Zahnärztlicher NewsLetter Nr. 10/2007/ 1. Oktober 2007

"Es sei ein Anliegen der Zahnärzte, sagte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dietmar Oesterreich, die Zahngesundheit der Kinder und Jugendlichen auf dem ereichten hohen Niveau, das im internationalen Vergleich auf einem Spitzenplatz liege, weiter zu führen und möglichst bis in das hohe Lebensalter zu erhalten. Hier ist bereits einiges erreicht worden: Schon jetzt haben immer mehr ältere Menschen immer mehr eigene Zähne, wie Prof. Dr. Christian Splieth (Universität Greifswald) berichtete. Die Anzahl verlorener Zähne bei Senioren sei allein in den vergangenen acht Jahren deutlich, nämlich von 17,6 auf 14,2 Zähne, zurückgegangen.
Allerdings beschneide die aktuelle Gesundheitspolitik die Möglichkeiten, statt sie zu fördern: Laut Dietmar Knappe, Sprecher der Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen, haben die Kassen die Zahngesundheit der Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr mit über 450 Mio. Euro gefördert, eine Finanzierung ab 2009 sei durch politische Vorgaben aber in Frage gestellt."

aus einer Pressemitteilung der Bundeszahnärztekammer zum Tag der Zahngesundheit

Ihre ZahnNewsLetter Redaktion


Inhalt

 1.) Speichel - Diagnostisches Medium der Zukunft
 2.) Bevölkerung investiert mehr in Zahn-/Mundpflegemittel
 3.)
Treue Begleiter des Menschen: Zahnlöcher
 4.) Weg mit dem kleinen Mann im Ohr - Behandlung von Tinnitus mit der Oberkieferschiene
 5.)
Rettet die Milchzähne - Warum die Ersten so wichtig sind
 6.) Erfahrungswissen von Eltern wird in der Medizin bisher zu wenig genutzt
 7.)
Preisvergleich von Arzneimitteln im Internet
 8.)
Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff
 9.)
Kostenbremse mit Fallstricken - Zahnzusatz-Versicherungen decken nie alle Kosten ab
10.)
DAZ-Erhebung Qualitätssicherung - Patienten sind hoch zufrieden
11.)
Zum Schluss: Zahnersatz mit Nebenwirkungen
 

 


1.) Speichel - Diagnostisches Medium der Zukunft


Speichel - igitt - wer mag sich mit so einem ekelhaften Schleim überhaupt beschäftigen - Zahnärzte gezwungenermaßen durch ihren von der Öffentlichkeit gleichfalls nicht besonders geliebten Beruf vielleicht? In Wahrheit ist Speichel als Produkt der großen, paarig angelegten Kopfspeicheldrüsen und vieler, in der Mundhöhle verteilten, kleinen Speicheldrüsen, eine in ihrer Bedeutung bisher weithin unterschätzte und bislang nahezu unentdeckte Körperflüssigkeit mit großem diagnostischen Potential. Betrachtet man den derzeitigen Trend, so sieht es so aus, als ob Speichel sogar dem Blut den bevorzugten Rang als diagnostisches Fenster zu den Vorgängen im Körperinneren streitig machen könnte.
Dies kommt vor allem daher, dass Speichel so problemlos und ohne invasive Maßnahmen zu gewinnen ist. Der Patient muss nur spucken. Das ist etwas, was jeder kann und was keine Mühe oder Überwindung kostet - und es ist billig. Kleinste Mengen genügen dafür. In der modernen Kriminalistik beispielsweise kann von der Rückseite einer abgeleckten Briefmarke oder vom Verschluss eines Briefumschlags die gesamte genetische Information einer Person in Form eines untrüglichen genetischen Fingerabdrucks abgelesen werden. In den Medien erfährt man immer häufiger, dass Täter aufgrund einer großangelegten Massenuntersuchung, bei der lediglich eine Speichelprobe abgegeben werden musste, aus vielen Tausenden von Individuen erfolgreich identifiziert und überführt worden konnten.

Speichel wird in der Medizin schon vielfach genutzt, zum Beispiel zur Diagnose von Stoffwechselerkrankungen oder zur Messung von Hormon- und Medikamentenspiegeln, was durch die Sportmedizin in der letzten Zeit leider eine traurige Berühmtheit erlangt hat. In den USA befinden sich sogar bereits kleine handgehaltene mikroelektronische Messgeräte in Entwicklung, die es in Zukunft auch einer Privatperson erlauben sollen, Erkrankungen wie Diabetes oder sogar Krebs frühzeitig zu entdecken. Darüber hinaus wird derzeit von der amerikanischen nationalen Gesundheitsbehörde, gesponsert durch ein Multimillionen Dollar wissenschaftliches Förderprojekt, die vollständige Entschlüsselung der im Speichel vorhandenen Proteine, des sogenannten Speichelproteoms, vorangetrieben. Man erhofft sich dort viel vom Speichel und so ist unsere Spucke plötzlich und unverhofft auch bei uns in Mode gekommen.

[ © Markus Brakel, Telefon: 0211- 71 83 601 Fax: 0211 - 71 83 58 2 ; weiter Infos: www.dzaet07.de  ]

 
Basics:  Speichel im Zahnlexikon-Online

Anfang


2.) Bevölkerung investiert mehr in Zahn-/Mundpflegemittel

Den aktuellen Wirtschaftsdaten des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW) zufolge sind auch 2006 wieder die Ausgaben für Zahn- und Mundpflegeartikel deutlich angestiegen: Betrug der Jahresumsatz in dieser Sparte 2005 noch 1.188 Milliarden Euro (2004: 1.134 Mrd.), konnte für 2006 ein Marktumsatz von 1.213 Milliarden Euro notiert werden, das ist in einem Jahr ein Plus von 43 Millionen Euro. Pro Kopf – vom Säugling bis zum Greis – gibt der deutsche Bundesbürger nunmehr 15 Euro für die Mundpflege aus, 2004 waren es noch rund 14 Euro.
Die Daten decken sich mit den von dem Unternehmen Colgate publizierten Nielsen-Verkaufsdaten, demnach nähern sich die Verkaufsdaten für Zahnpasta langsam dem von Mundgesundheitsexperten ermittelten Soll von 14 Euro/Jahr (Ist-Daten 2006: 11 Euro), bei Zahnbürsten liegt das Soll bei 16 Euro und der Ist-Zustand bei 7 Euro, noch immer Stiefkind bei der Mundpflege ist aber der Zahnzwischenraum: Gerade hier, wo sich besonders leicht und nachhaltig Zahn- und Zahnfleischschäden entwickeln können, ist der Verbrauch an entsprechenden Hygiene-Hilfsmitteln nach wie vor viel zu niedrig. Wissenschaftler empfehlen 1 x täglich Interdentalraumpflege, das ergäbe hinsichtlich Zahnseidenverbrauch (an 365 Tagen je ein 50-cm-Band) rund 182 Meters Zahnseide pro Bundesbürger, verkauft wurden aber nur 4,50 Meter.

Unterstützt wird diese Entwicklung durch die für viele Patienten immer selbstverständlicher werdende "Professionelle Zahnreinigung" in den Zahnarztpraxen. 2001 sagten noch 35 % der Befragten, man habe bereits einmal eine Professionelle Zahnreinigung durchführen lassen, 2004 lag die Quote bereits bei 61 % (Daten von Bundeszahnärztekammer und Colgate). Die Befragung wurde nicht fortgesetzt, die Entwicklung wird aber als weiterhin „kontinuierlich nach oben“ eingeschätzt.

Wer wissen möchte, ob und wie er die Vielfalt der modernen Mundhygienehilfsmittel am besten für sich und seine Mundgesundheit nutzt, welche sinnvoll sind und welche eher weniger, und auch, welche Pflegetipps es bei Krankheit und Medikamentengebrauch gibt, kann seinen Zahnarzt und sein Team darauf ansprechen oder auch sich kostenlos und unverbindlich in den Patientenberatungsstellen der Landeszahnärztekammern informieren – Kontaktadressen sind zu finden unter http://www.bzaek.de/. Ausführliche Infos finden Sie ebenfalls unter http://www.zahnwissen.de/


[ gekürzt nach einer Meldung  der Zahnärztekammer Berlin , Birgit Dohlus ]

 Basics:  Professionelle Zahnreinigung (PZR)  im Zahnlexikon-Online


Anfang


3.) Treue Begleiter des Menschen: Zahnlöcher

Karies und Mensch haben sich von Anfang an zusammen entwickelt

Die Menschen leiden unter Karies, seitdem sie vor mehr als 100.000 Jahren die "Wiege der Menschheit" in Afrika verließen. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus einem Stammbaum des Karieserregers Streptococcus mutans, den sie aus genetischen Untersuchungen an sechzig verschiedenen Bakterienstämmen von fünf Kontinenten abgeleitet haben. Demnach gehen alle heute lebenden Karieserreger auf einen einzigen gemeinsamen Vorfahren aus Afrika zurück und haben sich später zusammen mit dem Menschen ausgebreitet – zuerst in Asien und dann in Europa.

Der Karieserreger Streptococcus mutans findet sich bei fast jedem Menschen im Speichel – allerdings nicht von Geburt an, sondern erst etwa ab dem zweiten Lebensjahr. Er wird meist über den Speichel der Mutter auf das Kind übertragen und siedelt sich auf den Zähnen an. Karies entsteht, wenn die sauren Stoffwechselprodukte des Bakteriums den Zahnschmelz angreifen und dabei die darunterliegenden Zahnschichten freilegen.

  [ ausführlich unter © http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/276374  ]

 Basics:  Streptococcus mutans  im Zahnlexikon-Online

Anfang


4.) Weg mit dem kleinen Mann im Ohr - Behandlung von Tinnitus mit der Oberkieferschiene

Es rauscht und piepst im Ohr. Doch bis auf seltene Ausnahmen hört nur der Betroffene selbst die quälenden Geräusche. Die Ursachen für einen so genannten subjektiven Tinnitus sind vielfältig und reichen von Mittelohrerkrankungen über Hörsturz und Lärmtraumata bis hin zu Stress. "Dass hinter den lästigen Ohrgeräuschen eine Fehlstellung des Kiefergelenks dahinter stecken kann, ist nur wenig bekannt", sagt Professor Dr. Bernd Koeck, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Bonn.
Denn Mittelohr und Kiefergelenk liegen ganz eng beieinander und sind nur durch eine dünne Knochenlamelle getrennt. Bei der so genannten craniomandibulären Dysfunktion (CMD) kommt es unter anderem durch eine angeborene Zahnfehlstellung, Zähneknirschen, einseitiges Kauen oder Zahnprothesen zum Verlust der richtigen Bisshöhe. Dadurch wird der Unterkiefer nicht mehr genügend stabilisiert und der Kiefergelenkkopf verlagert sich. Daraus resultieren die für CMD typischen Kiefergelenkgeräusche. Wird beim Mundschließen der Kiefergelenkkopf weit nach hinten in Richtung Mittelohr geschoben, ist der Druck auf zwei dazwischenliegende Nerven enorm. Ein Tinnitus oder auch Schläfenkopfschmerzen können die Folgen sein.

Abhilfe schafft eine hauchdünne Schiene aus glasklarem Kunststoff, mit der die Bonner Zahnärzte die Gelenkköpfe wieder in ihre ursprüngliche Position zurückbringen. Dazu trägt der Patient mindestens vier Wochen Tag und Nacht diese so genannte Pivotschiene im Oberkiefer, die zum Ausgleich des Fehlbisses hinten leicht erhöht ist. Beim Schließen des Mundes dreht sich nun der Unterkiefer um diesen künstlichen Aufbiss und zieht das Kiefergelenk nach unten. "Diesen Effekt kann der Patient verstärken, indem er täglich möglichst zwei Stunden das Kinn mit der Faust abstützt", sagt Professor Koeck. Die individuell angepasste Schiene wird regelmäßig neu justiert und abgeschliffen, bis der ideale Biss stabilisiert ist. "Bei einem rechtzeitigen Eingreifen eines erfahrenen Zahnarztes besteht eine große Chance auf Heilung", sagt Professor Koeck. "Das erspart dem Patienten möglicherweise eine lange Odyssee."

 
[ PM der Uni Bonn ; E-Mail: b.koeck@uni-bonn.de ]

 Basics:  Tinnitus  im Zahnlexikon-Online
 

Anfang


5.) Rettet die Milchzähne - Warum die Ersten so wichtig sind

Im Schnitt hat jeder kleine Schulanfänger hierzulande mehr als zwei Zähne mit Karies. Dabei unterschätzen viele Eltern die Wichtigkeit der Milchzähne für die spätere Mundgesundheit an sich. Mit jedem kariösen Milchzahn steigt die Zahl der Kariesverursachenden Bakterien im Mund - und damit das Risiko für die durchbrechenden neuen Zähne. Zudem erfüllen kranke oder fehlende Zähne ihre Platzhalterfunktion für die Nachfolgezähne nicht richtig und können sogar dem allgemeinen Wohlergehen schaden.

Es sind vor allem Getränke mit Zucker oder Säure, etwa in Eistee oder Apfelsaft, die zur Entkalkung und Erosion der Milchzähne führen. Experten warnen insbesondere vor dem Dauergebrauch von Nuckelflaschen, bei denen die Zähne ständig von Flüssigkeit umspült werden. Bei dieser so genannten Nuckelflaschen-Karies werden zuerst die Schneidezähne angegriffen. Besonders kariesanfällig sind laut einer Marburger Studie Kleinkinder, die nachts nach Belieben an der Flasche oder der Mutterbrust saugen dürfen.

Als besten Schutz für die Milchzähne empfehlen Zahnärzte regelmäßiges Putzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta - Fluorid härtet den Zahnschmelz und bewahrt ihn vor Säureattacken. "Der Gebrauch von Fluorid ist der Hauptfaktor für den Rückgang von Karies bei älteren Kindern", sagt Ulrich Schiffner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde. Ähnlich bewährt hat sich die Versiegelung von Backenzähnen, bei der die kariesanfälligen Furchen mit Kunststoff verschlossen werden.

  [ PM der Zeitschrift "Für Sie",  E-Mail: kerstin.bode@fuer-sie.de  ]

 Basics:  Erhaltung von Milchzähnen  im Zahnlexikon-Online

Anfang


6.) Erfahrungswissen von Eltern wird in der Medizin bisher zu wenig genutzt

Eltern und Eltern-Selbsthilfegruppen sind in der Kinder- und Jugendmedizin unverzichtbare Ansprechpartner für die Familien und auch für Ärzte und Therapeuten. Deren breites Erfahrungswissen aus dem Alltag wird aber bei der Behandlung von chronisch kranken, behinderten oder entwicklungsgestörten Kindern und Jugendlichen noch zu wenig genutzt. Dieses Fazit haben Eltern und Fachleute bei einer Fachtagung anlässlich des 15jährigen Jubiläums der bundesweiten Vereinigung Kindernetzwerk für kranke und behinderte Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft e. V. gezogen.
Seit 1992 hat sich das Kindernetzwerk mit seinen diversen Datenbanken und Informationsangeboten zu über 2.000 Erkrankungen zu einer führenden Anlaufstelle für betroffene Eltern chronisch kranker und behinderter Kinder sowie für Ärzte und Therapeuten entwickelt, bekräftigt Professor Hansjosef Böhles, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). "Das Kindernetzwerk ist heute nicht nur für die Eltern eine enorme Hilfe, sondern wird wegen seines großen Erfahrungswissens von rund 100.000 angeschlossenen Eltern auch in der Kinder- und Jugendmedizin als wichtiger Partner geachtet, so Böhles, Dies treffe insbesondere für seltene, besonders schwerwiegende und chronische Erkrankungen und Behinderungen zu. Dies sieht auch Eva Luise Köhler, Ehefrau von Bundespräsident Horst Köhler, so. Für sie leistet das Kindernetzwerk eine "ganz wunderbare Arbeit" gerade für die Menschen, die oft nicht wissen, wo sie die richtige ärztliche Versorgung und andere Hilfen oder zielgerichtete Informationen erhalten, um die Behandlung oder Betreuung kranker Kinder und Jugendlicher verbessern zu können.
Ein Teil dieser wertvollen Informationen, die das Kindernetzwerk mit Fachleuten aus dem Pädiatrischen Beraterkreis aufbereitet oder aktualisiert, können nun auch online abgerufen werden. Unter www.kindernetzwerk.de sind eine Vielzahl von Adressen und Informationen, die das Kindernetzwerk in seinen Datenbanken aufbereitet, erhältlich und teilweise direkt im PDF-Format ausdruckbar. Dabei bietet das Kindernetzwerk unter anderem kostenfrei weit über 100 patientenorientierte Krankheitsübersichten in Kurzfassung an, weitere Infos sind gegen geringe Kosten erhältlich.

 [ PM von www.kindernetzwerk.de ]

Anfang


7.) Preisvergleich von Arzneimitteln im Internet

Eine patientenorientierte Suche nach Arzneimitteln bietet der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf seinem Online-Portal. Mit Hilfe einer Datenbank können Patienten rund 65.000 verschreibungspflichtige und 45.000 nicht verschreibungspflichtige Medikamenten checken.

Die Datenbank enthalte zu diesen Medikamenten Infos über ihre Zusammensetzung, Wirkung, Neben- und Wechselwirkungen und Gegenanzeigen sowie zur Packungsgröße und die Darreichungsform zum jeweiligen Preis.

Sämtliche Informationen werden alle zwei Wochen aktualisiert, kündigte die PKV an. Das Angebot ermögliche Patienten, direkt und unabhängig die Preise ihrer Medikamente zu vergleichen. Sie könnten hier auch eine Auflistung aller Generika für ihr derzeit verordnetes Medikament finden.

 weitere Infos: http://www.derprivatpatient.de/

[ zm-online ; ck/pm ]

Anfang


8.) Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff

Am Amalgam scheiden sich nicht erst seit gestern die Geister. Bereits 1833 brach in den USA der so genannte Amalgam-Krieg aus, der bis weit in die zweite Jahrhunderthälfte die amerikanische Zahnärzteschaft in zwei Lager teilte und mit einer Heftigkeit geführt wurde, die an europäische Religionskonflikte erinnert.

Die früheste Erwähnung des Amalgams findet sich in der „Materia Medica" des Su Kung von 659 nach Christus. Als „silberner Teig" kehrt Amalgam im "Ta-Kuan Pent-ts'ao" um 1107 wieder. Auch in der Ming-Periode wird die Legierung 1505 und 1596 (von Li Shihchen) erwähnt. 1505 beschreibt Liu Wen t'ai die genaue Zusammensetzung: „100 Teile Quecksilber, 45 Teile Silber und 900 Teile Zinn, die in einem eisernen Topf zu verrühren sind." Liu Wen t'ai fügt hinzu, dass sich mit der Paste die Löcher von Front- und Backenzähnen füllen lassen.
Der Ulmer Arzt Johann Stocket beschrieb 1528 in seinem Arzneibüchlein „Praxis aurea" die Herstellung von Amalgam, das in einem Zahnloch „härtet wie Stein". Das Rezept wurde 1601 nochmals von dem Lüneburger Stadtarzt Tobias Dornkreilius wiedergegeben. In „Über die Zahnschmerzen" beschrieb Stocket - 1528 posthum veröffentlicht - im europäischen Schrifttum erstmals die Kavitätenfüllung mit Amalgam. Und damit drei Jahrhunderte bevor in Frankreich und England die endgültige Einführung dieses Füllmittels ihren zaghaften Anfang nahm. Dann geriet Amalgam zunächst in Vergessenheit bis es im 19. Jahrhundert endgültig Eingang in die konservierende Zahnheilkunde gefunden hatte.
Zwischen 1826 und 1835 führte Auguste Onésime Taveau in Paris das Amalgam ein, es bestand aus pulverisiertem Silber und Quecksilber, und er nannte es „Silberpaste". Doch positiv wurde die neue Legierung nicht aufgenommen. Lefoulon lehnte sie 1841 ab wegen der Schwarzfärbung, der Schrumpfungsneigung und der Porosität. Er und Désirabode äußerten starke Bedenken wegen des enthaltenen Quecksilbers. In England dagegen stürzte sich die Londoner Zahnarztfamilie Crawcour - üble Vertreter ihres Standes - auf das Amalgam. Dem „Mineral Succedaneum" fügten sie das Beiwort „Royal" an, um ihm so ein höheres Ansehen zu verleihen. Doch ihre Behandlungsmethoden zogen auch das Material bald in Verruf. Denn sie machten sich nicht die Mühe, zuvor die Karies zu entfernen und füllten stattdessen die Zähne in zwei Minuten ohne den geringsten Schmerz oder Druck.
Nachdem sie so ganz England, aber auch Paris versorgt hatten, gingen zwei der Brüder 1833 nach New York, um dort zu praktizieren. Rasch häuften sie ein Vermögen an und legten mit ihren unlauteren Behandlungsmethoden den Grundstein für den "Amalgamkrieg".
Die prominenten Zahnärzte in den USA wie Eleazar Parmly und Isaac John Greenwood setzten sich mit Fanatismus für die Goldfüllung ein und verdammten jeden, der das unkomplizierte und billige Amalgam anwandte. Die 1840 gegründete „American Society of Dental Surgeons" verpflichtete ihre Mitglieder dazu, "niemals und unter keinen Umständen Amalgam anzuwenden". Nach 1840 wurde das Füllungsmaterial von der amerikanischen Regierung sogar verboten, nachdem sich unerklärbare, diffuse körperliche Beschwerden nach Amalgam-Behandlungen eingestellt hatten. Zeitweilig stand auf die Verwendung von Amalgam sogar die Gefängnisstrafe.

Doch da Amalgam schon damals in seiner Eigenschaft als günstiger, gut zu verarbeitender und langlebiger Füllstoff überzeugte, wurde die Legierung trotz gesundheitlicher Bedenken um 1855 wieder zugelassen. Einige Jahrzehnte später wurde Amalgam daher auch in Europa eingeführt. Die letzten Bedenken wurden beseitigt durch das 1899 erschienene, auf jahrelanger Forschungsarbeit basierende Werk Adolph Witzels „Das Füllen der Zähne mit Amalgam". Amalgam war nun seiner guten Eigenschaften wegen etabliert in der Füllungstherapie.
In den 20er Jahren warnten deutsche Toxikologen vor der Gefahr von Quecksilberplomben für Nerven und Immunsystem. Der deutsche Chemiker Prof. Alfred Stock, der die Auswirkungen von Quecksilber untersucht hatte, kam zu dem Schluss, dass die Zahnmedizin die Verwendung von Amalgam vermeiden sollte. In Wissenschaft und Öffentlichkeit entbrannte eine scharfe Debatte, die der Zweite Weltkrieg unterbrach. Während der sich über drei Jahrhunderte hinziehenden Debatte konnte eine wesentliche Gesundheitsgefährdung nicht direkt nachgewiesen werden. Und so wechseln sich Gutachten und Gegengutachten ab."

[ ©:  Spectator Dentistry Nr.6 / September 2007 ; Walter Hoffmann-Axthelm: Die Geschichte der Zahnheilkunde;  http://www.stadtarchiv-heilbronn.de/ ]

 
Basics: Amalgam im Zahnlexikon-Online

Anfang


9.) Kostenbremse mit Fallstricken - Zahnzusatz-Versicherungen decken nie alle Kosten ab

Eine vollständige Absicherung gegen hohe Zahnbehandlungskosten gibt es nicht. Versicherer, die Zusatzpolicen für Zahnersatz anbieten, beteiligen in der Regel den Patienten mit durchschnittlich 10 bis 15 Prozent der Gesamtrechnung, berichtet die "Apotheken Umschau".
Rüdiger Butz, Vizepräsident der Zahnärztekammer Nordrhein, rät Versicherungswilligen die Policen genau zu lesen. Einige Anbieter erstatten einen Anteil an den Gesamtkosten, andere kommen nur für einen Teil der verbleibenden Kosten nach Abzug des Festzuschusses der gesetzlichen Versicherung auf. Viele Zusatzversicherer bezuschussen darüber hinaus nur die "Regelleistungen" - zum Beispiel Metallgusskronen. "Spezialwünsche, wie etwa in den Zahn eingeklebte Porzellan-Inlays, werden auch von vielen Zusatzversicherungen nicht abgedeckt", sagt Butz. "Das ist der Fallstrick, auf den man den Vertrag auf jeden Fall abklopfen sollte."
Generell gilt, dass in jungen Jahren abgeschlossene Zusatzversicherungen viel preisgünstiger sind als bei einem Einstieg im höheren Lebensalter. Einige Versicherer lehnen schon 61-jährige Neukunden von vornherein ab.

[ ©:  PM Apotheken-Umschau ]

Anfang


10.) DAZ-Erhebung Qualitätssicherung - Patienten sind hoch zufrieden

Patienten sind mit ihren Zahnärzten und Zahnarztpraxen hoch zufrieden. Das ergab eine Erhebung der Brendan-Schmittmann-Stiftung (BSS) des NAV-Virchow-Bundes im Auftrag des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ).
Im Rahmen der Pilotphase des DAZ-eigenen Projektes zur "Qualitätssicherung in Zahnarztpraxen" wurde die Studie erstellt. Als empirische Basis dienten 9.059 Fragebögen, die zwischen 2004 bis Mai 2007 von den Patienten der am Projekt beteiligten 60 Praxen ausgefüllt wurden. Einige Kernaussagen:

--  Mehr als 90 Prozent der Patienten bewerteten die Praxen in Punkto Erscheinungsbild und persönliche Betreuung positiv. Das betrifft etwa den Umgang mit den Patienten, mit Behandlungsangst, die Wartezeiten oder die Räumlichkeiten.

--  Mehr als 90 Prozent bewerteten die Untersuchung und Behandlungsplanung als "sehr gut" oder "gut". Dazu gehören Informationen über Behandlung, Planung oder Ablauf genauso wie die Berücksichtigung persönlicher Erwartungen.

--  Hinsichtlich des Behandlungsablaufs und der Ergebnisse erging ebenfalls ein positives Urteil.

 
Die vollständige Studie kann gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro über den DAZ bestellt werden: Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) e.V. Irmgard Berger-Orsag, Belfortstr. 9, 50668 Köln, Tel. 0221/97300545, Fax 0221/7391239, Mail daz.koeln@t-online.de,  Internet http://www.daz-web.de

  [ ©: zm-online; pr/pm ]

Anfang


11.) Zum Schluss: Zahnersatz mit Nebenwirkungen

Im Bundesgesundheitsamt ist wegen Nebenwirkungen bei chinesischem Zahnersatz ein Krisenstab gebildet worden. Patienten mit Zahnersatz aus China klagen vermehrt darüber, dass ihnen jedes Mal das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn sie eine Katze oder einen Hund sehen ;-) .

[ aus einer zahnärztlichen Mailingliste ]

Anfang


NewsLetter ausdrucken

Erläuterungen zu Fachbegriffen unter http://www.zahnlexikon-online.de

Direkter WEB-Zugriff auf diesen Letter

disclaimer/rechtliches

Zum Archiv 2001 - 2007
NewsLetter abonnieren

Impressum

Herausgeber:    Dr. Klaus de Cassan, GF der ZiiS-GmbH
Verantwortlich:  Dr. Klaus de Cassan
Gesetzliche Pflichtangaben unter: http://www.ziis.de/impressum.htm

Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung der ZiiS-GmbH.
Bitte beachten Sie das Copyright (c) 2001-2007:
Copyright

Abmelden
----------
Der Bezug der ZahnNewsLetter ist kostenlos. Er wird ausschließlich an User versandt, die sich zuvor persönlich angemeldet und ein Kennwort erhalten haben.
Wenn Sie den ZahnNewsLetter abbestellen wollen, so senden Sie bitte eine E-Mail mit Angabe Ihres Kennwortes und dem Vermerk  UNSUBSCRIBE  in der Betreff-Zeile an die Adresse