Zahnärztliche NewsLetter Nr.
10/2003/ 1. Oktober 2003
Herzlich willkommen bei der neuesten Ausgabe der ZahnNewsLetters. Bitte
beachten Sie den nachfolgenden Punkt "in eigener Sache".

Inhalt
In
eigener Sache
1.)
Keramik: Kronen und Brücken aus "weißem
Gold"
2.) Was ist verträglicher? Metall oder Keramik im Mund?
3.) Professionelle Zahnreinigung (PZR) - was
versteht man darunter?
4.) Hygiene-Ratgeber für Implantat-Patienten
5.) Auch die Dritten Zähne brauchen Pflege
6.) Rohkost ist nicht immer gesund
7.) EU-Programm gegen Tabak und Erkrankungen der Mundhöhle
8.) Richtige Zungenposition kann Schnarchen vermindern
9.) Darmfreundliche Milcherzeugnisse gehören in den
Kühlschrank
10.) Wie viele Vitamine brauchen Kinder?
11.)
Umfrage: Warum auch gute Diäten oft scheitern
12.)
Gesundheitsreform: Lieber höhere Beiträge als mehr
Selbstbeteiligung
13.) Ein vernünftiger Ansatz - auch ohne
staatliche Diktion
14.)
Zum Schluss: Rund ums Pferd - oder wie man
richtig reformiert

1.) Das Internet ist ein freies, weltweites Medium mit all
seinen Vor- und Nachteilen. Gerade letztere erfahren auch Sie
tagtäglich, wenn Sie Ihre Mail-Box öffnen und allerhand SPAM -
angefangen von harmlosen Verkaufsangeboten bis hin zu Inhalten stark
pornographischer Prägung darin finden. Es gibt unzählige Lösungs- und
Reglementierungsvorschläge gegen diese unerwünschten Botschaften, doch
letztendlich sind alle untauglich, will man nicht die generelle Freiheit
dieses Mediums so beschneiden, dass es zu einer staatlich gelenkten
"Liberalität" verkommt.
Ähnlich verhält es sich auch mit den überaus zahlreichen WEB-Angeboten
zu Gesundheitsinformationen. Bei einem Teil ist Scharlatanerie Trumpf
oder die manchmal sehr gut aufgemachten Seiten sind reine Praxisreklame oder
aber, verbissene "Gesundheitsapostel" sektieren mit ihrer Meinung
derart, als handele es sich um medizinisches Allgemeingut und nur sie
können mit ihrer Schwarz-Weiß-Malerei die Menschheit vor den üblen
Machenschaften der Medizin retten (siehe unsere Meldung "Hüten
Sie sich vor Quacksalbern"). Deshalb liegt es auf der Hand, in
irgendeiner Weise Spreu vom Weizen zu trennen und auch eine
Qualitätssicherung für WEB-Angebote zu schaffen. Eine der Lösung ist: Unter der Leitung des
heutigen Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung wurde
vor 4 Jahren der Kooperationsverbund "afgis" (aktionsforum
gesundheitsinformationssystem) gegründet, welchem die Firma ZiiS - unter
ihrer Verantwortung erhalten tausende Leser seit Jahren den ZahnNewsLetter und
finden weitere medizinische
Infos im Internet - mit 50 anderen Partnern seit längerer Zeit angehört. Nach
der Aufbauphase hat sich "afgis" im Sommer 2003 als Verein gegründet und
damit seine staatliche Unabhängigkeit dokumentiert. Hauptziel von "afgis
e.V." ist die Qualitätssicherung allgemein zugänglicher und
nutzerorientierter Gesundheitsinformationen für Bürgerinnen und Bürger
sowie für Fachkreise. Das afgis-Logo (siehe Kopf dieses Letters) ist auf
vielen Websites präsent und steht als Kennzeichen für qualitativ
hochwertige Informationen aus dem medizinischen Bereich.
2.) Große Probleme bereiten z.Zt. einige sog. "Freemailer",
welche mit einer Regelmäßigkeit uns den an Sie geschickten ZahnNewsLetter zurücksenden, da
der Empfänger nicht bekannt sei oder aber unser NewsLetter als SPAM
eingestuft wird. Die Redaktion erhält dann aber doch von den angeblich
unzustellbaren Empfängern Mails, wo auf aktuelle Fragen eingegangen wird
- also der ZahnNewsLetter, trotz gegenteiliger Meldung des Freemailers,
bei den "Nichtempfängern" eingegangen ist. Da wir ungern "Karteileichen"
konservieren, werden die fehlgeschlagenen Mail-Adressen nach dreimaliger
Zurückweisung von uns automatisch gelöscht. Sollten Sie noch eine andere
Mail-Adresse haben - Freemailer wie z.B. GMX oder WEB werden gern
eingesetzt, um sich vor unerwünschtem SPAM auf Dauer zu schützen - so
melden Sie sich bei uns um. Wir garantieren Ihnen auch weiterhin die
ausschließliche Verwendung Ihrer Adresse zum NewsLetter-Versand und
leiten keine Anschriften weiter. Dies gilt auch dann, wenn Sie die
ZahnNewsLetter nicht regelmäßig erhalten: Mindestens einmal im Monat
erscheint ein ZahnNewsLetter (
News Letter Archiv)

1.)
Keramik: Kronen und Brücken aus "weißem Gold"
Der Erfolg von keramischen Werkstoffen
bei festsitzendem Zahnersatz ist ungebrochen und hat die aus dem letzten
Jahrhundert stammenden Kunststoffe fast vollständig vom Markt verdrängt.
Ein Problem besteht allerdings: Herkömmliche Keramik ist spröde und geht
bei Überbelastung leicht entzwei. Deshalb werden diese keramischen
Massen mit einem Metallunterbau verbunden und als
Verblend-Metall-Keramik (VMK) mit Erfolg seit Jahrzehnten in die Münder
eingesetzt (siehe auch folgenden Beitrag). Reine Keramik war bis vor Jahren nur Einzelkronen
("Jacketkrone") und kleinen Brücken im Frontzahngebiet vorbehalten. Doch
seit einigen Jahren macht die
Zirkonoxid-Keramik als
Zahnersatz Furore. "Was den Bremsvorgang eines Sportwagens unterstützt,
als Schmuckstein seit Jahrhunderten die Damenwelt fasziniert und als
künstliche Hüftgelenkskugel über Jahre größten Belastungen Stand hält,
setzt auch bei Kronen und Brücken neue Maßstäbe: Weiß, bioverträglich
und extrem belastbar, bringt sie die wichtigsten Voraussetzungen schon
von Natur aus mit. Ein computergestütztes Verfahren des weltweit größten
Herstellers von Zahnersatzmaterialien tut ein Übriges, um aus dem
"weißen Gold" Kronen und Brücken in hoher Präzision zu schaffen." Mit
diesen Worten wird ein lesenswerter Artikel in der Patientenzeitschrift
"Anbiss" (3/03) eingeleitet, welchen wir nachfolgend gekürzt wiedergeben.
Für Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse sei noch bemerkt, dass
die Kosten für eine vollkeramische Versorgung nicht zu den
Pflichtleistungen gehören, von einer Reihe von Krankenkassen aber
bezuschusst werden. Die Einholung eines Kostenvoranschlags wird dringend
empfohlen!
"...
Die Erschließung des Werkstoffs Zirkonium im Dentallabor kommt dabei
einem Quantensprung in der Zahnmedizin gleich. Denn wurden bislang die
extremen Anforderungen im menschlichen Mund vor allem von
Edelmetall-Legierungen bewältigt, lassen sich jetzt erstmals auch sehr
umfangreiche Arbeiten komplett aus Keramik anfertigen -und das selbst im
Bereich der Kaudruck-belasteten Seitenzähne.
High-Tech-System mit Köpfchen
Möglich macht dies ein computergestütztes Verfahren namens Cercon smart
ceramics. Mit ihm können Dentallabors - nach Vorgabe des Zahnarztes -
Zahnersatz von der Einzelkrone bis zur weitspannigen Brücke aus der
Zirkonoxid-Keramik sehr präzise herstellen. Das High-Tech-System löst
dabei elegant das Problem, das extrem feste Material passgenau in Form
zu bringen:
Dazu wird nicht etwa das endgehärtete Zirkonoxid, sondern ein Block mit
dem noch kreidig-weichen Rohmaterial zu einer Brücke oder Krone gefräst.
Erst danach erfolgt der abschließende Prozess des "Zusammenbackens" im
Ofen bei hoher Temperatur (das so genannte "Sintern"). Die damit
einhergehende Schrumpfung des Materials ist dabei exakt berechnet - mit
Hilfe einerkomplexen und inzwischen preisgekrönten Software. So
faszinierend das Herstellungsverfahren auch ist, der Patient bekommt
nichts von den Vorgängen im Labor mit: Für ihn läuft die Behandlung beim
Zahnarzt in gewohnter Weise ab.
Der Patient ist auf der sicheren Seite
In verschiedenen Studien stellte Zirkonoxid seine Festigkeit unter
Beweis. Bislang konnten hier in keinem einzigen Fall Gerüstbrüche
festgestellt werden. Auch in Tests unter härtesten Bedingungen erwiesen
sich die Arbeiten aus diesem Werkstoff entsprechenden metallkeramischen
Versorgungen als absolut ebenbürtig. Und um die Zuverlässigkeit noch zu
unterstreichen, bietet Cercon-Hersteller
DeguDent
zusätzlich eine Patienten-Sicherheitsgarantie an: Sollte innerhalb von
zwei bis fünf Jahren eine Neuanfertigung nötig werden, leistet das
Hanauer Unternehmen selbst eine Zuzahlung.
Neben der verbrieften Sicherheit erfüllt Zirkonoxid mit seiner weißen
Grundfarbe auch die beste Voraussetzung für hoch ästhetische Arbeiten -
immer wichtiger für viele Patienten, denn die Tatsache, dass schöne
Zähne besonders attraktiv machen, hat sich längst über Hollywood hinaus
herumgesprochen. Extrem fest, weiß und auf Grund der völligen
Metallfreiheit auch absolut bioverträglich, steht einer großen Karriere
von Zirkonoxid als Zahnersatz also nichts im Wege.
Blick in die Zukunft
Gerade die Hersteller von Implantat-getragenen Kronen oder Brücken sehen
in dem Superlativ-Material Zirkonoxid auch die Zukunft der
Implantologie: Neben der anspruchsvollen Ästhetik für den sichtbaren
Zahnersatz wollen sie die absolute Körperverträglichkeit dieses
Werkstoffs auch für die Implantate selbst nutzen. Damit ließe sich dann
erstmals der Traum vieler Zahnmediziner realisieren, ihren
Implantat-Patienten eine total metallfreie Versorgung anbieten zu
können."
Basics:
Keramik,
Kurzvorstellung der aktuellen
Vollkeramiksysteme,
Zirkonium

2.) Was ist verträglicher? Metall
oder Keramik im Mund?
Zweifelsfrei
gehören unter rein biologischen Gesichtspunkten keramische Massen zu
den bioverträglichsten Materialien überhaupt. Allerdings gibt es neben
rein technischen und werkstoffkundlichen Gründen (siehe
vorherigen Artikel) auch finanzielle
Gegebenheiten, welche den Einsatz keramischer Massen nicht möglich
machen. Keramik ist nicht von ungefähr teuer. Dabei entstehen die
Kosten nicht durch die Keramik selbst, sondern sind durch ein
aufwendiges Herstellungsverfahren und durch überdurchschnittliche
zahnärztliche Präzision bedingt. Gesetzliche Krankenkassen beteiligen
sich - wenn überhaupt - nur zu einem geringen Teil an den Kosten, bei
den Privaten ist der abgeschlossene Tarif maßgeblich; eine (Teil-)Erstattung
dürfte aber i.d.R. gewährleistet sein.
Doch sind Metalle als Material im Mund gefährlich? Mit welchen Risiken
ist zu rechnen?
Zur häufig diskutierten Problematik metallischer
Restaurationsmaterialien in der Mundhöhle referierte Prof. Dr.
Heinrich
Kappert auf der Jahrestagung der Westfälischen Gesellschaft für Zahn-,
Mund- und Kieferheilkunde in Münster.
Zwar können inzwischen herkömmliche Kronen aus Metall oder keramisch
überschichtetem Metall (Verblendmetallkeramik, VMK) für einige
Indikationsbereiche durch Keramiken ersetzt werden. In sehr vielen
Fällen, in denen die Keramiken allein nicht stabil genug oder aber die
Kosten für den Patienten nicht erschwinglich sind, muss nach wie vor auf metallische
Werkstoffe zurückgegriffen werden.
Die verschiedenen Metalle unterscheiden sich in ihrer Qualität und
ihrer
biologischen Wirkung erheblich. So sind z.B. die lebenswichtigen
Spurenelemente Natrium, Kalium und Eisen in hoher Konzentration
giftig.
Vorausgesetzt, dass Zahnersatz aus hochwertigen Legierungen
angefertigt
wird und diese auch richtig verarbeitet werden, braucht man als
Patient
nicht mit gesundheitlichen Risiken zu rechnen. Eine "Vergiftung" kann
unter diesen Umständen nicht auftreten. Bei den hochedlen Metallen
findet eine Reaktion mit dem Speichel und damit ein Auflösen und
Verschlucken von Metallanteilen nur in vernachlässigbar geringfügigem
Ausmaß statt. Andere Metalle wie z. B. Titan bilden mit dem
Luftsauerstoff eine stabile Deckschicht, die ähnliche Eigenschaften
wie
Keramiken aufweist und ein Auflösen des Metalls verhindert.
Prof. Kappert betonte, dass bei der Kombination von metallischen
Wurzelstiften mit Kronen aus Metall auch bei dem Wurzelstift auf gute
Materialqualität geachtet werden muss. Einfache Stahlstifte sind
biologisch ungeeignet.
In Deutschland liegt seit kurzem eine DIN-Norm zur Prüfung der
Mundbeständigkeit zahnmedizinischer Metalllegierungen vor, die das
Risiko toxischer Reaktionen im Vorfeld zu beurteilen hilft. In
seltenen
Fällen sind aber - wie bei allen Fremdstoffen, allergische Reaktionen
auch auf hochwertige Metalllegierungen möglich.
[ Weitere Infos u. Kontakt:
figgenl@uni-muenster.de
oder Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.
Lindemannstr. 96 40237 Düsseldorf Tel. 0211 / 61 01 98 0 Fax : 0211 /
61 01 98 11 , http://www.dgzmk.de ]
Basics:
Biokompatibilität,
Keramik,
Legierungen,
Metallkeramik

3.) Professionelle Zahnreinigung (PZR) - was
versteht man darunter?
Die PZR gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung und so verlassen
sich immer mehr Menschen bei der Zahnpflege und -reinigung nicht nur auf ihre
Zahnbürste, sondern setzen zusätzlich auf die professionelle Zahnpflege beim
Zahnarzt. Dies belegt auch eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag von
Colgate (2003), bei der 55 % aller Befragten angab, schon einmal eine
professionelle Zahnreinigung in Anspruch genommen zu haben.
Immer wieder taucht in der Korrespondenz an die Redaktion die Frage nach der
Professionellen Zahnreinigung auf: Was ist darunter zu verstehen? Was bringt es?
Und was kostet es?
Die PZR ist weder in der
amtlichen (privaten) Gebührenordnung noch in dem
Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen erwähnt, geschweige denn
definiert. So versteht man einmal darunter die vollständige Entfernung aller
über dem Zahnfleisch gelegenen (supragingivalen) harten und weichen Beläge sowie
die Beseitigung aller einfach erreichbaren (klinisch sichtbaren) in der
Zahnfleischtasche (subgingival) befindlichen harten und weichen Beläge (Konkremente).
Diese Beseitigung kann durch besonders ausgebildetes Personal unter Aufsicht des
Zahnarzte erfolgen.
Nach anderen Definitionen - denen wir uns anschließen - gehört zu einer PZR
u.a.:
Überprüfung und/oder Unterweisung in der häuslichen Mundhygiene mit speziellen
Maßnahmen (z.B. Anfärben), Inspektion der Zähne und des Zahnfleischs.
gründliche Zahnreinigung (Zahnstein, Beläge, Verfärbungen) und der
Zahnzwischenräume, Politur der Zähne (mit Pulverstrahlgeräten ("Air-Flow") und
speziellen Polierern), der Füllungen und Kronenränder, damit sich für eine
gewisse Zeit auf der glatten Oberfläche keine Bakterien mehr festsetzen können.
Fluoridierung der Zähne mit konzentrierten Präparaten.
u.U. Nachkontrolle/Nachbearbeitung in einer weiteren Sitzung
Fachleute sind sich darin einig, dass die PZR zu den effektivsten
prophylaktischen Maßnahmen überhaupt gehört. Auch die verbraucherfreundliche "Stiftung
Warentest" sagt in ihrem "Ratgeber Zähne" zur PZR u.a.: "manchmal ist
es gut, sich Profis anzuvertrauen. Das gilt auch für die Mundhygiene. Wer
wirklich Wert auf intakte Zähne und gesundes Zahnfleisch legt, kommt um
professionelle Mundhygiene nicht herum." Und abschließend heißt es: "Das Geld
ist sehr gut angelegt".
PZR-Leistung werden nicht von den
gesetzlichen
Krankenkassen übernommen; bei den Privaten Krankenkassen
erfolgt (k)eine Erstattung durch den jeweils gewählten Tarif. Die Kosten
sind abhängig vom Zeitaufwand, sie dürften sich bei einer "normalen" PZR
an 150,- € orientieren; unbedingt vorher einen Kostenvoranschlag geben lassen!

4.) Hygiene-Ratgeber für Implantat-Patienten
Die Langlebigkeit von Implantaten im Mund hängt – da sind sich
Wissenschaft und Praxis einig – ganz entscheidend von der
Gesundheit des Implantat-Umfeldes ab. Ein entzündetes Zahnbett z.B.
ist ein erheblicher Risikofaktor für einen möglichen
Implantatverlust. In der Regel entsteht eine Zahnbettentzündungen
(Parodontitis) durch nicht ausreichend sorgfältige
Mundhygiene.
„Im Zuge unserer vielen Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der
Implantologie“, so Dr. Helmut B. Engels, Vorsitzender
des Bundesverbandes der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa
e.V. (BDIZ/EDI), „fehlte bisher der Aspekt
Hygiene-Information der Patienten. Mit dem neuen Ratgeber schließen
wir jetzt eine wichtige Lücke. Schritt für Schritt ist
hier nachvollziehbar, welche Mundhygiene-Hilfsmittel sinnvoll sind,
wie man mit ihnen umgeht und worauf man rund um
das Implantat besonders achten muss.“
Gelzahnpasten und metallfreie Interdentalraumpflege
für die Reinigung der Zähne und Implantatbereiche, so Dr. Engels,
seien Gelzahnpasten vorzuziehen, da sie ohne
Schmirgelstoffe auskämen. Wichtig sei auch, für die Reinigung der
Zahnzwischenräume im Implantatbereich keine
Hilfsmittel mit Metallkern zu benutzen. Die hochglanzpolierte
Oberfläche des Titan-Implantates sei empfindlich und könne
durch Schmirgelstoffe oder das Metall zerkratzt und dadurch aufgeraut
werden. Raue Bereiche im Mund erleichterten
Bakterien das Anhaften, was unbedingt vermieden werden müsse.
Dr. Engels: „Wir machen deutlich, dass Sauberkeit rund um das
Implantat ein Infektionsschutz ist. Aber wir zwingen
niemanden zu einer bestimmten Technik. Viele Patienten haben Probleme,
z.B. mit Zahnseide umzugehen. Wir zeigen daher,
welche Alternativen es gibt. Da wir diesen Ratgeber unabhängig von
Sponsoren aus der Industrie entwickelt haben, konnten
wir allein auf die Kompetenz der beratenden Prophylaxe-Experten bauen
und produkt-unabhängige Tipps zusammenstellen.“
Neben Informationen über die Hygieneschritte bei
Einzelzahnimplantaten, bei festsitzendem und bei herausnehmbarem
Zahnersatz auf Implantaten wird zudem auf die wichtige Rolle von
professioneller Zahnreinigung, regelmäßiger
Implantat-Kontrolle in der Praxis und gesunder Ernährung für das
stabile Umfeld hingewiesen. Auch auf Risiken durch
Rauchen sowie Einnahme von Medikamenten wird eingegangen. Ein
Selbsttest zeigt, wann man außerhalb der geplanten
Check-up-Termine lieber einmal mehr nachschauen lassen sollte, ob
alles in Ordnung ist.
Bestellhinweis:
Der neue Patientenratgeber „Implantate – lange haltbar, lange schön“
steht Patienten in Einzelexemplaren kostenlos zur Verfügung,
Zahnarztpraxen können den Ratgeber in einem Paket zu 50 Stück à 45 €
erwerben. Bestelladresse: BDIZ/EDI e.V., Am Kurpark 5, 53177 Bonn,
Tel.: 0228 / 9359244, Mail:
BDIZeV@t-online.de
[ Quelle: Presseinformation des Bundesverbandes der
implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa e.V. (BDIZ/EDI) vom 2.
September 2003 / Birgit Dohlus,
zahndienst@snafu.de
]

5.) Auch die Dritten Zähne brauchen Pflege
Herausnehmbarer Zahnersatz sollte
- wie die eigenen Zähne - zwei- bis dreimal täglich nach dem Essen
gründlich außerhalb des Mundes gereinigt werden, denn auch auf den
"Dritten Zähnen" können sich Bakterien, Essensreste und abgestorbene
Schleimhautzellen festsetzen (= Prothesenplaque) und Entzündungen oder
Mundgeruch hervorrufen. Zur Reinigung gibt es grundsätzlich zwei
Methoden: Mechanisches Putzen und "chemisches Reinigen" mit
Sprudeltabletten oder Pulverkonzentraten auf Peroxyd-Basis (~ 14 % der
Deutschen gebrauchen derartige Reinigungsmittel regelmäßig).
"Die Pfälzischen Zahnärzte raten, nach jeder Mahlzeit Speisereste
mit einer Prothesenbürste zu entfernen und die "Dritten" unter
fließendem Wasser abzuspülen. Damit die Prothese nicht zu Bruch geht,
wenn sie aus der Hand rutscht, sollte das Becken zur Hälfte mit Wasser
gefüllt werden. Einmal täglich sollten die Innen- und Außenseite der
Prothese mit Bürste, notfalls auch einer Handbürste, und Zahnpasta
gereinigt werden. Ist ein Ultraschallgerät vorhanden, empfiehlt sich
zusätzlich ein fünfzehnminütiges Prothesenbad pro Woche.
Einige Prothesen müssen nachts getragen werden. Dies muss unbedingt
mit dem Zahnarzt geklärt werden. Wer "getrennt" von seinen Dritten
schläft, sollte die Prothese gründlich säubern und sie in einem Glas
mit Wasser oder einer antiseptischen Lösung ruhen lassen. Am nächsten
Morgen muss die Prothese nochmals gut gespült werden, bevor sie in den
Mund gesetzt wird. Notwendig ist es zudem, den Mund zu spülen und die
Kieferkämme, eventuell auch den Gaumen sowie die Zunge mit einer
weichen Zahnbürste (zuvor mit warmem Wasser benetzen) zu reinigen.
Haftpulver oder Haftcreme verordnet der Zahnarzt Patienten, bei denen
weder Unterfütterungen der alten Prothese vorgenommen noch eine neue
Prothese angefertigt werden können. Bei Mundtrockenheit ist eine
Haftcreme dem Haftpulver vorzuziehen. Bevor diese Hilfsmittel
aufgetragen werden, sind Prothese und Schleimhaut intensiv zu
säubern."

6.) Rohkost ist nicht immer gesund
In den letzten NewsLettern
haben wir über den schädlichen Einfluss von Säuren in Getränken, vor
einem übertriebenen Zähneputzen und vor einem falschen Zeitpunkt der
Mundhygiene gewarnt, denn in jüngster Zeit mehren sich die
Zahnschmelzdefekt, die durch diese Dinge verursacht werden. Nun
erreicht uns ein Artikel aus der Zahnarztwoche (DZW
37/03), welcher auch auf die schädigende Wirkung bei einem Zuviel an
Rohkost hinweist. Zusätzlich wird mit dem Märchen aufgeräumt, dass
diese Speisen besonders gesund seien und extra viel Vitamine enthalten
würden:
"Offenbar vorüber sind Omas selige Zeiten, als wir uns an
Erbsensuppe und sämig-weich gekochtem Möhrenbrei labten, und dabei
sogar noch das Gefühl hatten, etwas Gutes für unsere Gesundheit zu
tun. Denn das Kochen von Gemüse ist passe, heute ist Rohkost im Trend,
oder allenfalls sanfte und schnelle Garverfahren wie Dämpfen oder
Dünstern. Der Grund: Beim Kochen sollen angeblich zu viele Biostoffe
verloren gehen.
Doch aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Argument recht einseitig.
So belegen aktuelle Studien, dass zwar beim Kochen 30 Prozentan
Vitamin C verloren gehen und auch die hitzempfindliche Folsäure große
Verluste erleidet. Doch andere Biostoffe gewinnen sogar durch die
Zubereitung a la Omas Erbsensuppe - zum Beispiel das Beta-Carotin, die
entzündungs- und krebshemmende Vorstufe zu Vitamin A. Man findet große
Carotinmengen in Möhren, Tomaten und Brokkoli - doch wird dieses
Gemüse roh verzehrt, liegt das Provitamin an der Kette von stabilen
chemischen Verbindungen, so dass es größtenteils ungenutzt an den
Darmwänden vorüberzieht. Erst durch ausgiebiges Zerkleinern und
Erhitzen wird es aus seiner chemischen Umklammerung herausgelöst.
Weswegen, wie Achim Bub vom Karlsruher Institut für
Ernährungsphysiologie betont, "verarbeitete Nahrungsmittel wie etwa
gekochte Möhren oder Tomatensauce zu einer deutlich besseren
Carotinaufnahme führen als rohe Möhren oder Tomaten."
Einmal gekocht - vierfach verfügbare Menge an
Vitamin E
Ähnliches gilt für Vitamin E. Wird beispielsweise Brokkoli gekocht,
vervierfacht sich seine Menge an verfügbarem Vitamin E. Bei rotem
Paprika führt Kochen zwar nicht zu einer Steigerung der verfügbaren
Vitamin-E-Mengen, doch dafür geht auch kaum etwas verloren. Mit
anderen Worten: Roter Paprika ist gekocht als Vitamin-E-Lieferant
ähnlich ergiebig wie in rohem Zustand.
Auch Mineralien gehen beim Kochen nicht in derart dramatischen Mengen
unter wie immer wieder behauptet wird. Die Gießener
Ernährungswissenschaftlerin Simone Loh hat sich in ihrer Doktorarbeit
mit diesem Thema beschäftigt und herausgefunden, dass der gekochte
Brokkoli nicht einmal ein Fünftel seiner Mineralien einbüßt. Am
höchsten fallen die Verluste noch beim Kochen der Kartoffel aus, hier
liegen sie um die 50 Prozent. Wobei auch das nichtweiter tragisch ist.
Denn Kartoffeln spielen in unserem alltäglichen Speiseplan ohnehin
keine sonderliche Rolle als Vitamin- und Mineralienlieferant, sondern
durch ihren Kohlenhydratanteil sollen sie vor allem Eines machen:
nämlich satt.
Tomaten sind demgegenüber weitaus wichtiger als Biostoffquelle, doch
sie profitieren wiederum vom Garen. Wer sie 15 Minuten lang bei 88
Grad erhitzt, erhöht ihren verfügbaren Anteil an infarkthemmenden
Lykopinen um 171 Prozent, während ihr Vitamin-C-Gehalt nur um 15
Prozent zurückgeht.
Ähnliches gilt für den grünen Tee, der laut Auskunft vieler "Experten"
keinesfalls mit kochendem Wasser überbrüht werden sollte. Dieser Tipp
mag aus kulinarischer Sicht sinnvoll sein, um dem Tee die
geschmackliche Strenge zu nehmen, aus medizinischer Sicht ist er es
jedoch nicht. "Denn die Grüntee-Polyphenole", erklärt
Lebensmittelchemiker Volker Böhm von der Universität Jena, "werden bei
höheren Wassertemperaturen besser gelöst als bei niedrigeren." Und
gerade diesen Polyphenolen werden vorbeugende Effekte bei Krebs und
Arteriosklerose nachgesagt.
Vitaminmangel -
Säureanteile verursachen Zahnerosionen
Wie problematisch das konsequente Vermeiden von Kochen und anderen
Garverfahren sein kann, belegt eine Studie der Universität Gießen. Die
Wissenschaftler fanden in ihren Untersuchungen an 201 Rohköstlern
deutliche Mängel in der Vitamin-D-Versorgung, weibliche Rohköstler
kamen noch nicht einmal auf ein Fünftel der empfohlenen 5 Mikrogramm
pro Tag. Weitere Defizite gab es bei den Vitaminen B2, BI2 und Niacin
sowie bei Zink und Kalzium. Diese Mängel können sich auf Stoffwechsel
und Knochenstabilität, auf das Aussehen der Haut sowie auf die
Funktionstüchtigkeit des Immunsystems auswirken.
Zahnärzte fanden zudem bei Rohköstlern überdurchschnittlich viele
Gebiss-Schäden. Gerade einmal 2 Prozent von ihnen hatten ein
erosionsfreies Gebiss, im Unterschied zu 13 Prozent bei Menschen, die
ihr Essen warm machen. Auslöser der verstärkten Zahnerosionen bei
Rohköstlern sind vermutlich die hohen Säureanteile in rohem Obst und
Gemüse, vor allem Zitrusfrüchte enthalten große Mengen an ätzenden
Substanzen.

7.) EU-Programm gegen Tabak und Erkrankungen der
Mundhöhle
Es bestehen mittlerweile keinen Zweifel mehr über die schädlichen
Wirkungen von Tabak in der Mundhöhle. Unter den zahlreichen medizinischen
Fachrichtungen, werden Zahnärzte am häufigsten frequentiert, wodurch diese
in der Tabak-Intervention eine Schlüsselposition einnehmen.
Die internationale "EU-Working Group on Tobacco and Oral Health" hat im
Rahmen des EU-Programms "Europe Against Cancer"
nachfolgenden Fakten- und
Maßnahmenkatalog zu Tabak und Erkrankungen der Mundhöhle erstellt.
Rauchen führt häufig zu Verfärbungen an Zähnen und Zahnersatz.
Übler Mundgeruch (Halitosis) und Verminderung des Geschmack- und
Geruchssinns sind oft Nebenerscheinungen bei Rauchern.
Parodontalerkrankungen treten bei Rauchern häufiger und schwerer auf.
Eine Beendigung der Rauchgewohnheit kann das Fortschreiten der Erkrankung
verhindern und das Ergebnis einer Parodontalbehandlung verbessern.
Krebs der Mundhöhle und seine Vorstadien (Präkanzerosen) treten bei
Rauchern viel häufiger als bei Nichtrauchern auf.
- Eine Beendigung der Rauchgewohnheit setzt dieses erhöhte Krebsrisiko im
Laufe von 5-10 Jahren deutlich herab.
Implantatverluste sind bei Rauchern wesentlich häufiger als bei
Nichtrauchern.
Alle Mitglieder des zahnärztlichen Teams sollen sich des Zusammenhanges
zwischen Rauchen und zahnärztlichen Problemen bewusst sein und die
Botschaft vermitteln, dass Nichtrauchen etwas Normales darstellt.
Raucherberatung sollte ein integrierter Bestandteil der zahnärztlichen
Ausbildung sowie jedes Prophylaxeprogramms sein.
Die Arbeitsgruppe erstellt zur Zeit praktische Richtlinien, um Patienten
die Aufgabe des Rauchens zu erleichtern.

8.)
Richtige Zungenposition kann Schnarchen vermindern
Das mitternächtliche Holzsägen
hat schon so manchen Ehefrieden gestört oder sogar zerstört, und wenn
frau oder man es sich leisten kann, zu einer Trennung vom Bett
geführt. Unübersehbar sind deshalb auch die Tipps und Tricks, die
tauglichen und untauglichen Hilfsgeräte, um dieses Übel abzustellen
oder zumindest zu dämpfen. Ein neuer Therapieansatz kommt von der
Göttinger Universität:
Mit einem neuartigen Therapieansatz hat die Abteilung
Zahnärztliche Chirurgie des Bereichs Humanmedizin der Universität
Göttingen Erfolge gegen das Schnarchen erzielt. Mit einer so
genannten
Mundvorhofplatte mit Druckanzeige können Patienten trainieren, die
Lippen geschlossen zu halten und damit in der Mundhöhle durch
Schlucken
einen Unterdruck zu erzeugen. Dadurch wird die Zunge in einer
besonderen
Position "geparkt" und das Schnarchen vermindert. Bisher wurden in
unterschiedlichen Behandlungszentren mehrere hundert Patienten mit der
Methode behandelt. "Bei etwa 80 Prozent ergab sich eine Verbesserung
der
Schnarchsymptomatik," sagt Prof. Dr. Wilfried Engelke von der
Abteilung
Zahnärztliche Chirurgie. Die Abteilung unter Leitung von Prof. Dr.
mult. Hans-Georg Jacobs untersucht die Vorgänge beim Schlucken und
den
Zusammenhang mit dem Schnarchen seit 1993 im Labor für orofaziale
Polysensografie im Zusammenhang mit einem Projekt der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG). Dabei werden die Vorgänge in der
Mundhöhle mit elektronischen und elektromagnetischen Sensoren, die
Vorgänge im Rachen mithilfe der Endoskopie untersucht.
Bei jedem Schluckvorgang wird der Zungengrund in festen Kontakt mit
dem
Gaumensegel gebracht, hierdurch wird das Schnarchen unterbrochen und
der
Rachen erweitert, willkürliches Schnarchen wird unmöglich. Der
Kontakt
zwischen Gaumensegel und Zungengrund wirkt dabei wie eine Art Ventil,
so
dass ähnlich wie beim Tragen einer Vollprothese die Zunge am harten
Gaumen anhaftet. Dieser Vorgang wiederholt sich reflexartig bei jedem
Schlucken, auch unbewusst während der Nacht. Die Mundhöhle stellt
beim
Schlucken ein hydraulisches System dar. Nur bei geschlossenen Lippen
kann ein Unterdruck entstehen, der die Zunge und das Gaumensegel
stabilisiert. Wie lange der Ventilmechanismus nach dem Schlucken
wirkt,
nur wenige Sekunden oder viele Minuten, hängt davon ab, ob das
hydraulische System Mundhöhle geschlossen oder geöffnet ist.
Das neue und einfache Therapieprinzip beinhaltet, dass Patienten durch
eine Mundvorhofplatte mit Druckanzeige trainieren, die Lippen
geschlossen zu halten und in der Mundhöhle durch Schlucken einen
Unterdruck zu erzeugen. Auf diese Weise kann der natürlich vorhandene
Schluckreflex zur gewünschten Stabilisierung der Zunge und des
Gaumensegels genutzt werden. Bei jedem Schluckvorgang werden Zunge und
Gaumensegel erneut stabilisiert, und zwar mit der Übungsbehandlung
nicht nur wenige Sekunden, sondern mehrere Minuten lang bis zum
nächsten Schluckvorgang.
Das Konzept macht in vielen Fällen eine operative Behandlung wie zum
Beispiel eine Verkürzung des Gaumensegels oder die Abtragung von
Schleimhaut im Rachen überflüssig. Vor Behandlungsbeginn kann
überprüft werden, welcher Effekt durch die Positionsänderung der
Zunge beim Schlucken erzielt wird. Während der Therapie lässt sich
mit
einem Röntgenbild oder über eine endoskopische Untersuchung
feststellen, ob damit eine ausreichende Weite des Luftweges zu
erreichen
ist. Im positiven Falle erhält der Patient ein Gerät für häusliche
Übungen.
Die Übungsbehandlung dauert mehrere Wochen und wird zu Hause
durchgeführt. Sie besteht im zweistündigen Tragen einer weichen
Plastikschiene mit Druckanzeige im Mundvorhof. Ziel ist es, eine
physiologische Zungenruheposition, die "Zungenparkposition" nach dem
Schlucken anzutrainieren und eventuell vorhandene Mundatmung
abzustellen. Die Schiene wird nach einer Eingewöhnungsphase auch
nachts getragen. Wenn sich der Patient die "Zungenparkposition" nach
etwa sechs bis acht Wochen antrainiert hat, ist nächtliches Tragen oft
nicht mehr notwendig. Durch eine individuelle Schiene kann eine
manchmal notwendige, längerfristige nächtliche Therapie unterstützt
werden.

9.) Darmfreundliche Milcherzeugnisse gehören in
den Kühlschrank
Wer seine Verdauung mit probiotischem Joghurt
beflügeln will, sollte mit Kühltasche einkaufen gehen. Die
Bakterienkulturen in den Milcherzeugnissen mögen nämlich keine Wärme,
schreibt das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau". Zuhause gehören
die Behälter dann sofort in den Kühlschrank. Probiotika frischen
unsere körpereigenen Bakterienpopulationen auf, die in rund
vierhundert Arten unseren Darm bewohnen und zusammen etwa ein
Kilogramm wiegen. Viele der den probiotischen Lebensmitteln
zugeschrieben Wirkungen sind zwar noch umstritten. Eine englische
Studie konnte gerade eine nützliche Wirkung nachweisen, wenn eine
Infektion mit Antibiotika behandelt werden muss. Oft führt dies zu
Durchfall, weil die bakterientötende Eigenschaft auch die Darmflora
betrifft. In diesem Fall lindern die Ersatzbakterien die Beschwerden.
[ Quelle + ©: Wolbert Schnieders-Kokenge , E-Mail:
wsc@wortundbildverlag.de ]

10.) Wie viele Vitamine brauchen Kinder?
Beim Erfinden von Essensmarotten sind kleine
Kinder unglaublich einfallsreich: Manche essen nur, wenn der
Fernseher läuft, der Papa daneben sitzt und ein gelbes Hemd trägt und
das Essen keine grüne Farbe hat. Andere ernähren sich wochenlang nur
von Chips und Gummibärchen. So spielen sich in vielen Familien
täglich dramatische Szenen bei Tisch ab: Erst schreit das Kind, dann
die Mutter, und die Mahlzeit verwandelt sich in einen Machtkampf mit
den kleinen Tyrannen.
Darunter leiden nicht nur die Nerven der Eltern, sondern häufig
auch die Gesundheit des Kindes, warnt der Heidelberger Kinderarzt Dr.
Peter Hirschbrunn: "Zwar braucht man sich wegen der Nährstoffe auch
bei einem "schlechten Esser" keine Sorgen zu machen. Unterernährung
spielt in unserem Land kaum eine Rolle. Sehr wohl kann es aber bei
sehr einseitigen Vorlieben zu einer schlechten Vitaminversorgung
kommen, also zu einem Defizit an Vitaminen, die gerade in der
Wachstumsphase in großen Mengen benötigt werden."
Die Gefahr einer Unterversorgung ist besonders groß bei kleinen
Naschkatzen, die immer wieder um Schokolade betteln oder sich mit
Vorliebe von Gummibärchen und anderen Süßigkeiten ernähren.
Kinderarzt Dr. Hirschbrunn: "Zu viele Süßigkeiten blockieren im Darm
die Aufnahme der besonders wichtigen Vitamine der B-Gruppe. Ein
Mangel an Vitamin B führt häufig zu rissigen Lippen, Faulecken oder
so genannten Analfissuren, die Schmerzen beim Stuhlgang verursachen
können."
Eltern, die über die vitaminarmen Vorlieben ihres Kindes
verzweifeln, wird häufig geraten, ihrem Kind mit kleinen Tricks
alternative Vitaminträger schmackhaft zu machen. Das führt jedoch oft
nicht zum gewünschten Erfolg, weiß Kinderarzt Dr. Hirschbrunn zu
berichten: "Ist das Verdauungssystem durch Vitaminmangel bereits
geschwächt, kann der Darm auch das vernünftige Essen nicht
verarbeiten. Dann werden auch die Vitamine der neu angebotenen
Nahrungsmittel nicht ausreichend resorbiert. Es empfiehlt sich
deshalb, zuerst den angeschlagenen Vitaminhaushalt mit konzentrierten
Vitamingaben wieder in Gang zu bringen."
Eine gute Möglichkeit dazu bieten spezielle Kindervitamine (z.B.
von ratiopharm) zur Ergänzung der einseitigen Nahrung. Schon mit
einer Lutschtablette am Tag wird der Vitaminbedarf kleiner Kinder
sinnvoll ergänzt, zwei Kindervitamine-Tabletten sorgen für die Zufuhr
der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Sieben-
bis Neunjährige empfohlenen Mengen an Vitaminen und Jod.
Kinderarzt Dr. Peter Hirschbrunn: "Stark einseitige Ernährung
durch Naschen und später durch Fastfood belastet den Organismus von
Kindern besonders in der wichtigen Wachstumsphase zwischen drei und
acht Jahren. Eltern tun deshalb gut daran, dem ungehemmten
Süßigkeitenverbrauch ihrer Kinder durch konsequente Erziehungshaltung
einen Riegel vorzuschieben.".

11.) Umfrage: Warum auch gute Diäten oft
scheitern
Unzählige, teils abenteuerliche, teil
medizinisch sehr bedenkliche Abmagerungskuren sind auf dem Markt und
dem Erfindungsreichtum scheinen keine Grenzen gesetzt. Trotz allem -
das Resultat ist bei guten wie bei schlechten Diäten, wenn sie denn
überhaupt eingehalten werden, das Gleiche: Viel
Geld ausgegeben, streng nach Vorschrift gelebt und auf Dauer doch kein
Erfolg. "FÜR Sie" ist in einer repräsentativen Umfrage den Gründen
nachgegangen:
ots - Abnehmen ist für viele Frauen schwerer als
erwartet - oft endet die beste Schlankheitskur vorzeitig, weil sie in
klassische Diät-Fallen tappen: Bei 55 Prozent der Frauen scheiterte
die letzte Diät am Heißhunger auf Süßes oder Fettes, knapp die Hälfte
der befragten Frauen beendete sie aus Frust, weil die Pfunde nicht
schnell genug schwanden. Das ergab eine repräsentative Umfrage der
FÜR SIE (Ausgabe 20/2003, EVT 9.9.2003), für die "Gewis" 1.216 Frauen
zwischen 25 und 50 Jahren interviewte.
Großer Stress brachte 42 Prozent der Befragten dazu, ihre Diät zu
stoppen, jede dritte Frau konnte den ständigen Verzicht nicht
ertragen, über ein Drittel fühlte sich von Familie oder Freunden zu
wenig unterstützt. Null Bock auf schlechte Laune durch die Hungerkur
hatte rund jede vierte Frau und griff wieder zu kalorienreichen
Köstlichkeiten.
Was tun, um nicht in jede Diätfalle zu tappen? Experten empfehlen,
"kleine Sünden" wie ein Stück Schokolade gegen Heißhungerattacken
einzuplanen. Zur Motivation sind Mini-Belohnungen für jedes verlorene
Kilo angesagt. Wichtig: Beim Abnehmen realistisch bleiben, denn weder
verändert sich durch eine Diät der Körperbau, noch wird das Leben
automatisch leichter.

12.)
Gesundheitsreform: Lieber höhere Beiträge als mehr
Selbstbeteiligung
(HL). Geht es um Reformen im Gesundheitswesen und dabei im
Krankheitsfall ans eigene Portemonnaie - dann werden die Deutschen
ganz sensibel. Zum Beispiel bei der Ausgrenzung von Zahnersatz, die
nur bei sechs Prozent der Bundesbürger auf Akzeptanz stößt.
Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat im Auftrag der
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Zeitschrift "Impulse"
3590 Personen befragt, wie es um ihre Einsicht in Reformen und die
Bereitschaft steht, dabei auch selbst verantwortlich Lasten zu
schultern.
Das Ergebnis dürfte vor allem Gesundheitspolitikern Kopfzerbrechen
bereiten. Danach wissen die Deutschen zu zwei Dritteln, dass sie als
Folge demographischer Veränderungen mit steigenden Kassenbeiträgen
rechnen müssen. 56 Prozent sehen gar die sozialen Sicherungssysteme
vom Zusammenbruch bedroht.
Dennoch: Während bei der Rente die Bereitschaft zur Selbstvorsorge
steigt, verbinden sich mit einer Ausweitung von Selbstbeteiligungen in
der Krankenversicherung große Ängste.
Nur knapp ein Fünftel der Bevölkerung hält es für nötig und ist
bereit, dass Leistungen der Krankenversicherung auf das medizinisch
Notwendige beschränkt werden. Nur sechs Prozent sind mit der
Ausgliederung von Zahnersatz einverstanden. Statt höherer
Selbstbeteiligung - dafür plädieren 25 Prozent - sind 46 Prozent der
Bürger eher für steigende Kassenbeiträge.

13.)
Ein vernünftiger Ansatz
- auch ohne staatliche Diktion
Die Techniker Krankenkasse (TK) will nach eigenen Angaben als erste
gesetzliche Krankenkasse „in Kürze“ ein bundesweites Bonusmodell
starten, mit dem gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt wird. Das
bereits seit Mai in einem Test in Berlin praktizierte Prämienmodell
soll demnächst in ganz Deutschland angeboten werden, bestätigte eine
TK-Sprecherin am Montag einen Bericht der Zeitung „Die Welt“
(Dienstag, 23.9.).
Auch andere Kassen - darunter verschiedene Betriebs- und
Ersatzkrankenkassen – haben angekündigt, im Zuge der Gesundheitsreform
künftig entsprechende Bonusprogramme anbieten zu wollen. Ein
bundesweites Gesundheitsbonusmodell bietet seit einiger Zeit unter
anderem die Betriebskrankenkasse FAHR in Gottmadingen.

14.) Zum Schluss:
Rund ums
Pferd
- oder wie man
richtig (gesund-)reformiert
Was haben die Diskussion um eine Reform der gesetzlichen
Krankenversicherung und die Dakota-Indianer gemeinsam?
Eine Weisheit der Dakota-Indianer
lautet: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig
ab. Doch bei Reformen versuchen wir oft andere Strategien, nach denen
wir handeln … . Parallelen mit der jetzt laufenden Gesundheitsreformdiskussion
sind nicht zu verkennen.
· Wir besorgen uns eine stärkere Peitsche!
· Wir wechseln die Reiter!
· Wir sagen, so haben wir das Pferd doch immer geritten!
· Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren!
· Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde
reitet!
· Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde!
· Wir bilden eine Task-Force, um das Pferd wiederzubeleben!
· Wir kaufen Leute von außerhalb ein, die angeblich tote Pferde reiten
können!
· Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen!
· Wir stellen Vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an!
· Wir ändern die Kriterien, die besagen, dass ein Pferd tot ist!
· Wir schirren mehrere tote Pferde gemeinsam an, damit wir schneller
werden!
· Wir erklären: kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht mehr
reiten kann!
· Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es bessere oder billigere
tote Pferde gibt!
· Wir erklären, dass unser Pferd besser, schneller und billiger tot
ist als andere Pferde!
· Wir bilden Qualitätszirkel, um eine Verwendung von toten Pferden zu
finden!
· Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein!
· Wir vergrößern den Verantwortungsbereich des toten Pferdes!
· Wir entwickeln ein Motivationsprogramm für tote Pferde!
· Wir strukturieren um, damit ein anderer Bereich das tote Pferd
bekommt! "
[ erschienen im
Deutschen Pfarrerblatt, Nr. 7/2002 ]
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