studie knüpft übrigens an bereits ältere Forschungen aus den
achtziger Jahren aus Großbritannien und Ungarn an. Schon damals hatten
Wissenschaftler der Semmelweis-Universität in Budapest in
Feldversuchen
herausgefunden, wie gut der Effekt von Fluorbeigaben in Milch auf die
Zahngesundheit von Kindern ist.
[ Weitere Infos u. Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang
Arnold, Tel.: 02302/926-660,
wolfa@uni-wh.de ]
Basics:
Fluoride
Da standen sie lächelnd und
glücklich nach durchkämpfter Nacht vor den laufenden Kameras und
priesen ihr großes Reformwerk: Eine glücklose Sozialministerin aus dem
Rheinland und ein umstrittener Unterhändler aus Bayern. Schon ein paar
Tage später mussten beide eingestehen, dass spätestens 2010 - also in
spätestens 6 Jahren - die nächste Reform kommen werde, wenn nicht
schon früher. Da wurde allseits hochgerechnet, wer denn nun der große
Verlierer sei und wem man hätte ruhig noch mehr in die Tasche greifen
können, und und ... . Dabei sind in unseren Augen die größten
Verlierer die Unterhändler selbst, die es wieder einmal nicht
geschafft haben, eine einem modernem Sozialstaat würdige Lösung
anzubieten und stattdessen wiederum sich ob ihres großen Reform-Werkes
gegenseitig auf die Schulter klopfen.
Hugo Müller-Vogg lieferte in der Welt am Sonntag vom 27.7. einen
beachtenswerten Kommentar:
"Fünf Jahre lang soll es halten, das "größte Reformwerk der
jüngeren Sozialgeschichte", wie "Doktor Seehofer" von der CSU jubelt.
Falls es so kommen sollte, hätte die Gesundheitsreform der
Riesterschen Rentenreform einiges voraus. Denn die, obschon als
"Jahrhundertreform" gefeiert, war schon nach zwei Jahren reif für die
Reform-Werkstatt von Professor Rürup.
Beide Reformen sind sich sehr ähnlich: Sie verschaffen der Politik ein
wenig Luft zum Atemholen, liefern aber keine dauerhafte Lösung für das
grundlegende Problem, nämlich die Finanzierung immer größerer Lasten
durch immer weniger Beitragszahler.
Und doch unterscheiden sie sich in einem wichtigen Punkt: Die
Renten-Politik war, obwohl sie mit dem Einstieg in die private
Vorsorge gegen sozialdemokratische Glaubenssätze verstieß, das
alleinige Werk der Regierung. Bei der Gesundheitsreform war dagegen
eine große Koalition am Werk. Was wäre angesichts der dahinter
stehenden Riesenmehrheiten in Bundestag und Bundesrat nicht alles an
großen und mutigen Schritten möglich gewesen. Doch die Koalition der
großen Zahl blieb dem kleinen Karo verhaftet. Heraus kam eine Reform -
so klein wie ein Pflaster.
In dem Stärkungs-Cocktail, den die Wunderheiler Ulla Schmidt und Horst
Seehofer dem kränkelnden System reichen, finden sich durchaus Spurenelemente
heilsamer Substanzen. Aber alles, was bitter schmecken könnte, ist durch
Deckelung und soziale Staffelung ausreichend verwässert worden. So sind alle
noch einmal davongekommen: die Patienten wie die Ärzte, die Kassen wie die
Kassenärztlichen Vereinigungen, die Apotheker wie die pharmazeutische Industrie.
Der Stolz von Schmidt & Seehofer auf ihr Reförmchen ist nur verständlich, wenn
man deren wahre Beweggründe versteht. Beide waren nicht angetreten, um auf dem
Gesundheitsmarkt den Staat auf das unbedingt Notwendige zurückzudrängen. Nein,
das Ziel dieser beiden "Sopos", wie Karl Schiller die Sozialpolitiker aller
Parteien nannte, war es, so viel Staat wie möglich zu erhalten, und das
Gesundheitswesen weiterhin gegen die rauen Winde des Wettbewerbs abzuschirmen.
Und das ist vollauf gelungen.
Wer jemals Hoffnung darauf gesetzt hatte, eine große Koalition könnte als
zupackender, auch Tabubrüche nicht scheuender Insolvenzverwalter den deutschen
Sozialstaat auf seinen notwendigen Kern reduzieren und ihn dadurch retten, der
weiß es seit dieser Woche besser. Die beiden großen Parteien legen größten Wert
auf ihre marginalen Unterschiede.
In einem Punkt aber sind sich SPD und CDU/CSU einig: Die Illusion, der Umfang
staatlicher Betreuung hänge mehr vom guten Willen der Politiker als von der
Kassenlage ab, muss auf alle Fälle erhalten bleiben - jedenfalls bis zur
nächsten Notoperation. Vom nächsten Jahr an müssen die Bürger also etwas mehr
für das viel beschworene wichtigste Gut, die Gesundheit, zahlen. Aber es fehlt
unverändert jeder Anreiz, durch die eigene Lebensführung und entsprechende
Vorsorge die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beschwerden - und der damit
verbundenen Kosten - zu reduzieren. Umverteilt wird von Staats wegen nicht nur
von Reichen zu Armen, sondern auch von Gesunden zu Kranken, ganz gleich, warum
jemand gesundheitliche Beschwerden hat.
Es gehört eben zum sozialen Besitzstand dieser Republik, dass es keinen
Unterschied macht, ob eine bei der AOK oder einer Ersatzkasse versicherte "Couch-Potato"
zehn oder 20 Kilogramm Übergewicht mit sich herumschleppt und damit eher mit
Herz- und Kreislaufproblemen oder Alterszucker rechnen muss, oder ob jemand
gesund lebt. Das gleiche Privileg vergesellschafteter Risiken genießen Raucher,
Trinker und Liebhaber von Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr.
Es sind aber nicht nur verantwortungslose Patienten, die vom System belohnt werden. Es ernährt zugleich hunderte von Ersatzkassen mit ihren aufgeblähten Apparaten, sichert durch die Preisbindung die Existenz von viel mehr Apotheken als notwendig, finanziert eine Kassenärztliche Vereinigung, die jede Konkurrenz unter Ärzten verhindert, und sorgt dafür, dass die Pharmahersteller bei uns höhere Preise erzielen können als in anderen Ländern. Am Krankenbett des Gesundheitswesens hat eine große Koalition gestanden. Es war aber kein Team, das die eigentlich notwendigen Schnitte mit dem Skalpell gewagt hätte. Die Doctores Schmidt & Seehofer begnügten sich mit der Rolle von Notärzten: ein paar Stiche hier, ein Pflaster dort.
Die Diagnose ist eindeutig: unterlassene Hilfeleistung. Im politischen
Geschäft ist das nicht strafbewehrt, aber höchst desillusionierend mit Blick auf
weitere großkoalitionäre Operationen.
Dem Autor dieser Zeilen - selbst langjährig praktizierender Zahnarzt - ist noch keine Patientin, ist noch keinem Patienten begegnet, der nur so aus Langeweile in seiner Praxis erschienen wäre. Und es ist auch bekannt und hinreichend wissenschaftlich belegt, dass Prophylaxe - sprich regelmäßiger und frühzeitiger Zahnarztbesuch - die auf Dauer effektivste Zahnbehandlung bedeutet. Doch nun soll es nach Schmidt und Seehofer anders kommen:
Die bayerischen Kassenzahnärzte lehnen die Einführung einer
Eintrittsgebühr von zehn Euro in die Zahnarztpraxis ab, weil sie dem
Prophylaxegedanken mit regelmäßigem Zahnarztbesuch entgegenläuft.
Statt langfristig mit Prävention und Selbstverantwortung der Patienten
die Zahngesundheit in der Bevölkerung zu stärken, wird aus Sicht der
Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayern (KZVB) das Kariesrisiko massiv
erhöht.
"Präventionsorientierte Kassenpatienten werden künftig die Wahl haben,
sich mittels einer bürokratisch verordneten Eintrittsgebühr ausmelken
zu lassen oder mit mehr Löchern im Zahn herumzulaufen" , kritisiert
Dr. Rolf-Jürgen Löffler, erster Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen
Vereinigung Bayerns (KZVB), die geplante Eintrittsgebühr, die auch für
Zahnpatienten einmal pro Quartal anfällt und bis zu 40 Euro im Jahr
betragen kann. Wenn ein Patient Prophylaxe ernst nehme und, wie auch
kassenseits empfohlen und bisher mit Hilfe des Bonushefts ausdrücklich
gefördert, halbjährlich zur professionellen Mundpflege in der Praxis
erscheint, müsse er künftig mindestens 20 Euro zusätzlich bezahlen -
"Geld, das nicht der Zahnarzt für die Behandlung verwenden kann,
sondern das er als Inkassobeauftragter in den allgemeinen
Krankenkassentopf zurück Überweisen muss", so Löffler. Er vermutet,
"dass der verwaltungstechnische Aufwand den politisch erhofften
Einspareffekt weit übersteigt. Dagegen würden langfristig Zahnschäden
und dadurch verursachte Reparaturkosten offenbar "von kurzfristig
orientierten Politikern ausgeblendet". Der Chef der größten KZV
Deutschlands plädiert deshalb dafür, beim Zahnarztbesuch "kein
Strafgeld zu erheben".
[ Quelle:
Zahnarztwoche 32-33/03
]
Der Vorsitzende des Hartmannbundes
der Ärzte, Hans-Jürgen Thomas, hat ebenfalls Widerstand gegen die im
Gesundheitskompromiss beschlossene Praxisgebühr angekündigt, die von
den Ärzten eingezogen werden soll. Thomas: "Das Eintreiben dieser
Gebühr wird vielerorts auf Widerstand stoßen. Ich bin sicher, dass
viele Ärzte diesen bürokratischen Irrsinn nicht mitmachen werden."
Nach seiner Ansicht ist der Einzug der Gebühr ein Verwaltungsakt, der
bei den Kassen liegen müsste.
In einer Blitzumfrage von
www.facharzt.de sprachen sich ebenfalls knapp 80 % der Beteiligten
dafür aus, dass die Gebühr nicht von den Ärzten, sondern den
Krankenkassen eingezogen werden sollte.
Die altbekannte Tatsache, dass das Frühstück die wichtigste Nahrung
des Tages ist, bekommt noch wissenschaftliche Unterstützung. Nach
jüngsten Studien ist der Verzicht auf die erste Nahrung am Tag das
Indiz für ein ungesundes Leben, berichtet BBC-online.
Finnische Forscher haben in einer Studie den Trend der
"Frühstücksverweigerer" zu höherem Alkohol- und Nikotinmissbrauch
festgestellt. Mehr als 5.500 Jugendliche und ihre Eltern wurden für
die Studie nach ihrem Frühstücksverhalten, dem Gewicht und dem
Trinkverhalten befragt. Diejenigen, die auf die erste Mahlzeit
verzichteten, neigen bereits am Vormittag dazu, ungesunde Snacks zu
konsumieren, um den Hunger zu stillen und dem Körper Energie
zuzuführen. Tendenziell waren diese Menschen auch schlechter
ausgebildet. Besonders hervorstechend war auch die Tatsache, dass
Kinder, deren Eltern kein Frühstück zu sich nahmen, auch auf die
Morgenmahlzeit verzichteten.
Das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit hat auf der
Basis
vier groß angelegter epidemiologischer Studien Trends im
Ernährungsverhalten von 1984 bis 2001 unter die Lupe genommen und die
Ergebnisse dazu nun veröffentlicht. Zur Überraschung der
GSF-Wissenschaftler erreichte der allgemeine Trend hin zu gesunder
Ernährung seinen vorläufigen Höhepunkt bereits in der zweiten Hälfte
der
80er Jahre. Er hielt zwar bis 1995 weiter an, im Verlauf bis 2001 trat
dann allerdings eine leichte Verschlechterung des Ernährungsverhaltens
ein. Die Gründe dafür können, müssen aber nicht zwangsläufig in einem
nachgelassenen Gesundheitsbewusstsein zu suchen sein. Vielmehr könnte
ein rein "methodischer" Faktor, nämlich eine deutlich geringere
Beteiligung an der letzten der vier Studien eine Rolle spielen.
An den vier Studien, die im Rahmen des MONICA-Projektes und der
Forschungsplattform KORA - Kooperative Gesundheitsforschung in der
Region Augsburg - liefen, nahmen jeweils zwischen 4000 und 5000 Männer
und Frauen aus der Region im Alter von 25 bis 74 Jahren teil. In
standardisierten Interviews wurden sie jeweils nach ihren
Verzehrshäufigkeiten für 20 verschiedene Lebensmittelgruppen befragt.
In
einem nächsten Schritt bewerteten die Wissenschaftler die gemachten
Angaben anhand der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung
in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen. So wurde "täglicher
Obstkonsum"
beispielsweise mit 2 Punkten belohnt, während "Obstkonsum seltener als
einmal die Woche" keinen Punkt erhielt. Die Summe der Bewertungen
aller
einbezogenen Lebensmittelgruppen ergibt den Ernährungsmusterindex, ein
Maß, welches das Ernährungsverhalten der Studienteilnehmer insgesamt
bewertet.
Einige Ergebnisse zur Entwicklung der Verzehrsgewohnheiten im Detail:
Von 1984 bis 2001 sank die Verzehrshäufigkeit von Fleisch und Wurst
bei
den Studienteilnehmern der Region Augsburg deutlich, während der
Konsum
von Geflügel und Fisch entsprechend anstieg. Der Verzehr von Teigwaren
nahm zu Lasten des Kartoffelkonsums zu. Die gemeinhin "gesunden"
Brotsorten Vollkorn-, Schwarz- und Knäckebrot wurden 2001 deutlich
seltener konsumiert als in den Studienjahren zuvor. Der Verzehr von
Schokolade und Pralinen nahm dagegen gerade bei jüngeren Altersgruppen
zu. Auch der Eierverzehr, der noch bis 1995 abgenommen hatte, nimmt
seitdem wieder leicht zu.
Aus der Vielzahl solcher einzelner Bausteine schufen die
Wissenschaftler
mittels der Berechnung des Ernährungsmusterindices nun ein Gesamtbild,
welches die Entwicklung des Ernährungsverhaltens darstellt: Die
größten
Veränderungen in Richtung einer gesünderen Ernährung erfolgten im
Zeitraum von 1984 bis 1990. Bis 1995 verbesserte sich das Verhalten
nur
noch leicht, danach verschlechterte es sich sogar. Vor einer
Überinterpretation dieser Entwicklung wird aufgrund des erwähnten
Rückgangs in den Studienteilnehmerzahlen gewarnt. Dennoch werden
Ernährungswissenschaftler solche Ergebnisse mit großem Interesse
verfolgen. Denn nicht nur die Epidemiologen, auch sie dürften sich der
Tatsache bewusst sein, dass möglicherweise die Ergebnisse sogar
"geschönt" sind. Denn Studienteilnehmer geben erfahrungsgemäß aus
zunehmendem Gesundheitsbewusstsein heraus eher Antworten in Richtung
gesunder als ungesunder Ernährung.
Die hier vorgestellten Daten aus dem KORA-Studienzentrum sind von
zentraler Bedeutung für das gesamte Gesundheitswesen. Mit ihrer Hilfe
lassen sich nicht nur Ernährungsziele für die Bevölkerung festlegen
sowie deren Erreichen überprüfen. Sie dienen auch als wichtige
Grundlage
für die Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen der Ernährung
und
einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern. So zeigen sich seit längerem
deutliche Verbindungen zwischen dem Konsum einzelner Lebensmittel und
einigen Krebsarten vor allem aber kardiovaskulären Erkrankungen.
Diesbezüglich bleibt zu hoffen, dass sich der negative Trend der
letzten
Jahre nicht fortsetzt.
Tumore in Mund und Rachen können künftig mit einem einfachen
Abstrichverfahren frühzeitig erkannt werden. Jährlich erkranken
zwischen 3000 und 4000 Menschen in Deutschland an Mund- und
Rachenkrebs. Etwa die Hälfte von ihnen sterben in den ersten fünf
Jahren an der Erkrankung. Da sich diese Krebsarten kaum durch
Schmerzen bemerkbar machen, gehen die Betroffenen meist erst zum Arzt,
wenn sich der Tumor schon weit ausgebreitet hat.
Nach Angabe deutscher Zahnmediziner der Abteilung für Oralchirurgie an
der Universität Leipzig (T. Remmerbach et al.) seien operative
Eingriffe zur Probeentnahme bei Verdacht auf das Vorliegen eines
Karzinoms im Mund oder Rachen nicht mehr nötig. Das Verfahren könne
auch von Zahnärzten angewandt werden. Bei richtiger Handhabung sei es
ein sicheres Mittel zur Erkennung bösartiger Tumoren.
Bei dem neuen Verfahren können Zahnärzte mit Hilfe einer Bürste die
oberste Schicht verdächtiger Stellen in Mund und Rachen entnehmen. Die
Abstriche werden mit einer DNA-Analyse im Labor untersucht. Die
Methode weise eine Treffsicherheit von 98 Prozent auf, so die
Wissenschafter.
Rund 85 Millionen mal im Jahr heißt die Diagnose in der
Zahnarztpraxis: Karies! Bakterien haben Teile des Zahns zerstört.
Wenn Karies Teile des Zahns zerstört hat, müssen andere Materialien
die natürliche Zahnsubstanz ersetzen. Keine leichte Aufgabe. Die
moderne Zahnmedizin bietet stetig verbesserte Materialien, so zum
Beispiel bei Inlays und Onlays - den Alternativen zu Füllungen aus
Amalgam oder Kunststoff.
Wer höchste Ästhetik wünscht, greift auf ein Inlay oder Onlay aus
Keramik oder Kunststoff zurück. Beide Materialien sind zahnfarben und
können heute so exakt der eigenen Zahnfarbe angepasst werden, dass
sie im Mund nahezu unsichtbar sind. Wird beispielsweise Wert auf
maximale Stabilität, Lebensdauer und Bioverträglichkeit gelegt, ist
ein Goldinlay erste Wahl. Allerdings blitzt es beim Sprechen und
Lachen gelegentlich auf.
Individuell und präzise
Ähnlich wie Kronen sind auch Inlays und Onlays individuelle, auf
wenige Tausendstel Millimeter präzise gefertigte Produkte. Inlays und
Onlays werden genau auf Biss, Form und Kontaktpunkte angepasst, um
Fehlbelastungen der Zähne und ihre Folgen auszuschließen.
Insbesondere der Kontaktbereich zum Nachbarzahn und die Kaufläche
werden dem Naturzahn identisch nachgebildet.
Kostenlose Informationen für Patienten
proDente stellt in dem Service-Dossier die Werkstoffe vor und
informiert über Behandlungsarten, Herstellungsmethoden und
Haltbarkeit. Für interessierte Patienten stehen zwei kostenfreie
Informationsblätter zur Verfügung, die sowohl im Internet als auch
unter 01805 / 55 22 55 angefordert werden können.
Umfragen zeigen: Naturheilverfahren und Komplementärmedizin
liegen in
der Patientengunst an vorderster Stelle. Wer sich als Arzt oder
Patient
aber bisher im Internet wissenschaftlich über diese Heilverfahren
informieren wollte, stieß schnell auf seine Grenzen: komplementäre
Methoden wie Naturheilverfahren, Homöopathie, Phythotherapie,
Traditionelle chinesische Medizin oder Anthroposophische Medizin waren
nur schwer zu finden. Abhilfe schafft die einfach aufgebaute und
kostenlose Suchmaschine www.CAMbase.de an der Universität
Witten/Herdecke mit ihren für Laien einfach zu bedienenden
Suchfunktionen, die von Karl und Veronika Carstens-Stiftung
anschubfinanziert wurde.
"Immer noch zu wenige relevante Artikel erscheinen in den etablierten,
konventionellen Zeitschriften, der weitaus größte Teil wird in
Publikationsorganen veröffentlicht, die nur schwer zu finden sind",
erklärt Dr. Thomas Ostermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Gerhard-Kienle-Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin
den
bisherigen Missstand. Patienten, aber auch Ärzte und Studierende
mussten
bisher das Wissen daher mühsam aus Literaturdatenbanken verschiedener
Arbeitsgruppen zusammentragen. Durch die neue Datenbank, die er mit
verantwortet, wird der Zugang zu solchen Informationen wesentlich
verbessert. "Cambase ist das erste im deutschsprachigen Raum
öffentlich
frei zugängliche, kostenlose und bedienerfreundliche System, mit
dessen
Hilfe ein schneller Überblick über die relevanten Publikationen der
Komplementärmedizin möglich ist", freut sich Iris Koch, Leiterin der
Wittener Uni-Bibliothek. Denn das neue System führt alle bisher
nebeneinander existierenden Datenbanken in ein System zusammen und
vereinheitlicht dank einer neuen Benutzeroberfläche auch ihre
Datenbankstrukturen.
Das deutsche Gesundheitswesen steht vor einer
Welle von Fusionen, Übernahmen und Kooperationen. Patienten müssen
sich darauf einstellen, dass ihnen schon bald deutlich weniger
Krankenkassen und Kliniken zur Verfügung stehen. Die Hälfte der
gesetzlichen Kassen hält derzeit Ausschau nach einem Partner. Viele
Krankenhäuser werden bis 2005 ihre Pforten schließen oder in private
Hände übergehen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Branchenkompass
Gesundheitswesen", eine aktuelle Studie von Mummert Consulting und
dem F.A.Z.-Institut.
Hinter dem Trend zu Fusionen und Kooperationen stecken vor allem
der immense Kostendruck und die Gesundheitsreform. Beispiel
Kostendruck: Um nötige Einsparungen zu realisieren, wären zunächst
massive Investitionen in Informationstechnik (IT) und neue
Geschäftsfelder fällig. Doch die können sich vor allem die
gesetzlichen Kassen und die öffentlichen Kliniken kaum leisten. Die
unsichere Finanzlage ist das Hauptproblem der gesamten Branche. Die
Folge sind Zusammenschlüsse, um das Kapital für notwendige
Investitionen gemeinsam aufzubringen.
Der Konzentrationstrend bringt Schwung in eine Entwicklung, die
schon im vergangenen Jahrzehnt begonnen hat. So ging zum Beispiel die
Zahl der Kliniken zwischen 1990 und 1999 bereits um 195 Häuser oder
acht Prozent zurück. Die Bettenkapazität verringerte sich um 17,6
Prozent auf 565.268. Damit sank die Zahl der Betten pro 10.000
Einwohner von 87 auf knapp 69, obwohl die privaten Betreiber die Zahl
ihrer Betten im selben Zeitraum von 23.000 auf 37.800 erhöht haben.
In unmittelbarer Zukunft wird die Zahl der Kliniken nach Ansicht von
Mummert Consulting deutlich weiter sinken und die Konzentration bei
den Krankenkassen erst richtig an Fahrt gewinnen. Diesen Trend können
auch die Versuche der Leistungsträger und Kliniken, ihre Finanzlage
zu kontrollieren und zu verbessern, nicht aufhalten. Dennoch sollen
Controlling, neue Produkte und mehr Service helfen, Kosten zu senken
und Kunden zu binden.
Bei den Fusionen und Kooperationen haben öffentliche und private
Krankenhäuser unterschiedliche Beweggründe. Die privaten Anbieter
sind aktiv auf Zukäufe aus. Für die öffentlichen Häuser bieten sich
Fusionen dagegen eher als Rettungsanker an, um nicht komplett
übernommen zu werden. Ihnen fehlen die finanziellen Mittel sowohl für
eigene Übernahmen als auch um sich mit Investitionen
wettbewerbsfähiger zu machen. Im Unterschied zu öffentlichen Häusern
erzielen private Träger wie etwa das Rhön-Klinikum durch besseres
Management attraktive Margen. Diese liegen vor Zinsen und Steuern bei
bis zu 20 Prozent und stehen für Investitionen zur Verfügung.
Auf Grund ihrer auf Expansion ausgerichteten Investitionspolitik
wird der Marktanteil der Privatkliniken rasant steigen. Sie planen
bis 2005 gut sechs Prozent ihres Investitionsbudgets für Fusionen und
Übernahmen ein. Die Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft halten
dafür mit zwei Prozent nur einen eher symbolischen Posten bereit. In
der Folge dürfte der Privatisierungsgrad bei Kliniken bis 2020 von
derzeit sieben auf 45 Prozent steigen, so die Prognose von Mummert
Consulting und dem F.A.Z.-Institut.
Neben den finanziellen Faktoren wirkt sich auch die
Gesundheitsreform maßgeblich auf den Fusions- und Kooperationstrend
aus. Hier sind vor allem die Fallpauschalen entscheidend. Sie
verpflichten die Leistungsträger, von 2004 an stationäre Behandlungen
nach festen Sätzen zu vergüten. Nach dem alten Modell orientiert sich
die Erstattung an der Dauer des Aufenthaltes. Verfügt eine Klinik
über modern geführte, größere und standardisiert arbeitende
Einheiten, hat sie pro Patienten niedrigere Kosten als ein Haus
herkömmlichen Standards. Sie erzielt somit bei pauschaler Vergütung
einen höheren Profit. Daher beschleunigt die Neuregelung die
Konzentration. Versicherte müssen damit rechnen, dass Kliniken ganz
schließen oder zumindest weniger effiziente medizinische Abteilungen
zur Disposition stellen. Alternativ setzen die Kliniken auf stärkere
Kooperation mit benachbarten Häusern. Trägergesellschaften, die
mehrere Einrichtungen in einer Region haben, denken darüber nach,
spezialisierte Bereiche nur noch an einem der Standorte zu betreiben.
Der Konsolidierungs- und Modernisierungsdruck trifft auch die
Krankenkassen, allen voran die gesetzlichen. Konkret erwägt knapp die
Hälfte der gesetzlichen Träger, sich innerhalb der nächsten drei
Jahre mit einem Partner zusammenzuschließen. Fraglich ist vor allem
der Bestand vieler kleinerer Betriebskrankenkassen. Von ihnen dürfte
in absehbarer Zeit nur noch jede zweite am Markt sein.
Für die Patienten stellt sich die Frage nach der Qualität der
Versorgung. So steigt etwa durch die Fallpauschalen der Anreiz für
die Krankenhäuser, Patienten früher zu entlassen - ein
Qualitätsverlust. Langfristig werden die Patienten längere Wege zu
Krankenhäusern in Kauf nehmen müssen. Sie werden dann jedoch in
speziellen Zentren von hoch spezialisierten Fachleuten versorgt.
Nicht direkt merken werden die Versicherten, wenn nicht-medizinische
Bereiche wie Küche oder Wäscherei zusammen gelegt oder an externe
Anbieter vergeben werden. Auch das ist in den Sparmaßnahmen
vorgesehen.
Stillen hat wieder einen guten Ruf in
Deutschland: 90 Prozent der frisch gebackenen Mütter wollen stillen.
Aber in der Praxis geben sie ihren Kindern viel zu kurz die Brust.
Dies belegt die SuSe-Studie ("Stillen und Säuglingsernährung") aus
177 deutschen Geburtskliniken, über die die Apothekenzeitschrift
"BABY und die ersten Lebensjahre" berichtet. Nur 45 Prozent der
Frauen halten vier Monate durch. Im sechsten Monat stillen nur noch
dreizehn Prozent. "Viele Mütter wissen nicht mehr intuitiv, wie das
Stillen funktioniert", sagt die Hebamme und Bundes-Stillbeauftragte
Ute Renköwitz. Für die häufigsten Probleme - zu wenig Milch, wunde
Brustwarzen oder einen Milchstau - wissen erfahrene Hebammen meistens
einen Ausweg, der nicht abstillen heißt. Oft hilft es schon, wenn die
Hebamme der Mutter das richtige Anlegen und bequeme Positionen
während des Stillens vermittelt. Eines gilt für heutige Babys wie für
Neugeborene zu allen Zeiten: Mamas Busen ist ihre große Liebe.
Weitere Infos unter: Apothekenmagazin "BABY und die ersten
Lebensjahre" 8/2003
"Sie trauen niemandem über den Weg, außer sich selber. Und vielleicht
nicht mal das. Gehen Sie deshalb grundsätzlich davon aus, dass Ihr
Zahnarzt wenig bis nichts von der Sache versteht, dass er Sie ohnehin
nur hereinlegen will und bloß auf Umsatz schafft.
Studieren Sie als erstes das Diplom, das im Wartezimmer hängt. Ist
vielleicht etwas faul daran? Oder hängt es möglicherweise gar nicht ?
Höchst verdächtig. Dass ein Zahnarzt seine Praxisbewilligung nur
erhielt, wenn die Behörden alle Unterlagen samt Leumund für gut
befunden haben, braucht Sie nicht zu kümmern.
Auf dem Behandlungsstuhl schauen Sie am besten immer etwas vom
Zahnarzt weg, so kann er weniger schnell Übles anrichten. Fahren Sie
bei jedem neuen Geräusch oder Instrument zurück, so kann Ihr Zahnarzt
nochmals überlegen, ob es auch das Richtige ist.
Falls der Röntgenapparat aufgefahren wird, willigen Sie erst nach
langem Disput ein, wenn überhaupt. Denn erstens ist das wieder nur
Umsatzgetue, und zweitens sind Atombomben ungesund.
Berechnen Sie auf Grund Ihrer theoretischen Kenntnisse an Einrichtung
und Zahnarzt augenblicklich: erfolgreich/erfolglos/Ausbeuter. Wollen
Sie nicht doch noch den Arzt wechseln?
Verlangen Sie genau Auskunft über die chemische Zusammensetzung der
Anästhesielösung, die er Ihnen unters Fell setzen will. Haben Sie
beachtet, dass er auf dem Glaszylinder nachlesen musste? Bezweifeln
Sie in jedem Fall, ob das wohl richtig sei für Ihren empfindlichen
Organismus.
Zählen Sie auch die Anzahl der Spritzen mit. Rechnen Sie pro Spritze
einen Liter.
Verfolgen Sie genau, was aus den Schränken entnommen wird. Jedes Mal
und auch so, dass Sie wirklich etwas sehen können. Ihr Zahnarzt wird
dann zwar nichts mehr sehen; aber es ist nicht einzusehen, weshalb er
ungeduldig wird, wenn nach jeder Ihrer Inspektionsexkursionen die
Operationsleuchte neu gerichtet werden muss.
Zählen Sie auch die verschiedenen Bohrer, die er braucht. Vergleichen
Sie die Anzahl mit den Erfahrungswerten aus Ihren letzten zwanzig
Patientenjahren. Weniger, mehr, im Durchschnitt?
Wenn es ans Füllen geht: was verwendet er? Amalgam? Lassen Sie sich
erst nach langen Reden überzeugen; und jedenfalls betont ungern.
Kunststoff? Lesen Sie unter Amalgam nach. Versäumen Sie niemals,
derartige Diskussionen mit einem seufzergeschwängerten 'Sie müssen es
wissen, Sie sind der Zahnarzt' abzuschließen. Damit drücken Sie
gekonnt aus, dass Ihr Zahnarzt nichts von der Sache versteht und dass
Sie sich eh als Geisel einer fehlgeleiteten Zahnmedizin betrachten.
Sollten Sie, wie häufig unvermeidlich und Ihnen auch bekannt gemacht,
den frisch gepflasterten Zahn noch etwas spüren, fragen Sie bei der
nächsten Konsultation, ob das 'normal' sei. 'Normal' ist wichtig,
damit zeigen Sie, dass SO etwas niemals normal sein kann.
Verschreibt Ihnen der Zahnarzt ein Medikament, so denken Sie bitte
daran, dass er nur der Pharmawerbung auf den Leim gekrochen ist. Lesen
Sie immerhin den Packungszettel; Sie müssen doch wissen, was er Ihnen
wieder alles an Nebenwirkungen zugemutet hätte. Falls Sie sich doch
für Einnahme der Tabletten entscheiden, ändern Sie in jedem Fall die
Dosierungsvorschriften.
Wenn nötig, lassen Sie's ruhig zur offenen Konfrontation kommen.
Gereizt, wie Sie ihn gemacht haben, wird Ihr Zahnarzt schnell an die
Decke gehen.
Darauf schreiben Sie tief getroffen und von der Zahnmedizin enttäuscht
einen Brief mit der Bitte, alle weiteren Termine von Ihnen und Ihrer
Familie zu löschen. Mit traurigen Grüssen."
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