Zahnärztlicher NewsLetter Nr. 11/2009/ 1. November 2009

Auch wenn sich Erleichterung breit gemacht hat, weil die Schweinegrippe zumeist einen milden Verlauf nimmt - Infektionsexperten empfehlen die Impfung für möglichst viele Menschen. Wer sich selbst schützt, bremst auch die Pandemie, denn wer nicht krank wird, kann die Erreger auch nicht weitergeben. ... Allerdings: Einen hundertprozentigen Schutz bieten Grippeimpfungen nicht. Das gilt wahrscheinlich auch für die Schweinegrippe. Von der Impfung gegen die saisonale Influenza sind Schutzraten von 70 bis 80 Prozent bekannt. Bei älteren Menschen ist der Erfolg geringer und wohl auch bei Kindern. (Aus "Apotheken Umschau")

Ihre ZahnNewsLetter-Redaktion

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Inhalt

 1.) Effekte der elektrischen Zahnbürste
 2.)
Am falschen Zahn gespart
 3.)
Wenn nachts die Zähne knirschen, kann tags der Rücken schmerzen
 4.) Implantate: Keine Belege für Zusatznutzen gegenüber konventionellen Prothesen
 5.)
Metallisches Glas für Knochenchirurgie
 6.) Neueste Daten zur Qualität der deutschen Krankenhäuser
 7.)
Arzneiprüfer wollen Zwang zur Veröffentlichung negativer Studienergebnisse
 8.)
EU will Verbraucher schützen - und lässt sie im Dunkeln stehen
 9.)
Leistungsdruck lastet vielen auf der Seele
10.)
Gesunde Fette - Die Chemie muss stimmen
11.) Heulsusen oder starke Männer: Warum weinen wir?
12.)
Zum Schluss: Von "Abflashen" bis "Zickenterror" - Neues Szene-Wörterbuch 
 


1.) Effekte der elektrischen Zahnbürste

Die AOK Rheinland/Hamburg rief zum Mitmachen bei einer großen Zahnpflegestudie auf, die an der Zahnklinik Düsseldorf durchgeführt wurde. Ziel war es, die Effizienz der elektrischen Zahnbürste versus Handzahnbürste zu untersuchen. 300 Interessenten konnten über zwei Monate testen, ob das elektrische Zähneputzen besser und effektiver ist als die gewohnte Zahnpflege mit der Handzahnbürste. Nach zwei Monaten fand eine Abschlussuntersuchung in der Zahnklinik der AOK statt.
Die Studie kommt zu folgenden Schlussfolgerungen:

--  Der Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste ist eine sichere und sinnvolle Ergänzung beziehungsweise Alternative zum Gebrauch der Handzahnbürste.

--  An unserer Studie an 300 Patienten konnten wir zeigen, dass 98 Prozent der Studienteilnehmer von der Zahnreinigung mit einer elektrischen Zahnbürste mit oszillierend- rotierender Technologie profitieren. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer konnte die Mundhygiene und daraus resultierend die Zahngesundheit verbessern.

--  Das Vorhandensein von Belägen konnte durchschnittlich um 74,3 Prozent und das Vorhandensein von Zahnfleischbluten um 90,6 Prozent reduziert werden.

--  Das subjektive Gefühl der Sauberkeit der Zähne konnte durch die klinische Studie bestätigt werden. Durch den gezielten Einsatz der elektrischen Zahnbürste und der Pflege der Zahnzwischenräume (Approximalbereich) mit Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürsten (Interdental-Bürsten) ist eine effektive Mundhygiene möglich.

Zum Lesen des vollständigen Berichts, bitte diesen Text anklicken

  [ © zm , Dr. Sören Hahn von Dorsche, Dr. Heike Scholtes, Zahnklinik der AOK Rheinland/Hamburg, soeren.hahnvondorsche@RH.AOK.DE  ]

 Basics:  Mundhygiene auf  www.Zahnwissen.de



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2.) Am falschen Zahn gespart

Fast jeder sechste Deutsche (15 Prozent) hat in den vergangenen drei Jahren eine Zahnbehandlung aus Kostengründen aufgeschoben. Beinahe ebenso viele (13 Prozent) haben im selben Zeitraum beim Zahnersatz eine geringere Qualität gewählt, weil das optimale Material zu teuer war. Das sind Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut ipsos (Repräsentative ipsos-Umfrage, August 2009; 1.000 Befragte ab 14 Jahren) im Auftrag der HanseMerkur Versicherungsgruppe. Das Erstaunliche dabei: Menschen mit einer Zahnzusatzversicherung verschieben Behandlungen beinahe genauso oft wie jene, die keine solche Versicherung abgeschlossen haben.

Zahnzusatzschutz ein Muss

„Die Ergebnisse der von uns angeregten Studie zeigen, dass wir unsere Kunden noch umfassender aufklären müssen“, folgert Eberhard Sautter, Vorstandsmitglied der HanseMerkur Versicherungsgruppe. „Eine Vertagung dringend notwendiger Behandlungen aus Kostengesichtspunkten ist die fatalste Entscheidung. Da uns bewusst ist, dass ein hochwertiger privater Zahnzusatzschutz nicht für alle Kunden finanzierbar ist, machen wir mit drei Produktvarianten Angebote für jeden Geldbeutel: vom Grundschutz EZ bis zum Hochleistungstarif EZP mit Leistungen zur professionellen Zahnreinigung und -versiegelung. In jedem Fall senkt bereits der von Finanztest als günstigstes Angebot der Branche prämierte EZ den Eigenanteil der Versicherten für Zahnersatz, Inlays und Implantate um 30 Prozent, und das auf Privatarztniveau“.

Je nach Umfang kann eine Zahnersatzbehandlung mehrere Tausend Euro kosten. Für viele Menschen unerschwinglich. Dabei sind Zahnzusatzversicherungen nicht einmal teuer oder können für einen geringen Mehrbeitrag deutlich aufgestockt werden. Für einen nur um etwa 11,50 Euro höheren Monatsbeitrag übernimmt zum Beispiel die HanseMerkur bis zu 100 Prozent der Kosten, wenn man sich für die reine kassenärztliche Regelversorgung entscheidet.

Warten kann teuer werden

Wer eine notwendige Zahnbehandlung nicht unmittelbar durchführen lässt, spart am falschen Ende. Denn meistens steigert Abwarten die Kosten: Durch eine Verletzung des harten Zahnschmelzes oder durch eine lockere Füllung gelangen Bakterien in das relativ weiche Zahninnere. Dort können sie innerhalb weniger Wochen Schäden anrichten, die später aufwändig repariert werden müssen. Auch beim Versicherungsschutz ist Abwarten die falsche Strategie: Wer zum Beispiel eine Zusatzversicherung erst nach der Diagnose abschließt, kann für die laufende Behandlung keine Erstattung erwarten. Deshalb gilt: Erst ausreichend absichern, so dass eine Zahnersatzbehandlung die Haushaltskasse nicht über Gebühr strapazieren würde – und dann beruhigt zum Zahnarzt gehen.
 

  [ ©:  PM der HanseMerkur Versicherungsgruppe ]

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3.) Wenn nachts die Zähne knirschen, kann tags der Rücken schmerzen

Die Wechselwirkung zwischen dem Mund und dem übrigen Körper sind vielfältiger als weitläufig bekannt. Darauf wiesen die Experten kürzlich auf der Herbst-Pressekonferenz des Kuratoriums perfekter Zahnersatz (KpZ) hin.
So lassen sich chronische Kopf- und Rückenschmerzen in manchen Fällen auf fehlende Zähne, nächtliches Zähneknirschen oder schlecht sitzenden Zahnersatz zurückführen. Unbehandelte Zahnfleischerkrankungen wiederum können das gesamte Immunsystem schwächen und ein schlecht eingestellter Diabetes zieht häufig Zähne und Zahnfleisch in Mitleidenschaft.
"Diese Zusammenhänge sind frappierend komplex und vielen Patienten wie auch Medizinern und Therapeuten nicht immer präsent", resümierte Prof. Dr. med. dent. Klaus M. Lehmann, vom wissenschaftlichen Beirat des KpZ. Sei dieses Wissen bekannter, könnten Patienten noch gezielter behandelt werden und sich unter Umständen lange Leidenswege ersparen, so Lehmann. Die Teamarbeit von (Zahn)-Medizinern und Dentallaboren vor Ort gewinne mit der Komplexität der Aufgaben deutlich an Bedeutung.

  [ PM Kuratorium perfekter Zahnersatz]

  Basics: Knirschen im Zahnlexikon-Online

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4.) Implantate: Keine Belege für Zusatznutzen gegenüber konventionellen Prothesen

IQWiG sieht Nachholbedarf bei guten Studien zu zahnmedizinischen Verfahren

Mangels aussagekräftiger Studien bleibt unklar, ob Patientinnen und Patienten mit einer verkürzten Zahnreihe einen Vorteil davon haben, wenn der Zahnersatz auf ein im Kiefer fest verankertes Implantat aufgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt der am 28. September 2009 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) diese sogenannten implantatgetragenen Suprakonstruktionen mit konventionellem Zahnersatz verglichen. Dieser ist entweder herausnehmbar oder an noch vorhandenen "natürlichen" Zähnen befestigt.

Prothese wird in künstlicher Zahnwurzel verankert

Von einer verkürzten Zahnreihe sprechen Zahnärzte dann, wenn Zähne am Ende des oberen oder unteren Kiefers nicht mehr vorhanden sind. Wie bei der Zahnlücke gibt es verschiedene Möglichkeiten, Ersatz zu schaffen: Als Alternative zur konventionellen Prothese kann eine künstliche, häufig aus Titan gefertigte Zahnwurzel in den Kiefer eingepflanzt werden (enossales Implantat). Auf dem Gewinde dieses Implantats sitzt der Kronenaufbau, auf dem dann die Suprakonstruktion, also der sichtbare Teil des Zahnersatzes, verankert wird. Leitlinien empfehlen solche implantatgetragenen Suprakonstruktionen insbesondere bei Kieferdefekten, etwa bedingt durch Knochenschwund (Kieferathropie) oder Unfälle.

Keine ausreichende Evidenz

Den Nutzen für Patientinnen und Patienten macht das IQWiG an vier Zielgrößen fest: Zum einen daran, wie die Patienten ihre Mundgesundheit selbst erleben ("mundgesundheitsbezogene Lebensqualität"). Zum anderen daran, wie lange der Zahnersatz funktionstüchtig ist ("Funktionsdauer"). Weitere Zielgrößen sind die "Kaueffektivität", d.h. der Aufwand, der nötig ist, um Speisen schluckfähig zu machen sowie die Ernährung.

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch feststellen mussten, ist die Studienlage unzureichend. Dabei hatten sie sich bei ihrer Recherche nicht nur auf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) beschränkt, sondern auch kontrollierte Studien ohne zufällige Zuteilung der Patienten einbezogen. Berücksichtigt wurden überdies Fallserien, sofern diese bestimmten Mindestanforderungen genügten.

Dennoch konnten sie für keine der vier Zielgrößen methodisch belastbare Studien bzw. belastbare Evidenz ausfindig machen, die es erlaubt, verlässliche Aussagen zu Vor- oder Nachteilen der Therapiealternativen zu machen. Das Institut kommt vielmehr zu der Schlussfolgerung, dass es für den implantatgetragenen im Vergleich zum konventionellen Zahnersatz bei verkürzten Zahnreihen weder Hinweise noch Belege für einen Zusatznutzen gibt.

Weitere Forschung notwendig

Das Institut empfiehlt dringend, weitere klinische Vergleiche anzustellen. Insbesondere zur Bewertung der "Kaueffektivität" werden Studien benötigt, die verschiedene Altersgruppen unterscheiden, prospektiv den Einsatz von Implantaten und Prothesen untersuchen und auch die Tragezeiten der Prothesen in standardisierter Form berücksichtigen.

In der Zahnmedizin gibt es zwar besondere Einschränkungen für Studien, etwa durch die Art der Kostenerstattung oder die Unmöglichkeit der Verblindung. Dennoch ist das IQWiG der Auffassung, dass auch in diesem medizinischen Bereich Studien möglich und notwendig sind, die hinreichend sichere und interpretierbare Daten liefern.

Gesundheitsökonomische Bewertung nicht möglich

Die Gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherten seit 2005 pauschal einen Betrag, den sogenannten Festzuschuss, unabhängig davon, für welche Art des Zahnersatzes sie sich entscheiden. Mit dem vorliegenden Bericht sollte daher nicht nur den Nutzen, sondern auch die Kosten der beiden Therapiealternativen durch das IQWiG untersucht werden.

Die Recherche nach gesundheitsökonomischen Studien zur Fragestellung verlief allerdings ergebnislos, ebenso eine Anfrage bei der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) nach den durchschnittlichen Fallkosten für die jeweiligen Versorgungsgruppen. Es war deshalb nicht möglich, wie vom G-BA gewünscht, auch die Wirtschaftlichkeit der Therapiealternativen vergleichend zu bewerten.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG Mitte Januar 2009 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht Ende Juli 2009 an den Auftraggeber versandt. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

  [ ©:  Kontakt: Tel. 0221-35685-0 , info@iqwig.de ]

  Basics:  Suprakonstruktion, Zahnreihe  im Zahnlexikon-Online

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5.) Metallisches Glas für Knochenchirurgie

Chirurgen sollen künftig Knochenbrüche mit Schrauben und Platten aus Metall fixieren, die der Körper während der Heilung biologisch abbaut. Diesem Ziel sind Wissenschaftler der ETH Zürich mit der Entwicklung eines neuartigen metallischen Glases einen großen Schritt näher gekommen.
Bis heute fixieren Chirurgen gebrochene Knochen meist mit Schrauben und Platten aus rostfreiem Stahl oder Titan. Diese müssen sie dann in einer weiteren Operation entfernen, da der menschliche Körper diese Werkstoffe nicht abbauen kann. Materialforscher suchen deshalb nach metallischen Legierungen, die den Knochen eine Zeit lang stabilisieren, sich danach aber auflösen und vom Körper resorbiert werden. Besonders interessante Materialien sind Legierungen auf der Basis von Magnesium. Dieses Leichtmetall ist mechanisch stabil und baut sich vollständig unter Freisetzung von körperverträglichen Ionen ab. Magnesium hat aber einen schwerwiegenden Nachteil: Beim Abbau bildet sich Wasserstoff (H2), der dem Körper schaden kann. Um die Stellen, an denen die Magnesiumteile eingepflanzt wurden, entstehen Gasblasen, die das Knochenwachstum und damit die Heilung behindern und zu Entzündungen führen können.

Keine Nebenwirkungen dank mehr Zink

Diese unerwünschte Nebenwirkung haben nun Materialforscher um Jörg Löffler, Professor für Metallphysik und -technologie am Departement Materialwissenschaft der ETH Zürich, beseitigen können. Sie haben nicht nur eine völlig neue, körperverträgliche Legierung aus Magnesium, Zink und Kalzium entwickelt, sondern diese auch mit einem speziellen Verfahren gegossen und so ein metallisches Glas produziert. Metallische Gläser werden durch schnelles Abkühlen aus der Schmelze hergestellt. Dadurch können sich die Atome nicht in einer Gitterstruktur anordnen und bilden eine ungeordnete, das heisst amorphe Struktur, ähnlich wie die von Fensterglas (daher auch der Name "metallisches Glas"). Mit dieser Methode gelang es den Wissenschaftlern, der Magnesiumschmelze mehr Zink beizumengen als dies bei herkömmlichen Legierungen möglich ist. Ihre Forschung stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachmagazins Nature Materials vor.

Die von den ETH-Forschern Bruno Zberg, Peter Uggowitzer und Jörg Löffler entwickelte Legierung enthält bis zu 35 Prozent Zink- und 5 Prozent Kalzium-Atome, und der Rest entfällt auf Magnesium. Eine herkömmliche, kristalline Magnesium-Legierung kann dagegen höchstens 2,4 Prozent Zink-Atome enthalten. Ist deren Anteil höher, bildet sich eine unerwünschte kristalline Phase innerhalb des Magnesiums aus. Der große Vorteil des hohen Zinkgehalts ist das grundlegend veränderte Korrosions- und Abbauverhalten. Klinische Tests mit kleinen Plättchen aus der neuartigen Magnesium-Zink-Kalzium-Legierung zeigten keine Wasserstoffentwicklung während des Abbaus.

Potenzial für Knochenchirurgie erkannt

"Die neuartige Legierung in Form des metallischen Glases hat großes Potenzial für die Knochenchirurgie", ist Jörg Löffler überzeugt. Die Legierung und ihre Anwendungen als Implantatwerkstoff wurden deshalb bereits zum Patent angemeldet. Mit weiteren Forschungsarbeiten und klinischen Tests soll das neue metallische Glas in den nächsten Jahren bis zur Marktreife gebracht werden. Chirurginnen und Chirurgen können die neue Legierung dann routinemäßig bei Operationen einsetzen. Denkbar sind nicht nur Fixierungen zur Behandlung von Knochenbrüchen, sondern auch Stent-Implantate für Eingriffe im Gefäßsystem. "Es wäre schön, wenn wir mit unserer Forschung etwas zum Wohle von Patienten beitragen könnten", sagt der ETH-Professor.

  [ ©:  http://www.ethz.ch  ]

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6.) Neueste Daten zur Qualität der deutschen Krankenhäuser

Die Weisse Liste, das unabhängige und nicht-kommerzielle Internetportal (==> http://www.weisse-liste.de/), veröffentlicht die neuesten Informationen zum Leistungsangebot und zur Qualität der rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland. Das Portal der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen greift dafür auf die gerade erschienenen Qualitätsberichte der Kliniken für das Jahr 2008 zurück. Um Patienten und Angehörige bei der Suche nach dem für sie passenden Krankenhaus zu unterstützen, werden die Berichte in der Weissen Liste leicht verständlich und nutzerfreundlich aufbereitet. Zudem bietet das Portal ab Oktober 2009 verschiedene neue Funktionen und Services, darunter eine individuell erstellbare PDF-Broschüre, die passgenau auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten ist und alle wichtigen Informationen seiner Krankenhaussuche bündelt.

Übergeordnetes Ziel der Weissen Liste ist es, das Gesundheitssystem transparenter und verständlicher zu machen. Die Krankenhaussuche ist der erste Schritt, Informationen über weitere Gesundheitsanbieter sollen folgen. Das Portal ist seit Juni vergangenen Jahres unter www.weisse-liste.de online zugänglich und konnte seitdem schon 4,5 Millionen Besuche verzeichnen. Zudem haben alle gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit, die Krankenhaussuche in ihren Internetauftritt einzubinden. Neben der BARMER, der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) und der KKH-Allianz veröffentlichen ab heute auch die AOK und die DRÄGER & HANSE BKK die Weisse Liste in ihrem Internetangebot. Die Kassen informieren insgesamt rund 34 Millionen Versicherte mithilfe des Portals.

Patienten, Angehörige und Patientenberater können sich in der Weissen Liste zum Beispiel über die Qualifikation der Krankenhausärzte, über die vorhandenen medizinischen Geräte oder über die Erfahrung der Kliniken mit speziellen Behandlungen informieren. Zudem fließen Informationen zur Zufriedenheit ehemaliger Patienten in das Portal ein; alle Kliniken können an einer standardisierten Patientenbefragung teilnehmen. Ein integrierter Diagnosen-Dolmetscher, rund 4.000 allgemeinverständlich übersetzte Fachbegriffe und ein spezieller, interaktiver Suchassistent machen es möglich, dass die Nutzer auch ohne Fachkenntnisse in der Weissen Liste suchen und Krankenhäuser direkt miteinander vergleichen können. Die ab heute angebotene PDF-Broschüre richtet sich auch an Patientenberater und Ärzte, die mit der Broschüre Ratsuchende auch außerhalb des Internets informieren können.

Die Weisse Liste ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE (BAG SELBSTHILFE), Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen, FORUM chronisch kranker und behinderter Menschen im PARITÄTISCHEN Gesamtverband, Sozialverband Deutschland (SoVD), Sozialverband VdK Deutschland und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Schirmherrin der Weissen Liste ist die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel. Die Initiatoren wollen mit der Weissen Liste eine individuelle Entscheidungshilfe für Patienten und Angehörige zur Verfügung stellen.

 [  ©:  http://www.weisse-liste.de/  ]

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7.) Arzneiprüfer wollen Zwang zur Veröffentlichung negativer Studienergebnisse

Kritische Wissenschaftler vermuten, dass etwa die Hälfte der Daten aus Medikamenten-Studien nicht veröffentlicht werden. Dies kann im schlimmsten Fall zur Folge haben, dass schwerwiegende Mängel eines Präparates nicht bekannt werden. In den USA gilt seit 2008 ein Gesetz, nach dem alle Medikamentenstudien auf der Internetseite http://clinicaltrials.gov/ registriert werden müssen. "Wir halten eine solche gesetzliche Regelung auch in Deutschland für notwendig", erklärt Beate Wieseler vom "Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Das per Gesetz geschaffene Institut hatte kürzlich beim Überprüfen eines Antidepressivums ermittelt, dass dazu rund 4000 Personen an Studien beteiligt, aber nur über 1600 Ergebnisse zu finden waren. Die Pharmaindustrie verweist auf ihre Freiwillige Selbstkontrolle, die Firmen seit 2008 zur Offenlegung aller Daten verpflichte, und sieht keine Notwendigkeit für ein Gesetz.

 [  ©:  "Apotheken Umschau" ]

  Basics: 
Pharmakon  im Zahnlexikon-Online

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8.) EU will Verbraucher schützen - und lässt sie im Dunkeln stehen

Nach Analogkäse, Formschinken und "Garnelen" aus Fischresten wird der Ruf nach mehr Verbraucherschutz wieder lauter. Empörte Konsumenten fordern bessere Aufklärung und Schutz vor dubiosen Tricks der Lebensmittelbranche. Doch in einigen Bereichen müht sich die EU längst, ihren Bürgern zur Seite zu stehen und zweifelhafte Marketingstrategien zu unterbinden: Für gesundheitsbezogene Angaben auf Verpackungen wird es bald eine europaweit einheitliche Positiv-Liste geben - alle anderen Aussagen sind dann verboten. Ob diese strenge Regulierung allerdings dem Verbraucher nützen wird, bleibt fraglich.

Kaum eine Branche muss momentan so stark gegen ihr "Bad Boy"-Image kämpfen wie die Nahrungsmittelindustrie: Verbandssprecher werden regelmäßig in Talkshows und Podiumsdiskussionen zum Prügelknaben, die Wut der Verbraucher entlädt sich stets auf Hersteller, die scheinbar billigste Ware für teures Geld vermarkten wollen. Dass das Thema Essen meist zu sehr emotionalen Debatten führt, liegt nahe. Nicht nur, dass niemand minderwertige Produkte mit einem gewissen Ekelfaktor verzehren möchte: Essen sorgt heutzutage für weit mehr aus als Sättigung und Genuss. Essen soll die nötige Kraft für einen hektischen Alltag geben, Essen soll fit und gesund halten. Essen ist Lifestyle, Wellness, häufig auch ein Statussymbol. Das zumindest hat die Werbeindustrie den Verbrauchern jahrelang vermittelt und ihnen damit auch ein gutes Lebensgefühl gegeben. "Lecker und gesund" sind häufig die Kriterien, nach denen der Kunde im Supermarkt Waren aussucht - mit dem wohligen Glauben, seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Gigantisches Projekt führt zu Verboten

Ob und wie gesund bestimmte Lebensmittel sind, soll seit einiger Zeit von EU-Behörden ermittelt und europaweit festgelegt werden. Verbraucherschutz wird seit Jahren in Brüssel groß geschrieben, haltlose Versprechen soll es in Zukunft auf Lebensmittelverpackungen nicht mehr geben. Im Jahr 2006 trat die sogenannte Health-Claims-Verordnung in Kraft, die gesundheitsbezogene Aussagen wie "stärkt die Abwehrkräfte" auf Lebensmittelverpackungen regeln sollte. Die Verordnung ist weltweit einmalig: Sie verbietet nicht einzelne Aussagen, sondern verbietet alle Aussagen, die von der EU nicht explizit zugelassen sind. Dass die Verantwortlichen damit ein gigantisches Projekt ins Leben gerufen hatten, war vermutlich vielen Beteiligten anfangs kaum klar. Doch wenn man Verbrauchern und Herstellern mit der Regelung gerecht werden wollte, müsste nahezu das gesamte aktuelle Wissen der Ernährungsforschung überprüft werden.

Vor gut drei Jahren beauftragte die EU-Kommission laut Health-Claims-Verordnung (Verordnung EG 1924/2006) alle nationalen Behörden, von der Wirtschaft zu vermarktende gesundheitsbezogene Aussagen zu sammeln. Insgesamt 40.000 Anträge landeten in Brüssel, die nach einer Vorauswahl zu mehr als 4.000 Eingaben zusammengefasst wurden. Nun begann die harte Prüfungsarbeit: Sind die 4.000 Slogans wissenschaftlich betrachtet hieb- und stichfest? Um dies abzuschätzen, haben Experten-Gremien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA, European Food Safety Authority) die Anträge genau unter die Lupe genommen und bewertet. Bis zum 31.01.2010 sollte die Liste der genehmigten Aussagen veröffentlicht werden. Doch die Masse an Anträgen überforderte die Behörde im italienischen Parma, ein Überschreiten der Frist um etwa zwei Jahre ist jetzt schon gewiss. In dieser Woche soll ein Teil der Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden, mit Spannung wartet die Industrie auf die Beurteilungen.

Auswirkungen für den Verbraucher kaum absehbar

In den deutschen Medien ist über dieses Mammutprojekt bislang kaum berichtet worden: Zu unübersichtlich ist das große Netz verschiedener Parteien, kaum absehbar die Auswirkungen auf den Markt und die Verbraucher. Erst jetzt dringen einige Entscheidungen der EFSA nach außen, die an der Sinnhaftigkeit des Systems zweifeln lassen. Offensichtlich lehnt die EFSA zahlreiche Health Claims aus formalen Gründen ab, weil sie diese nach ihren starren Richtlinien nicht bewerten kann. Zum Teil entbehren die von der EFSA angewandten Bewertungsmaßstäbe allerdings jeglicher rechtlichen Grundlage und wurden von der Behörde eigenständig eingeführt. Für die Gremien in Parma wird die Arbeit dadurch zwar stark erleichtert, für die Antragsteller endet das Verfahren damit jedoch häufig in einem Negativ-Bescheid. So weigert sich die EFSA derzeit Health Claims zu bewerten, die eine vergleichende Gesundheitsaussage machen. Darunter fallen Hinweise auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Lebensmitteln, die beispielsweise wenig Transfette oder einen niedrigen Kochsalzgehalt besitzen. Besonders ärgerlich: Auch der Begriff "zahnfreundlich", der zusammen mit dem Zahnmännchen-Siegel die Konsumenten seit Jahrzehnten auf wissenschaftlich getestete Produkte hinweist, könnte der rigiden Ablehnungspolitik der EFSA zum Opfer fallen. Der Zahnmediziner Professor Matthias Hannig von der Universität Homburg sieht hierin alles andere als Verbraucherschutz: "Das Verschwinden des Zahnmännchens wäre völlig kontraproduktiv. Es ist in der Ernährungsberatung eine einfache Orientierungshilfe, mit der Patienten leicht Produkte erkennen können, die weder Karies noch Erosionen verursachen."

Verbraucherinformationen fallen unter den Tisch

Der Versuch der EFSA, die Prinzipien der Arzneimittelbewertung auf Lebensmittel zu übertragen, scheint ohnehin ein fraglicher Ansatz zu sein. Denn wer möchte den gesundheitlichen Wert eines Nahrungsmittels einzig an bestimmten Inhaltsstoffen festmachen? Eine ganzheitliche Betrachtung von Produkten ist in den Bewertungsschemata der EFSA allerdings nicht vorgesehen.

Es zeigt sich ein weiteres Mal, dass die viel beschworene Harmonisierung im vereinten Europa nicht ganz so reibungslos verläuft, wie sich manch zuversichtlicher Eurobürger das gewünscht hatte. Kenner der Brüsseler Strukturen machen die Konkurrenz von nationalen und europäischen Behörden dafür verantwortlich, dass offizielle Entscheidungen der EFSA mit bedingungsloser Härte getroffen werden - niemand möchte sich angreifbar machen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass wichtige Verbraucherinformationen wegen der strengen Bewertungsmaßstäbe künftig unter den Tisch fallen werden.

Kritiker monieren auch die wirtschaftlichen Folgen der momentanen Situation. Denn viele kleine und mittelständische Unternehmen werden kaum in der Lage sein, große Humanstudien für ihre Produkte zu finanzieren. Damit wären sie klar im Nachteil gegenüber Großkonzernen. Doch selbst Unternehmen mit der nötigen finanziellen Ausstattung zeigen sich verunsichert. So zog Danone im April Anträge zurück, in der Angst Claims nicht bewilligt zu bekommen. Denn eine Ablehnung erschwert den Versuch, im zweiten Anlauf auf die Positivliste zu kommen. Für viele Unternehmen stellt sich nun ohnehin die Frage: Lohnt es sich weiterhin Innovationen im Gesundheitsbereich voranzutreiben, wenn Werbung für die Verbesserung zu einem schlecht kalkulierbaren Faktor wird? Möglicherweise investieren Unternehmen künftig in völlig andere Marketingstrategien, wenn gesundheitliche Effekte nur noch sehr eingeschränkt erwähnt werden dürfen.

Keine spürbare Verbesserung des Verbraucherschutzes

Doch nicht nur die Forschungstätigkeit innerhalb der Industrie könnte sich verändern - auch an den Universitäten und anderen ernährungswissenschaftlichen Einrichtungen wird die Health-Claims-Verordnung deutliche Spuren hinterlassen. Da viele Forschungsprojekte auch an Universitäten industriefinanziert sind, wird in Zukunft weniger Geld für Grundlagenforschung bleiben. Professor Andreas Hahn vom Institut für Lebensmittelwissenschaft an der Uni Hannover ist in ständigem Kontakt mit Nahrungsmittelproduzenten und sieht die Forschung durch die Verordnung in eine einseitige Richtung gedrängt: "Viel stärker als bisher wird es zweckgerichtete Forschung mit dem Ziel 'günstiger' Resultate geben, was wissenschaftlich gesehen kontraproduktiv ist!" Denn einen langfristigen und nachhaltigen Erkenntnisgewinn liefern nur Studien, die nicht von vorne herein auf ein bestimmtes Ergebnis abzielen. Hahn kritisiert die überzogenen und wenig transparenten Kriterien, nach denen die EFSA unzählige Health Claims ablehnt. Viele Bewertungen seien nicht sachgerecht und führten dazu, dass dem Konsumenten nützliche Informationen vorenthalten würden. Zudem entstünden durch die Verordnung enorme Kosten, ohne dass eine spürbare Verbesserung des Verbraucherschutzes erreicht würde. Denn seit Langem schon wagt kaum ein Hersteller mit fragwürdigen Heilsversprechen seine Konkurrenz auszustechen: Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb beinhaltet ein Irreführungsverbot, das all zu dreiste Hochstapler schnell juristisch in die Schranken weist.

  [ ©:  Dr. rer. nat. Mario Lips ; Aktion zahnfreundlich ]

  Basics:  Aktion zahnfreundlich  im Zahnlexikon-Online

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9.) Leistungsdruck lastet vielen auf der Seele

Knapp jeder dritte erwerbsfähige Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren leidet einmal im Jahr an einer Störung des seelischen Wohlbefindens. Darauf hat die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Cornelia Goesmann, anlässlich des Welttages für seelische Gesundheit hingewiesen.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mindestens einmal eine psychische Erkrankung zu entwickeln, liege in Deutschland sogar bei knapp 43 Prozent, sagte die Hausärztin und Psychotherapeutin auf einem Symposion ihrer Kammer und des Aktionsbündnisses für Seelische Gesundheit am Dienstag in Berlin. Thema der Veranstaltung waren psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Etwa eine halbe Million Deutsche sei derzeit von einer chronischen psychischen Krankheit betroffen.

Trotz des gewachsenen Verständnisses der Bevölkerung über psychiatrische Erkrankungen seien Kranke, Angehörige und Behandelnde im Privatleben wie auch in der Arbeitswelt immer noch Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt, sagte Goesmann. Nach Ansicht der Mediziner ist die Teilhabe von Menschen an einem erfüllten Berufsleben jedoch ein wichtiger Baustein zu Erhalt und Wiedererlangung der psychischen Gesundheit.

Laut Professor Andreas Weber vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sind Deutschlands Arbeitgeber hierauf allerdings mitnichten eingestellt, im Gegenteil: Weber weist der Arbeitswelt sogar einen großen Anteil an der im Vergleich zu anderen Erkrankungen steigenden Zahl psychischer Krankheiten am Arbeitsplatz zu. Eine Ursache hierfür ist für ihn die Globalisierung, die den 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche verfügbaren Arbeitnehmer postuliere und einem "totalitären Wettbewerb" den Weg geebnet habe. Dieser setze bereits nach dem Kindergarten ein.

Folgen dieses Epochenwandels seien Arbeitsverdichtung, die ständige Sorge um den Arbeitsplatz, eine fehlende Anerkennung am Arbeitsplatz, Mehrfachbeschäftigungen sowie prekäre oder befristete Beschäftigungsverhältnisse. So habe jeder dritte Arbeitnehmer heute nur noch einen befristeten Arbeitsvertrag. "Aus der Generation Praktikum ist eine Generation Dauercasting geworden", betonte Weber.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch psychische Erkrankungen belaufe sich allein in Deutschland auf 50 bis 100 Milliarden Euro, so der Mediziner unter Berufung auf Schätzungen. Mit den Erkrankungen sei in vielen Fällen eine Abwärtsspirale bis hin zu Frühverrentung der Betroffenen verbunden. Deren Durchschnittsalter liege derzeit bei 48 Jahren, die durchschnittliche Rente betrage etwa 600 Euro im Monat. "Was machen wir mit diesen Menschen?", fragte Weber.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Professor Frank Schneider, warnte vor einer Unterversorgung von psychisch Kranken sowohl im ambulanten wie im stationären Sektor. Positiv sei, dass sich die Menschen heute deutlich öfter zum Psychiater trauten, als dies früher der Fall gewesen sei.

 
[
 ©: Ärztezeitung
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10.) Gesunde Fette - Die Chemie muss stimmen

Chemische Formeln und gesunde Ernährung schmeißt nicht jeder sofort in einen Topf. Dabei lassen sich gesunde und weniger gesunde Nahrungsfette mit ein paar Grundkenntnissen der Fettchemie leicht unterscheiden. Hauptbestandteil der Fette ist eine Verbindung aus dem Alkohol Glycerin und ein bis drei Fettsäuren. Der chemische Aufbau dieser Fettsäuren und deren mengenmäßige Zusammensetzung sind für jedes Fett ein charakteristisches Bewertungskriterium: das so genannte Fettsäureprofil. Dieses bestimmt, ob ein Fett flüssig oder fest und damit besonders gesund oder weniger wichtig für den Körper ist.
Fettsäuren sind kettenförmige Verbindungen (Moleküle) unterschiedlicher Länge, die hauptsächlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Jedes Kohlenstoffatom kann vier Bindungen eingehen, der Wasserstoff nur jeweils eine. Bei den gesättigten Fettsäuren sind die Kohlenstoffatome jeweils über eine einfache Bindung miteinander verknüpft. Die verbleibenden zwei Bindungsstellen jedes Kohlenstoffatoms besetzen Wasserstoffatome. So ein Molekül richtet sich automatisch zick-zack-förmig aus. Fette mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren sind daher fest, denn die zick-zack-förmigen Verbindungen gruppieren sich ganz eng aneinander - fast wie bei einem Puzzle. Butter, Schmalz oder Kokosfett sind fest. Wegen ihres hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren sollten sie nur in Maßen verzehrt werden.
Bei den ungesättigten Fettsäuren bildet sich zwischen zwei Kohlenstoffatomen eine so genannte Doppelbindung aus. Entsprechend weniger Wasserstoffatome werden gebunden. Hat eine Fettsäure mehr als eine Doppelbindung, wird sie als "mehrfach ungesättigt" bezeichnet. Doppelbindungen brechen die regelmäßige zick-zack-förmige Struktur des Fettsäuremoleküls auf. Ungesättigte Fettsäuren können sich daher nicht so eng aneinander lagern. Fette, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind, sind deshalb flüssig. Sie werden auch als Öle bezeichnet.
"Viele Fettsäuren kann unser Körper zwar auch selbst herstellen, einige mehrfach ungesättigte Fettsäuren aber nicht. Sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Deshalb ist die Fettqualität so wichtig für eine gesunde Ernährung", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Maria Flothkötter vom aid infodienst. Über die Nahrung müssen bestimmte essentielle Fettsäuren vom Typ omega-6 und omega-3 zugeführt werden. Der griechische Buchstabe omega, kombiniert mit einer Ziffer gibt an, wo die Doppelbindung im Fettsäuremolekül sitzt. Rapsöl und Fischfette sind reich an omega-3-Fettsäuren. Besonders hohe Mengen an omega-6-Fettsäuren liefern zum Beispiel Sonnenblumen- und Maiskeimöl. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein Verhältnis von omega-6 zu omega-3 von 5:1. Tatsächlich nehmen wir aber viel mehr omega-6-Fettsäuren zu uns, was wiederum die Aufnahme der wichtigen omega-3-Fettsäuren behindert. Letztere braucht der Körper für den Aufbau von Zellwänden und Nervenzellen, vor allem in Auge und Gehirn. Außerdem sind sie die Vorstufen hormonähnlicher Stoffe, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Blutdruck, Blutgerinnung und bei Entzündungsreaktionen spielen.

  [ ©:  aid, Dr. Christina Rempe ]

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11.) Heulsusen oder starke Männer: Warum weinen wir?

Frauen weinen bis zu 64 Mal im Jahr, Männer höchstens 17 Mal. Allerdings nicht von klein auf - dieser Unterschied bildet sich erst mit den Jahren heraus. Dies belegt, dass Weinen vor Freude, Trauer oder Zorn erlernt ist, stellen Augenärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) fest. In der Wissenschaft kursieren verschiedene Theorien, warum gefühlsmäßig bedingte Tränen fallen und was Menschen emotional weinen lässt. Eine Übersichtsarbeit vergleicht jetzt diese "Tränen-Thesen".

Bis zum 13. Lebensjahr weinen Jungen und Mädchen etwa gleich häufig. Später ändert sich das Bild: Männer weinen sechs bis 17 Mal pro Jahr, Frauen 30 bis 64 Mal. Männer lassen zwei bis vier Minuten lang die Tränen kullern, Frauen dagegen sechs Minuten. Weinen geht bei 65 Prozent der Frauen in Schluchzen über, aber nur bei sechs Prozent der Männer. "Weibliches Weinen wirkt länger, dramatischer und herzzerreißender", sagt Privatdozentin Dr. Elisabeth Messmer von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

Auch die Anlässe sind verschieden: Frauen weinen am ehesten, wenn sie sich unzulänglich fühlen oder vor schwer lösbaren Konflikten stehen. Aber auch, wenn sie sich vergangener Lebensepisoden erinnern. Männer hingegen weinen häufig aus Mitgefühl oder wenn die eigene Beziehung gescheitert ist. Dennoch bleibt emotionales Weinen rätselhaft: "Der Nutzen und die Besonderheit emotionaler Tränen sind weitgehend unerforscht und spekulativ", sagt Professor Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik in Frankfurt am Main. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Weinen seien meist beschreibend und unsystematisch. Deshalb hat Messmer die Thesen nun in einer Überblicksarbeit geprüft (Der Ophthalmologe, 2009, 106, 593).

Dazu zählt die Annahme, es reinige und tue gut, sich auszuheulen. Psychologen sprechen hier vom Katharsis-Effekt. Doch nach dem Weinen geht es den Menschen nicht besser, zeigen Studien. Es sei denn, der Anlass für ihre Tränen ist vorüber. Dass Tränen dazu dienen, giftige Stoffe aus dem Körper auszuschwemmen, hält empirischen Befunden ebenfalls nicht stand. Zwar ist es möglich, über Tränen bestimmte Substanzen auszuscheiden. Doch die Menge ist vernachlässigbar. Zudem nimmt der Körper das Gros der Tränenflüssigkeit wieder auf. Auch dass Weinen körperlich entspannt, ist nicht haltbar: Während des Weinens sind Menschen körperlich erregt - vom Anfang bis zum Ende.

Zwar lassen sich Tränen manipulativ einsetzen. Angeblich machen Frauen von diesem Mittel eher Gebrauch als Männer. Beweise für diese These fehlen jedoch bislang. "Menschen weinen auch nicht allein, um Aufsehen zu erregen", widerspricht Messmer einer verbreiteten Meinung. Denn Weinen ist zwar ein wirksames kommunikatives Signal: Es ruft Helfer und Tröster auf den Plan. Dafür spräche, dass Menschen vor allem in der Gruppe heulen. Doch wie eine Studie belegt, weinen wir eher im stillen Kämmerlein als auf der sozialen Bühne. Menschen in "Weiner" und "Nicht-Weiner" zu unterteilen, scheint ebenfalls wenig hilfreich. Danach gelten Weiner als sentimental, hysterisch, manipulativ. Nicht-Weiner stehen im Ruf, diszipliniert zu sein. Ihnen wird häufig ein "Gefühl der Leere" nachgesagt, ohne dass es dafür jedoch Belege gibt. Um "emotionale Tränen" ranken sich viele Thesen, fasst Messmer zusammen: "Viele dieser vermeintlich wissenschaftlichen Theorien sind bis heute leider nicht belegt."

Weinen Schwangere, so könnte dies tatsächlich an den Hormonen liegen. Sie schütten vermehrt das Milchbildungshormon Prolactin aus. Doch Menschen, deren Prolactin-Rate dauerhaft erhöht ist, weinen genauso oft oder selten wie Menschen mit normalen Werten. Auch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen beeinflusst emotionales Weinen nicht nachweisbar. "Wie der Mensch weint, lässt sich zwar physiologisch genau erklären, doch warum, das wissen wir bislang immer noch nicht", ergänzt Ohrloff.

  [ ©: Ärztezeitung ]

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12.) Zum Schluss: Von "Abflashen" bis "Zickenterror" - Neues Szene-Wörterbuch

Wenn ein "MoF" (Mensch ohne Freunde) mal wieder total "gepsycht" (gestresst mit Folgen für die Befindlichkeit) vom "Pärchenterror" eines "Fruppies" (frustrierten Yuppies) und einer "Fashionista" (sehr modebewussten Frau) ist, dann macht ihm vielleicht der unterhaltsame Szene-Duden bessere Laune.

Vor ein paar Wochen erst ist der neue "Duden - Die deutsche Rechtschreibung" erschienen. Etwa 5000 Begriffe sind neu in der inzwischen 25. Auflage, darunter "Einbürgerungstest", "Gesundheitsfonds", "Herdprämie" oder "Hybridauto". Andere Wörter, die in der Auflage zuvor als "veraltet/veraltend" geführt worden waren, flogen indes raus: "Genüssling" zum Beispiel oder "Cochonnerie" (Schweinerei).

Das Szene-Wörterbuch - pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erschienen - ist ein bisschen so was wie der rebellische kleine Bruder des "normalen" Dudens. Das Nachschlagewerk versteht sich als "Momentaufnahme" des Sprachgebrauchs. Trotzdem gibt es Wörter, die sowohl im "etablierten" als auch im "fancy" (modischen) Duden stehen - zum Beispiel "Abwrackprämie", "fremdschämen", "Komasaufen", "twittern" oder "vorglühen". Im Szene-Duden werden sie aber etwas lockerer erklärt.

Basis für das neue Wörterbuch war ein Szenesprachenwiki (ein Online-Wörterbuch, siehe letztes ZahnNewsLetter), in dem Internetnutzer von März bis etwa Juni angesagte Wortschöpfungen vorschlagen konnten.

Die gedruckte Version stellt nun in sechs Kapiteln mit künstlichen englischen Namen wie "Stylelife" mehr als 700 Begriffe aus verschiedenen Lebenswelten vor. Für die Redaktion war das Auswahlkriterium, "dass die Wörter einerseits verbreitet sind, andererseits noch nicht in traditionellen Wörterbüchern stehen".

Im "Social Life" sind das demnach Begriffe wie "bitchen" (zickig sein, Zickenterror verbreiten; auch: gleichzeitig mit mehreren Menschen rummachen), "Casual Sex" (zwangloser Sex unter guten Bekannten), "Chatlag" (Mix aus Chat und Jetlag: Überforderung beim Chatten) oder "Egoboost" ("Hochgefühl" des Ichs nach einem Lob oder Kompliment).

Im Kapitel "Techlife" geht es dagegen beispielsweise um "atten" (bei Onlinespielen die kurze Bezeichnung für attackieren), "E-diot" (elektronischer Idiot, jemand mit Halbwissen in Sachen Web 2.0), "Haecksen" (weibliche Hacker, also Computereindringlinge) oder den "Katzenblog" (privates Online-Tagebuch - langweilig und ohne Leser).

In der Rubrik "Nightlife" dagegen finden sich "Abflashen" (maßlose Begeisterung für etwas total Tolles), "beef" (handfester Streit) oder "dönieren" (nächtliches Döner-Essen). Oft begegnet man beim Ausgehen auch "Druffis" (Leuten unter Drogeneinfluss) oder "Gesichtsfasching" (Menschen mit entglittenen Gesichtszügen). Außerdem "shishen" Nachtschwärmer gerne mal (Wasserpfeife (Shisha) rauchen) und trinken am Folgetag ein "Konterbier" (also immer weiter, um den Kater zu verzögern).

Das "Stylelife" ist dagegen etwas für die "Bionadebourgeoisie" (Bio kaufende, grün wählende Szeneviertel-Bewohner) oder "Latte-Macchiato-Mamas" (trendbewusste Mütter).

Die Seiten rund ums "Serious Life" versammeln Erscheinungen wie "Bore-Out" (Langeweile im Job, die zu ähnlichen Symptomen wie Burn-Out führt), "Futternarkose" (Sättigung nach dem Lunch, die lähmt) oder den "Ökonozid" (Suizid aus ökonomischen Gründen).

Das "Medialife" hat indes Wörter hervorgebracht wie "Recall" (begehrte Wiedervorladung bei Castingshows), "Jesusphone" (Lästerbegriff für das iPhone, weil Fans der Firma Apple deren Chef Steve Jobs so anhimmeln) oder aber eine Umschreibung für die Gratis-Zeitschrift "Apotheken-Umschau": "Rentner-Bravo".
Weitere Wörter aus dem neuen Szene-Duden

"Münzmallorca": Wort für Solarium, oft besucht von "prolligen Bodybuildern" oder "tussigen Wasserstoffblondinen".

"Chickmagnet" (aus engl. "chick" für Mädchen und Magnet): Mann, der es auf wundersame Weise schafft, Frauen um sich zu scharen.

"Mingle" (aus engl. "mixed single"): jemand, der trotz Partnerschaft in eigener Wohnung lebt.

"Drölf": irgendetwas zwischen 11 und 14 - heute einfach ein Platzhalter für eine ungenaue Zeitangabe.

"Bobo" (Mix aus "Bourgeois" und "Bohemien"): Leute, die frühere Gegensätze vereinen, zum Beispiel Reichtum und Rebellion.

"Pageturner" (zu engl. "to turn a page"): (dicke) Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legt und in einem Rutsch durchliest.

"Schlusswunde": psychische Wunde, die nach dem Ende einer Liebesbeziehung entsteht.

"Knowbie": Besserwisser, der glaubt, sich mit allem auszukennen, zu allem etwas sagen zu können und Kollegen gerne auf Fehler hinweist.

"snoozeln" (aus engl. "snooze" für dösen): immer wieder die Schlummertaste am Wecker drücken und liegen bleiben.

"Screenager" (aus engl. "screen" und "teenager"): Kinder, die alles langweilig finden, was nicht vor einem Bildschirm stattfindet.

  [ ©: Ärztezeitung / dpa ]

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